Der Schweizerische Eishockeyverband trennt sich per sofort von Nationaltrainer Patrick Fischer – das wurde am Mittwochabend kommuniziert. Fischer, auf dem Eis ein Erfolgscoach, stolpert zum Ende seiner Karriere damit über sein eigenes Fehlverhalten: Er hatte vor vier Jahren ein Covid-Zertifikat gefälscht, um an den Olympischen Winterspielen in Peking dabei sein zu können, wie SRF-Recherchen gezeigt haben. Wie es zu dieser Recherche kam, erklärt SRF-Redaktor Pascal Schmitz.
SRF News: Ursprünglich ging es einfach um ein Porträt über Patrick Fischer?
Pascal Schmitz: Wir hatten einen Termin vor rund einem Monat für ein Porträt im Vorfeld der Eishockey-WM 2026 in Zürich und Freiburg. Patrick Fischer war und ist unkonventionell in seinem Privatleben und auch in seinem Dasein als Sportler und als Trainer. Rituale und Spiritualität spielten für ihn eine sehr grosse Rolle – und sie spielen sie natürlich noch immer. Wir wollten dies in diesem Porträt zeigen. Während der Mittagspause kam es zu einem Gespräch zwischen mir und ihm. Auch der Medienchef des Schweizerischen Hockeyverbands und ein SRF-Kollege von mir, der das Porträt gedreht hat, waren dabei. Und dort erzählte mir Fischer von diesem Covid-Zertifikat, das er gefälscht bestellt hat und zwar ungefragt.
Wir haben den Strafbefehl vor rund zehn Tagen erhalten und dann Patrick Fischer mit den Fakten konfrontiert.
Man muss sich als Journalist fragen: Was macht man jetzt mit dieser Information? Einfach vergessen oder muss man nicht seiner Aufgabe nachgehen – und wir haben uns für Letzteres entschieden. Danach folgte eine klassische journalistische Recherche: Wir haben bei der Staatsanwaltschaft Luzern den Strafbefehl eingefordert und überwiegendes öffentliches Interesse geltend gemacht. Wir haben den Strafbefehl vor rund zehn Tagen erhalten. Auf dieser Grundlage haben wir schliesslich Fischer mit den Fakten konfrontiert. Dann folgte bekannterweise sein Video.
Fischer ist von sich aus an die Öffentlichkeit gegangen – und nun kommt wenige Tage später seine Freistellung. Was ist passiert?
Der Druck von allen Seiten war sicher das Thema. Swiss Olympic, sozusagen, der Trägerverband des Schweizerischen Hockeyverbands, hat sehr ungehalten reagiert. Von Swiss Olympic kommt viel Geld – Steuergeld, das auch ins Schweizer Eishockey fliesst. Der internationale Hockeyverband – er kann auch Sanktionen verhängen und eine Sperre von Fischer wäre möglich gewesen – hat eine Untersuchung angekündigt.
Man hat offenbar keinen anderen Ausweg mehr gesehen.
Auch von der Sponsorenseite nahm der Druck zu. Es gibt sechs grosse Sponsoren des Verbands; wir haben sie am Mittwoch kontaktiert. Die Hälfte wollte sich nicht äussern. Ford hingegen hat unter anderen Stellung genommen und das Vorgehen als «inakzeptabel» bezeichnet. Offenbar sah man letztlich keinen anderen Ausweg mehr, als sich von Fischer zu trennen.
Das Gespräch führte Arthur Honegger.