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Falsche Profile auf Dating-Webseiten sind unlauter
Aus Espresso vom 04.06.2018.
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Frust beim Online-Dating Falsche Profile auf Dating-Webseiten sind unlauter

Das Staatssekretariat für Wirtschaft bezeichnet falsche Profile als unlauter. Ein Hinweis in den AGB reiche nicht aus.

Das Wichtigste in Kürze

  • Dating-Portale locken Kunden mit der Aussicht auf Sex-Treffen an. Dazu gehören die fast gleichlautenden «The Casual Lounge» und «Casual Lounge» oder auch «Lustradar.ch».
  • Die Plattformen setzen für den Kundenfang falsche Profile oder sogenannte Animateure ein und geben das im Kleingedruckten sogar zu.
  • Das Staatssekretariat für Wirtschaft Seco stuft dies als unlauter ein. Da die Kunden in solchen Fällen keine Gegenleistung für ihr Geld erhielten, seien die Verträge möglicherweise sogar ungültig.
  • Mangels Beschwerden sind dem Seco bislang aber die Hände gebunden, dies durch ein Gericht klären zu lassen.

Nach einem Beitrag im SRF-Konsumentenmagazin «Espresso» über falsche Dating-Profile auf einschlägigen Portal haben sich diverse Hörer gemeldet, die auch schon unwissentlich auf Chat-Roboter oder sogenannte Animateure hereingefallen sind. Portale wie die fast gleichlautenden «The Casual Lounge» und «Casual Lounge» oder «Lustradar.ch» geben diese falschen Profile in den allgemeinen Geschäftsbedingungen AGB sogar zu.

«Espresso» vom 18.05.18

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Täuschung der Kunden ist ein Verstoss gegen das UWG

Auf Anfrage des SRF Konsumentenmagazins «Espresso» erklärt Philippe Barman, stellvertretender Leiter Recht des Seco, seiner Einschätzung nach sei dies ein Verstoss gegen das UWG, das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb. Was einem auf der Startseite der Online-Dating-Portale versprochen werde, könne nicht einfach im Kleingedruckten ausgeschlossen werden. Es dürfte sich um Täuschung der Benutzer handeln.

Wahrscheinlich kämen noch weitere Paragraphen des UWG zur Anwendung, sodass die Verträge, die zwischen Benutzern und Betreibern der Seite abgeschlossen werden, nichtig sein dürften, sagt Philippe Barman vom Seco. Das Problem: Dies müsste ein Gericht aufgrund der Rechtslage bestimmen. Das Seco kann erst aktiv werden, wenn sich geprellte Konsumenten melden.

Verdächtige AGB-Formulierungen bei Dating-Plattformen:

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Solche Formulierungen weisen laut der Verbraucherzentrale Bayern auf falsche Profile hin:

  • «Ein männliches Profil kann von einer weiblichen Moderatorin, ein weibliches Profil von einem männlichen Moderator betrieben werden.»
  • «Sie erkennen an und erklären sich damit einverstanden, dass die Profile ausschliesslich für Ihre Unterhaltung und zur Förderung Ihrer Nutzung unseres Service sind.»
  • «Aus dem Umstand, dass zu einem Profil Kontaktdaten angegeben werden, kann nicht gefolgert werden, dass sich hinter dem Profil eine wirklich existierende Person verbirgt.»
  • «Es handelt sich um einen moderierten Dienst. Dazu legen Moderatoren, die vom Betreiber beschäftigt werden, eine Vielzahl von Profilen fiktiver Personen an und geben sich als diese fiktive Person aus.»
  • «Die Moderation dient dazu, die Aktivitäten über das Portal und damit die Umsätze des Betreibers zu erhöhen.»
  • «Alle Äußerungen sowie alle von den fiktiven Profilen angegebenen persönlichen Daten sind Erfindungen der Moderatoren.»
  • «Es sind keine realen Treffen möglich.»
  • «Das Unternehmen weist darauf hin, dass Controller/Operateure/Animatoren eingesetzt werden und tätig sind, die unter mehreren Identitäten am Chat teilnehmen.»
  • «Um die Funktion zu gewährleisten, werden, wie allgemein in solchen Flirtportalen und Kontaktvermittlungen im Internet üblich, vom Leistungsanbieter Animateure eingesetzt, die im System nicht gesondert gekennzeichnet werden, um die Kontaktplattform für die Nutzer attraktiv zu gestalten.»

Das Seco wird erst nach Eingang von Beschwerden aktiv

Dann würden laut Philippe Barman in einem ersten Schritt zunächst Abmahnungen verschickt. Melden sich genügend Konsumenten und reagieren die Betreiber nicht auf die Abmahnung, kann das Seco den Fall vor Gericht klären lassen. Bis jetzt habe sich beim Seco jedoch noch niemand mit einer Beschwerde gemeldet. Die erwähnten Dating-Portale haben auf Anfragen von «Espresso» zum Thema nicht reagiert.

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Lucas Kunz  (L'art pour l'art)
    Fake-Mitglieder muss es auch massenweise auch bei den «seriösen» Partnerschaftargenturen geben, u.a. jene, die in den Städten uns allgemein mit Werbung gross auffällt. Das merkst du dann, wenn du dich bislang kostenfrei angemeldet hast und plötzlich so die Anfragen reinpurzeln, damit man sich für eine Abo entscheiden soll.
  • Kommentar von Laura Mueller  (LauraM)
    Ich würde nie für ein dating portal bezahlen. Jeder weiss dass auf diesen Seiten viele Fake profile drauf sind. Deshalb viele sind selber Schuld. Es gibt gute kostenlose Seiten wie zb. Okcupid. Ich habe meine Seelenverwandte über diese Seite gefunden.
  • Kommentar von Peter Amthauer  (Peter.A)
    Es wundert mich, dass dieser Betrug stattfinden darf, solange keine Privatpersonen dagegen klagen. Hier muss nachgebessert werden.
    MfG
    1. Antwort von Felix Rothenbühler  (Felix Rothenbühler)
      Nennen wir Ross und Reiter beim Namen: Bürgerlich-Rechts wehrt sich seit 1291 gegen jede Verschärfung des Konsumentenschutzs, egal in welchem Bereich. Gehen Sie also Wählen. Aber wählen Sie weise.