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Stabile Wirtschaftsbeziehungen mit Liechtenstein
Aus Echo der Zeit vom 03.02.2021.
abspielen. Laufzeit 04:46 Minuten.
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Fürstentum Liechtenstein Das «Ländle» wählt und die Wirtschaft brummt

Das Fürstentum wählt Parlament und Regierung. Ein ökonomischer Blick auf den umtriebigen Kleinstaat am Rand der Schweiz.

Mit keinem Land pflegt Liechtenstein so intensive Wirtschaftsbeziehungen wie mit der Schweiz. 39'000 Einwohnerinnen und Einwohner zählt der kleinste Staat im deutschsprachigen Raum. Die konstitutionelle Monarchie ist ein Kleinstaat mit Erfolg. Nirgendwo weltweit trägt jeder Beschäftigte soviel zum Bruttoinlandprodukt bei: 202'000 Franken.

22'000 pendeln täglich ins Ländle

Ohne die Schweiz und Österreich wäre dies nicht möglich, 22'000 Menschen pendeln täglich in den Kleinstaat, wie Ökonom Andreas Brunhart vom Liechtenstein-Institut erklärt: «Die Zupendler machen 56 Prozent der Beschäftigung in Liechtenstein aus. Sehr viele hochqualifizierte Arbeitskräfte, ohne deren Know-how die liechtensteinische Volkswirtschaft nicht denkbar wäre.»

Es sei die Offenheit Liechtensteins, die für den Erfolg verantwortlich sei, so Brunhart: Autonom, unabhängig, souverän auf der einen Seite. Aber auch partnerschaftlich, lösungsorientiert, mit dem Blick nach vorne gerichtet.

Der Spagat – nicht immer einfach

Liechtenstein, das mit der Schweiz seit 1924 mit einem Zollvertrag eng verbunden ist, sitzt gleichzeitig im EWR mit den grossen Ländern an einem Tisch. Und das schon seit 26 Jahren.

Was laut Brunhart nicht immer einfach ist: «Es ist manchmal ein schwieriger Spagat, wenn man sich gleichzeitig nicht nur in zwei Wirtschaftsräumen, sondern auch in zwei Rechtsräumen bewegt.» Umso grösser das Rechts- und Regulierungsgefälle zwischen EU und Schweiz sei, umso schwieriger werde für Liechtenstein der Spagat. Der Fünfer und das Weggli hätten also auch eine Kehrseite.

Wahlen ohne Einfluss auf Beziehungen

Weil diese Zusammenarbeit mit der EU und der Schweiz eingespielt sei, hätten die Wahlen keine Auswirkungen auf die Wirtschaftsbeziehungen, sagt Brunhart. Auch das Fürstenhaus garantiere Kontinuität. Fürst Hans-Adam hatte sich schon 1970 für eine weltoffene Aussenpolitik mit der Schweiz als wichtigstem Partner ausgesprochen.

Daran habe sich nichts geändert, sagte der Fürst beim letzten Staatsfeiertag: «Der europäische Markt ist gerade für unsere Industrie, aber auch für den Dienstleistungssektor ein ganz wichtiger Faktor. Das hat auch dazu beigetragen, dass mit der EWR-Mitgliedschaft bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung der Verträge mit der Schweiz dieser Boom hier entstanden ist.»

Vaduz.
Legende: Die fünf im Landtag vertretenen Parteien treten am Sonntag mit 75 Kandidatinnen und Kandidaten an. Regierungschef Adrian Hasler und Regierungsrat Mauro Pedrazzini, beide von der Fortschrittlichen Bürgerpartei in Liechtenstein (FBP), kandidieren nicht mehr. Die FBP nominiert mit Sabine Monauni erstmals eine Frau als Regierungschefkandidatin. Keystone

Segen für die Ostschweiz

Bei der Industrie- und Handelskammer St. Gallen-Appenzell ist Direktor Markus Bänziger überzeugt, dass es keine Kehrtwende bei den Wirtschaftsbeziehungen geben wird – auch wegen dem Fürstenhaus. Das Fürstenhaus habe ein spürbares Gewicht gerade in der Aussenpolitik: «Das gibt natürlich Stabilität, wenn man über Jahrzehnte dieselben personellen Konstellationen vorfindet.»

Diese Stabilität sei sowohl für die Schweiz als auch für Liechtenstein ein Erfolgsrezept, so Bänziger: Die Ostschweiz und die ans Fürstentum angrenzenden Gebiete profitierten massgeblich von dieser Wirtschaftsmacht. Die enge Verflechtung im Arbeitsmarkt mit 12'000 Schweizer Pendlerinnen und Pendlern täglich generiere Wertschöpfung auf beiden Seiten. Die ganzen Zulieferketten stärkten die ganze Wirtschaftsregion Ostschweiz massgeblich.

Vielleicht ist dies auch ein Grund, weshalb das Interesse an den Liechtensteiner Wahlen selbst in der Ostschweiz mässig ist. Denn an den Wirtschaftsverflechtungen wird sich nichts ändern.

Echo der Zeit, 03.01.2021, 18:00 Uhr

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Marcel Meier  (Cello)
    Wer im Ländle das Privileg hat und ein Mehrfamilienhaus besitzt, muss die Einnahmen der Mietwohnungen nicht versteuern, Einkommen: Null. Und wenn der Besitzer einen Job hat, z. B angestellt ist, kann er auch eine seiner eventuell leerstehenden Wohnungen als Verlust von seinem steuerbaren Einkommen abziehen. Liechtenstein ist sowas wie ein Cliché der Schweiz.
    1. Antwort von Norbert Zeiner  (ZeN)
      Schätze mal, die grosse Mehrheit im Parlament sind "Eingeborene", von denen jeder mehr oder weniger Wohnungen besitzt, die man mit Kredit gebaut hat und dafür das Bauland, das im Schlaf immer mehr wert wird, als Sicherheit der Bank hinterlegt hat. Steuerfreie Reingewinne von mehreren 10'000 Fr/Jahr sind einem so gesichert, praktisch risikolos mit minimalen Eigenmitteln. Wie überall in Politik wird sich nichts ändern, solange man persönlich (auf Kosten der anderen) profitiert.
  • Kommentar von René Baron  (René Baron)
    FL hat digital vorwärts gemacht und z.B. die E-ID innert Jahresfrist eingeführt auf deren Basis die neue Economy brummt und fruchtet. Das schafft neue, moderne Arbeitsplätze mit Zukunftsperspektive, ist Corona resistent und generiert unter dem Strich neue Einnahmen welche auch die Schweiz dringend benötigen würde.
    Noch nicht so weit wie Estland, zeigt FL wie moderne Regierung geht.
    Leider erkennt die offizielle Schweiz das wohl auch erst, wenn sie Leute hat, die digital beurteilen können.
  • Kommentar von Michael Hinrichs  (Deguoren)
    12000 Schweizer pendeln jeden Tag. Die Zulieferkette stärkt den ganzen Ostschweizer Wirtschaftsraum. Eine grosse Erfolgsgeschichte. Ich fragen mich da nur, warum die Pendler und Firmen aus Deutschland so kritisch, gerade von den Ostschweizern gesehen werden.