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Frustrierte Treuekunden Schrumpfende SBB-Gutscheine: Es gibt gute Alternativen

Europareisen-Gutscheine kann man nur am Schalter gegen Bearbeitungsgebühr einlösen. SBB-Kunden können das aber umgehen.

Legende: Audio SBB-Guscheine mit Haken: Es gibt gute Alternativen abspielen. Laufzeit 01:27 Minuten.
01:27 min, aus Espresso vom 20.08.2018.

Vor zwei Monaten belohnte die SBB ihre treusten Kundinnen und Kunden mit Gutscheinen im Wert von 120 Franken. Darunter findet sich ein 30-Franken-Gutschein für Europareisen. Doch dieser hat einen Haken: Er ist nur am Schalter einlösbar, nicht aber online. Am Schalter verlangen die SBB aber Bearbeitungsgebühren: zehn Franken pro Person.

Das finde ich stossend und nahe der Bauernfängerei.
Autor: «Espresso»-Hörer

Ein Hörer, der zu zweit von Zürich nach Mailand reisen und den Gutschein dafür nutzen wollte, ärgert sich gegenüber «Espresso»: «Dieser Gutschein ist beinahe wertlos. Das finde ich stossend und nahe der Bauernfängerei.»

Der Preisüberwacher ist alarmiert

Anderen GA-Besitzern stossen diese Bearbeitungsgebühren ebenfalls sauer auf. Einige haben sich bei Preisüberwacher Stefan Meierhans beschwert. Auch er selbst kritisiert «die dreiste Vorgehensweise der SBB. Dieser Gutschein muss einen Wert von 30 Franken haben – nicht weniger.»

Es ist ernüchternd.
Autor: Stefan MeierhansPreisüberwacher

Das sind klare Worte von Preisüberwacher Stefan Meierhans. Kein Wunder, schliesslich hat die SBB die Gutscheine im Frühling auf seinen Druck hin eingeführt. Der Preisüberwacher forderte nämlich, dass die treuen GA-Besitzer auch einmal von Rabatten profitieren. Er beanstandete zudem die Billett-Preise der SBB, die teils unverhältnismässig teuer seien und kritisierte, dass die SBB zu viel Gewinn mache.

Mann referiert.
Legende: Das war nicht die Abmachung. Preisüberwacher Stefan Meierhans ist verärgert. Keystone

Das ewige Dossier

Mit der Einführung der Gutscheine freute sich der Preisüberwacher, das SBB-Dossier für dieses Jahr schliessen zu können. Rund zwei Monate später hält es Meierhans bereits wieder auf Trab. «Es ist ernüchternd», seufzt er.

Die SBB indes verteidigt ihren Gutschein: Dieser habe durchaus 30 Franken Wert. Es handle sich bei den Bearbeitungsgebühren um die sogenannte Auftragspauschale. Diese Gebühr bezahlen alle Kunden am Schalter, die eine Reise ins Ausland buchen, teilt die SBB mit.

Wer online bucht, muss keine Gebühren bezahlen. Gerade bei einer Reise von Zürich nach Mailand wäre dies ein Leichtes gewesen.
Autor: SBB

Online fallen die Gebühren weg

Tatsächlich kommen diese Bearbeitungsgebühren dazu, wenn man eine internationale Reise am Schalter bucht. Doch wer dies online tut, muss keine Gebühren bezahlen. Gerade bei einer Reise von Zürich nach Mailand, wie sie der Hörer plante, wäre dies ein Leichtes gewesen.

Warum ist der Gutschein online denn nicht einlösbar? Das habe technische Gründe, erklärt die SBB: «Weil viele internationale Reisen wegen fehlender Schnittstellen zu andern Bahnen noch nicht online gebucht werden können, wären Online-Gutscheine nicht kundenfreundlich.» Anders gesagt: Die Buchungsplattformen sind online zu wenig miteinander vernetzt.

Eine Frage der Zeit

Trotzdem fordert Preisüberwacher Stefan Meierhans von der SBB eine andere Lösung. Entweder müsse der Gutschein online einlösbar sein oder die SBB zeige sich am Schalter kulant und verzichte auf die Bearbeitungsgebühren. «Man kann den Leuten doch nicht den Speck durch den Mund ziehen und sie danach an der Nase herumführen.» Deshalb sei er im Gespräch mit der SBB – um «aufzuräumen», wie Meierhans sagt.

Die SBB arbeitet gemäss eigenen Aussagen an einer Online-Lösung. Wann diese fertig ist, könne sie noch nicht sagen. Viel Zeit bleibt aber nicht: Der Gutschein ist nämlich bis Ende Jahr befristet. Läuft er ab, hätte sich das Problem für die SBB von alleine gelöst.

Eine gute Lösung

Es gibt aber Alternativen: So kann man die Gutscheine für internationale Reisen auch bei Privatbahnen einlösen – ohne Gebühren zu bezahlen. Auch wenn die Bahnen nicht viel mit internationalen Reisen zu tun haben.

Bei der RBS im Raum Bern und Solothurn, den Appenzeller Bahnen oder bei der Forchbahn im Raum Zürich ist dies möglich, wie die Transportunternehmen auf Anfrage von «Espresso» schreiben.

Eine Gebühr von fünf Franken pro Person zahlt man bei der BLS, die im Raum Bern und Zentralschweiz fährt. Soviel kostet es auch bei den Freiburgischen Verkehrsbetrieben TPF.

Die Südostbahn und die Rhätische Bahn wiederum nehmen den Gutschein zwar entgegen. Doch bezahlt der GA-Kunde bei diesen Unternehmen gleich viel wie bei der SBB – also 10 Franken pro Person. Wenig Glück haben GA-Kundinnen auch in der Region Basel: Bei den Basler Verkehrsbetrieben BVB und bei der BLT kann man die Gutscheine nicht einlösen.

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