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Gefälschtes Covid-Zertifikat Fischer verriet Straftat bei Mittagessen

Der Schweizerische Eishockeyverband trennt sich per sofort von Nationaltrainer Patrick Fischer – das wurde am Mittwochabend kommuniziert. Fischer, auf dem Eis ein Erfolgscoach, stolpert zum Ende seiner Karriere damit über sein eigenes Fehlverhalten: Er hatte vor vier Jahren ein Covid-Zertifikat gefälscht, um an den Olympischen Winterspielen in Peking dabei sein zu können, wie SRF-Recherchen gezeigt haben. Wie es zu dieser Recherche kam, erklärt SRF-Redaktor Pascal Schmitz.

Pascal Schmitz

Produzent und Moderator

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Pascal Schmitz war seit 2013 bei Radio SRF tätig, zunächst bei den Nachrichten sowie für die Hintergrundsendung «Input» und das Nachrichtenmagazin «Info 3» auf Radio SRF 3. Seit 2020 arbeitet er als Produzent und Moderator der «Tagesschau»-Ausgaben am Mittag und am Vorabend sowie als Moderator bei «Schweiz aktuell».

SRF News: Ursprünglich ging es einfach um ein Porträt über Patrick Fischer?

Pascal Schmitz: Wir hatten einen Termin vor rund einem Monat für ein Porträt im Vorfeld der Eishockey-WM 2026 in Zürich und Freiburg. Patrick Fischer war und ist unkonventionell in seinem Privatleben und auch in seinem Dasein als Sportler und als Trainer. Rituale und Spiritualität spielten für ihn eine sehr grosse Rolle – und sie spielen sie natürlich noch immer. Wir wollten dies in diesem Porträt zeigen. Während der Mittagspause kam es zu einem Gespräch zwischen mir und ihm. Auch der Medienchef des Schweizerischen Hockeyverbands und ein SRF-Kollege von mir, der das Porträt gedreht hat, waren dabei. Und dort erzählte mir Fischer von diesem Covid-Zertifikat, das er gefälscht bestellt hat und zwar ungefragt.

Wir haben den Strafbefehl vor rund zehn Tagen erhalten und dann Patrick Fischer mit den Fakten konfrontiert.

Man muss sich als Journalist fragen: Was macht man jetzt mit dieser Information? Einfach vergessen oder muss man nicht seiner Aufgabe nachgehen – und wir haben uns für Letzteres entschieden. Danach folgte eine klassische journalistische Recherche: Wir haben bei der Staatsanwaltschaft Luzern den Strafbefehl eingefordert und überwiegendes öffentliches Interesse geltend gemacht. Wir haben den Strafbefehl vor rund zehn Tagen erhalten. Auf dieser Grundlage haben wir schliesslich Fischer mit den Fakten konfrontiert. Dann folgte bekannterweise sein Video.

Geldstrafe wegen gefälschtem Covid-Zertifikat

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Patrick Fischer reiste 2022 mitten in der Pandemie mit einem gefälschten Covid-Zertifikat zu den Olympischen Winterspielen in China. SRF liegt ein Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Luzern von 2023 vor. Darin heisst es, Fischer habe ein gefälschtes Covid-Zertifikat auf dem Messengerdienst Telegram bestellt. Fischer wurde von der Staatsanwaltschaft Luzern wegen Urkundenfälschung zu einer unbedingten Geldstrafe von über 38'910 Franken verurteilt.

SRF konfrontierte Patrick Fischer und den Schweizerischen Eishockeyverband am Montagvormittag mit den amtlichen Dokumenten. Daraufhin publizierte Fischer ein Video, in dem er sagte: «Ich bin mir bewusst, dass dies ein Fehltritt war. Es tut mir extrem leid, dass ich Leute enttäuscht habe.»

Fischer ist von sich aus an die Öffentlichkeit gegangen – und nun kommt wenige Tage später seine Freistellung. Was ist passiert?

Der Druck von allen Seiten war sicher das Thema. Swiss Olympic, sozusagen, der Trägerverband des Schweizerischen Hockeyverbands, hat sehr ungehalten reagiert. Von Swiss Olympic kommt viel Geld – Steuergeld, das auch ins Schweizer Eishockey fliesst. Der internationale Hockeyverband – er kann auch Sanktionen verhängen und eine Sperre von Fischer wäre möglich gewesen – hat eine Untersuchung angekündigt.

Man hat offenbar keinen anderen Ausweg mehr gesehen.

Auch von der Sponsorenseite nahm der Druck zu. Es gibt sechs grosse Sponsoren des Verbands; wir haben sie am Mittwoch kontaktiert. Die Hälfte wollte sich nicht äussern. Ford hingegen hat unter anderen Stellung genommen und das Vorgehen als «inakzeptabel» bezeichnet. Offenbar sah man letztlich keinen anderen Ausweg mehr, als sich von Fischer zu trennen.

Das Gespräch führte Arthur Honegger.

10 vor 10, 15.4.2026, 21:50 Uhr ; 

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