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Teureres Trinkwasser wegen Pestiziden
Aus 10 vor 10 vom 31.08.2020.
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Fungizid Teurer Kampf gegen Chlorothalonil im Trinkwasser

Trinkwasser enthält oft das Fungizid Chlorothalonil. Gemeinden müssen teilweise weniger belastetes Trinkwasser anzapfen.

Trinkwasser ist das wohl bestkontrollierte Lebensmittel in der Schweiz. Je mehr kontrolliert wird, desto eher stossen die Kantonslabore auf Substanzen, die nicht in das kostbare Nass gehören. Prominentes Beispiel ist das Fungizid Chlorothalonil. Die Landwirtschaft setzte es jahrelang gegen Pilzbefall ein.

Seit Anfang Jahr ist das Mittel verboten, weil es als «wahrscheinlich krebserregend» gilt. Aber seine Spuren sind langlebig. Wie der «Blick» schreibt, wird der Grenzwert von 0.1 Mikrogramm pro Liter vielerorts überschritten.

Wasserqualität soll verbessert werden

Martin Sager, Direktor des Schweizerischen Vereins des Gas- und Wasserfaches (SVGW), schätzt auf Nachfrage von SRF, «dass etwa eine Million Menschen in der Schweiz» Wasser trinken, das zu viele Chlorothalonil-Rückstände enthält. Derzeit arbeiten Kantone und Versorgungsbetriebe an einer detaillierten Statistik.

Viele Gemeinden haben begonnen, die Qualität zu verbessern, indem sie weniger belastetes Trinkwasser anzapfen. Zum Beispiel im zürcherischen Oberglatt mit seinen 7000 Einwohnerinnen und Einwohnern. Seit Sommer mischt die Kommune qualitativ unbedenkliches Wasser aus dem Zürichsee bei.

Gemeinden müssen Werte senken

«Dies kostet uns jährlich 200'000 bis 250'000 Franken. Für uns ist das eine Stange Geld», erklärt Gemeinderat Reinhard Hofmann. Aber erst, wenn der Zustand länger andauern sollte, müsse man über eine Erhöhung der Gebühren nachdenken.

Eineinhalb Jahre – dieser Zeitplan ist ehrgeizig.
Autor: Urs SchwarbGemeinderat im freiburgischen Fräschels

Im freiburgischen Fräschels würde Gemeinderat Urs Schwarb gern Wasser von Nachbargemeinden beziehen. Eine Lösung ist dies allerdings nicht. «Deren Wasser ist zwar besser als unseres, aber auch nicht einwandfrei.»

Noch eineinhalb Jahre haben die Schweizer Gemeinden Zeit, um die Chlorothalonil-Werte auf maximal 0.1 Mikrogramm pro Liter zu senken. «Eineinhalb Jahre – dieser Zeitplan ist ehrgeizig», so Schwarb. «Aber es ist eine Vorgabe und die versuchen wir zu erfüllen.»

Warnung vor Fehlinvestitionen

SVGW-Direktor Martin Sager warnt vor überstürzten Entscheiden, die in teure Fehlinvestitionen münden. Er gibt ein Beispiel. «Es ergibt keinen Sinn, jetzt eine Aufbereitungsanlage zu bauen, ohne dass wir sicherstellen oder wissen, ob sie auch künftig fähig ist, noch andere Fremdstoffe ausser Chlorothalonil zu eliminieren.»

Primäres Ziel bleibe die Prävention. «Wir müssen vermeiden, dass Schad- und Fremdstoffe ins Trinkwasser gelangen.» Bis das Chlorothalonil-Verbot Wirkung zeigt, werden Jahre verstreichen.

10vor10, 31.08.2020, 21.50 Uhr

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36 Kommentare

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  • Kommentar von Olaf Schulenburg  (freier Schweizer)
    Es soll zu 100% bezahlen wer damals profitiert und verdient hat, ansonsten ist es wieder ein Beispiel mehr wie Gewinne privatisiert und Kosten sozialisiert werden. Und ebenso sollen Verbände und Parteien die noch heute für Gifteinsätz plädieren öffentlich zur moralischen und finanziellen Rechenschaft umd Verantwortung gezogen werden.
  • Kommentar von Hans Bernoulli  (H.Bernoulli)
    Auf all den Chemikalien gehört eine saftige Umweltabgabe im Sinne der Internalisierung der Kosten. Das wäre marktwirtschaftlich sauber und würde zu einem bewussten Umgang mit diesen Stoffen führen und Alternativen fördern.
  • Kommentar von Bendicht Häberli  (bendicht.haeberli)
    2/2: Der Kampf gegen Chlorothalonil im Trinkwasser kann teilweise durch Technik behoben werden, jedoch ist zeitgleich die Menge an Oberflächenwasser zu plafonieren oder sogar zu reduzieren. Weiter gilt es zu bedenken: Wir jammern auf hohem Niveau. Die Schweiz ist das Wasserschloss Europas. Durch den Rhein, die Rhone, den Tessin und den Inn verteilen wir verantwortungslos das belastete Wasser an unsere Nachbarn (DE, FR, IT und AT). Wieder die gleiche Laier: Die Schweiz hat zu viele Zweibeiner.