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Weshalb die reformierte Kirchgemeinde Lauterbrunnen die Gedenkstätte für Unfallopfer initiiert hat
Aus Regionaljournal Bern Freiburg Wallis vom 15.05.2021.
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Freizeit-Mekka Lauterbrunnen Basejumper und Bergsteigerinnen: Gedenkstätte für Verunglückte

Im Berner Lauterbrunnental kommt es immer wieder zu tödlichen Unfällen. Nun gibt es eine offizielle Gedenkstätte.

Walter von Allmen hat sie von seinem Haus aus in Stechelberg direkt im Blick: Die steilen Felswände, von denen sich jedes Jahr Hunderte Basejumperinnen und Basejumper stürzen. Nicht immer landen die Extremsportlerinnen und Extremsportler auf der Wiese vor seinem Haus: Er musste sie auch schon von seinem Apfelbaum holen, oder vom Hausdach. Einige Unfälle verliefen gar tödlich. «Wir sind hier im Tal mit Unfällen aufgewachsen», sagt von Allmen. Der Tod sei nicht gerade Alltag, aber er gehöre zum Leben.

Private Gedenkstätten erinnern an Verunglückte

Dass es hier im Lauterbrunnental im Berner Oberland immer wieder zu tödlichen Unfällen kommt, daran erinnern auch private Gedenkstätten. Wie etwa jene am Fusse des Mürrenbachfalls, die gleich mehreren Personen gedenkt, die in der Nähe beim Basejumping verunglückt sind. Neben Plaketten mit den Namen der Verstorbenen finden sich hier auch persönliche Gegenstände: Eine Sonnenbrille, ein Helm und sogar eine Urne.

Private Gedenkstätte mit Helm, Urne, Steinherz
Legende: Eine private Gedenkstätte für verunglückte Basejumper am Fuss des Mürrenbachfalls. SRF

«Solche privaten Gedenkstätten gibt es viele», sagt Walter von Allmen, der auch Präsident der Kirchgemeinde Lauterbrunnen ist. Für Menschen, die das Tal besuchen, seien markante Gedenkstätten jedoch nicht nur angenehm. «Das kann einen Ort, so schön er auch ist, stark belasten», so von Allmen. Zudem würden diese Stätten zum Bild beitragen, das in gewissen Medien von Lauterbrunnen gezeichnet werde: Dass es ein Todestal sei.

Todesfälle beim Basejumping

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Basejumper oder auch Wingsuit-Pilotinnen müssen bei ihrem Sport durchaus mit Todesfällen rechnen, zeigt ein Blick in die Statistik: Zwischen 1981 und 2020 starben laut der sogenannten Todesliste , Link öffnet in einem neuen Fenster403 Personen (Stand: 14. Mai 2021) an den Folgen eines Sprunges.

Davon entfallen rund 15 Prozent auf das Lauterbrunnental. In diesem Tal werden rund 20'000 Absprünge pro Saison gezählt. Bereits 60 Springer verloren bis Mitte 2020 ihr Leben.

Schon länger hat die Kirchgemeinde deshalb geplant, eine offizielle Gedenkstätte für Unglücksopfer einzurichten. Dieses Wochenende wurde sie auf dem Friedhof Lauterbrunnen eröffnet. Sie besteht aus zwei grossen Steinen sowie einer Betonplatte mit einer eingravierten Feder.

Zwei grosse Steine, eine Betonplatte mit eingravierter Feder, im Hintergrund Berge mit Schnee und ein Wasserfall
Legende: Die Gedenkstätte für Unglücksopfer befindet sich auf dem Friedhof von Lauterbrunnen. SRF

Nicht nur für verunglückte Basejumper

Lauterbrunnen ist weltweit bekannt fürs Basejumping. Pfarrer Tschanz betont jedoch: «Diese Gedenkstätte ist keine Erinnerungsstätte für verunglückte Basejumper.» Unfälle würden auch anderswo passieren: beim Bergsteigen, im Wasser oder auf der Strasse.

Klar lebe man hier im Lauterbrunnental vom Tourismus, dazu gehörten auch gewagte Freizeitaktivitäten wie Basejumping, so Tschanz. «Aber uns ist es wichtig zu zeigen: Diese Todesfälle lassen uns nicht kalt.»

Bergsteigerfriedhof in Zermatt

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Grabstein
Legende: Michel-Auguste Croz war einer der ersten Matterhornbesteiger Keystone

Auch rund um Zermatt im Wallis kommt es immer wieder zu tödlichen Unglücken – vor allem bei Bergsteigerinnen und Bergsteiger. Zermatt hat darum einen Bergsteigerfriedhof eingerichtet.

Frauen und Männer aus aller Welt starben am Matterhorn, am Täschhorn, Weisshorn, Liskamm, im Monte-Rosa-Gebiet oder auch am Obergabelhorn – sie stürzen ab, fielen in eine Gletscherspalte, kamen in eine Lawine, einen Steinschlag. Die meisten Verunglückten stammen aus dem 19. Jahrhundert, so auch jener von Michel-Auguste Croz. Einer von vier Bergsteigern, die bei der Erstbesteigung des Matterhorns am 14. Juli 1865 abstürzte.

Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 15.05.21, 17:30 Uhr;

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18 Kommentare

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  • Kommentar von Okihara Herbst  (Okihara Herbst)
    "Im Berner Lauterbrunnental kommt es immer wieder zu tödlichen Unfällen. Nun gibt es eine offizielle Gedenkstätte."

    aka. Es isch jetzt wieder alles guet. Circulez!
  • Kommentar von Claudia Beutler  (Claudia)
    Ich habe Mühe mit einem Gedenkstein für Menschen, die genau wissen welches Risiko sie eingehen. Bei 20 Toten im Jahr ist die Gefahr klar.
    1. Antwort von Patrik Müller  (P.Müller)
      Also keine Gedenksteine mehr bei tragischen Flugzeugabstürzen oder dergleichen. Man weiss ja: Fliegen ist gefährlich, jeder der sich in einen Flieger setzt weiss um das Risiko!
      Bitte nicht entgegenen, dass da gut geschaut wird und Profis pilotieren etc. etc. Sogar Base-Jumper springen nicht ohne checks einfach so in den Abgrund...
  • Kommentar von Philipp M. Rittermann  (airmaster1)
    es wär' angebrachter den rettungskräften ein denkmal zu setzen, die regelmässig die sauerei der adrenalin-junkies aufräumen müssen.
    1. Antwort von Patrik Müller  (P.Müller)
      An jeder Autobahneinfahrt ein "Memento Mori" und Gedenktafel für den Einsatz von Polizei, Sanität und Feuerwehr...
      Vor jedem Pass eine laufend aktualisierte Leuchttafel mit den Opferzahlen von Motorrädern im lifestream...
    2. Antwort von Okihara Herbst  (Okihara Herbst)
      Meinen Sie, die Rettungskräften wären glücklicher, wenn sie nicht eintreten müssten? Das denke ich nicht.