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Luzern fehlen die Touristen
Aus Schweiz aktuell vom 13.01.2021.
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Gästeschwund Coronakrise zeigt Luzerns Abhängigkeit vom Tourismus

In Luzern ist der Tourismus für viele Geschäfte überlebenswichtig. Das vergangene Jahr lehrte sie «Bescheidenheit».

Mai 2019: Eine Reisegruppe von 12‘000 Chinesinnen und Chinesen strömte über wenige Tage verteilt durch die Stadt Luzern. Dicht an dicht drängten sie sich in den Luzerner Läden um die Regale voller Schokolade, Uhren und anderer Souvenirs. Dieser Ausflug der Belegschaft eines grossen chinesischen Konzernes stand damals sinnbildlich für die Touristenströme, die Luzern jeden einzelnen Tag zu bewältigen hatte.

Chinesische Reisegruppe auf Fussgängerstreifen
Legende: Ein Bild aus anderen Zeiten: Im Mai 2019 bekam Luzern Besuch von einer Reisegruppe aus 12'000 Chinesinnen und Chinesen. Keystone

Heute wirken die Bilder wie aus einer anderen Zeit. Seit Beginn der Coronapandemie sind Hotspots wie die Kapellbrücke, das Löwendenkmal oder der Carparkplatz beim Schwanenplatz leer. Die Übernachtungen brachen um zwei Drittel ein. Damit gehört Luzern nebst Zürich und Genf zu den von der Tourismus-Krise am stärksten betroffenen Orten.

5 von 120 Zimmern sind belegt

Für eine Stadt, die ihre Identität rund um den Tourismus aufgebaut hat, ist dies eine Katastrophe. Die konkreten Auswirkungen zeigen sich bei den Dienstleistern, die praktisch ihren ganzen Umsatz mit Besuchern aus anderen Ländern machen. Im Vier-Sterne-Hotel Monopol etwa steht momentan die Chefin selbst an der Reception. Sonst arbeitet im Hotel nur noch ein Lehrling, für den sie keine Kurzarbeit beantragen darf.

«Im Januar 2020 hatten wir noch 32 Mitarbeitende, jetzt sind es noch 16», sagt Hoteldirektorin Brigitte Heller, «und von diesen 16 sind mehr oder weniger alle in Kurzarbeit». Stellen gestrichen habe sie vor allem bei den Saisonniers, weil sie diese nicht mehr braucht. «Momentan sind pro Tag im Durchschnitt fünf bis acht Zimmer belegt. Vor einem Jahr waren es viermal so viel. Eine traurige Sache.» Insgesamt könnte Heller 120 Zimmer vermieten.

Weniger Schiffe auf dem Vierwaldstättersee

Ähnlich ergeht es der Schifffahrtsgesellschaft Vierwaldstässersee SGV. Die meisten ihrer Schiffe ankern unbenutzt vor der Werft. Direktor Stefan Schulthess musste eine schlechte Jahresbilanz ziehen. «Es fehlen die ausländischen Gäste und die Maskenpflicht schreckt die inländischen ab. Zudem spüren wir bei der Mobilität allgemein eine Zurückhaltung.»

Schiffe
Legende: Wegen des reduzierten Fahrplans ankern aktuell viele Schiffe der SGV vor der Werft. SRF

Die SGV nahm im Jahr 2020 nur halb so viel Geld ein wie 2019. Sie schrieb einen Verlust von acht Millionen Franken. Als Reaktion musste sie den Fahrplan reduzieren. «Wir werden rund 20 Prozent weniger Personal einstellen können, was in etwa 100 Leuten entspricht.»

Tourismusdirektor schaut nach vorne

Wie lange die Tourismusbranche noch darben muss, bleibt weiterhin unklar. Hoteldirektorin Brigitte Heller: «Das letzte Jahr hat uns Bescheidenheit gelehrt. Wir hoffen nun auf die Impfung, und dass sich die Leute danach wieder zu reisen getrauen.»

Auf die Zeit nach der Coronakrise bangt auch der Luzerner Tourismusdirektor Marcel Perren. «Es ist frustrierend. Der Januar vor einem Jahr war ein Top-Monat. Jetzt sind die Strassen beinahe menschenleer.» Trotzdem wolle man positiv in die Zukunft schauen, deshalb bereiten er und sein Team sich bereits jetzt auf die Rückkehr des Tourismus vor. «Wir versuchen, die ausländischen Märkte möglichst genau zu analysieren und zu schauen, was da die Bedürfnisse sind.» Man wolle bereit sein, wenn es wieder losgeht.

Schweiz aktuell, 13.01.2021, 19:00 Uhr;

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9 Kommentare

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  • Kommentar von markus hadorn  (samos)
    Oje, immer noch im Links-, Rechtsschützengraben Herr Bachmann? Schon mal davon gehört, dass die Probleme der heutigen Zeit nur überparteilich angegangen werden können? Wohin haben uns denn die jahrzehntelangen bürgerlich dominierten Regierungen gebracht? Zudem langweilen Parteifundis ob links oder rechts zunehmend weite Teile der Bevölkerung und hinterlassen den schalen Geschmack des Blabla. Was wir brauchen sind der Sache und der Menschen verpflichtete Frauen und Männer mit Augenmass!
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  • Kommentar von Peter Bachmann  (Bachmann Peter)
    Nun hat die linke Stadtregierung von Luzern ihre ungeliebten asiatischen Touristen auf natürliche Art und Weise verloren. Somit kann der Abbau der noch vorhandenen Carparkplätze zügig vollendet und der Ausbau zur Grün- und Velostadt fortgesetzt werden. Ohne Touristen werden viele Geschäfte und Hotels ihren Betrieb einstellen müssen. Leider werden die Einnahmen nicht mehr wie gewohnt sprudeln. Die umtriebigen Linken und Grünen werden bestimmt eine Lösung finden.
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    1. Antwort von Sancho Brochella  (warum?)
      @Peter Bachmann: Ja, Grüne und Linke werden Lösungen finden, denn sie sind gut gebildet, denken vernetzt, nachhaltig, sozial und konstruktiv. Das kann man nicht von allen Parteien sagen. Und ja, die Situation zeigt gut auf, was passiert, wenn man nicht diversifiziert und zu einseitig aufgestellt ist, nur weil es grossen Gewinn verspricht. Weniger Tourismus und dafür etwas längere Aufenthalte pro Tourist würde der Stadt Luzern und ihren Dauerbewohnenden übrigens gut tun.
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  • Kommentar von markus hadorn  (samos)
    Man will die Kohlen, nicht die Menschen! Luzerns Altstadt- mitlerweilen eine Bijouterie-Wüste. Liegt jetzt brach! Resultat einer krassen Fehlinvestition was Weitsicht und Mass anbelangen. Vergötterung des Neokapitalismus und jetzt klönen. Wie beschämend ist das denn!!
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    1. Antwort von Roger Ebischer  (RO.Ebi)
      Keine Fehlinvestition. Die Schweiz hat Ihren Reichtum nur mit dieser Wirtschaft aufgebaut. Ohne die reichen Touristen, würden hierzulande viel weniger Eigenheim bauen können. Wir leben seit Jahren im Luxus, ohne wirklichen Export.
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    2. Antwort von robert mathis  (veritas)
      (samos) wohne in der Umgebung von Luzern, es war oft nicht mehr angenehm als Einheimischer ein zu kaufen oder in ein Caffee zu gehen in der Luzerner Altstadt man wurde z.T.kaum beachtet wenn etwa Asiaten mit grossen Noten in der Nähe waren.Ich denke etwas Besinnung kann nicht schaden, vielleicht lernt man den Normalbürger dann auch wieder mehr schätzen.
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    3. Antwort von markus hadorn  (samos)
      Ich spreche von Weitsicht und Mass als Fehlinvestition. Nicht von Geld Herr Ebischer!!
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