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Keine Exportbewilligungen mehr für Crypto-Nachfolgefirmen
Aus HeuteMorgen vom 24.06.2020.
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Geheimdienst-Affäre Sind die Schweizer Crypto-Geräte wirklich sicher?

Gemäss CIA und BND erhielten die Schweizer Behörden immer sichere Verschlüsselungsgeräte. Doch nun gibt es selbst im Nachrichtendienst Zweifel.

Jahrzehntelang stellte die ehemalige Zuger Firma Crypto AG zwei Typen von Verschlüsselungsgeräten her: sichere, für wenige Länder. Und unsichere, also «knackbare», für den Rest der Welt. Rund 130 Länder erhielten manipulierte Geräte. Ihre geheime Kommunikation konnte von den Geheimdiensten CIA, BND und weiteren abgehört werden.

Seit dem Anfang der Spionage-Operation versprachen die CIA und der BND der Schweiz sichere Geräte. So steht in den Geheimdienstpapieren, die der «Rundschau» vorliegen: «Im Übrigen ist die Schweiz niemals mit schwachen Geräten beliefert worden.»

Hintertüren nicht auszuschliessen

Doch mehrere Personen aus dem Nachrichtendienst bezweifeln dies nun gegenüber der «Rundschau»: «Man kann nicht ausschliessen, dass auch bei uns Hintertüren installiert sind», sagt ein Nachrichtendienstler. Die Frage sei, ob die sich heute im Einsatz befindlichen Geräte wirklich sauber seien: «Wer überprüft das?»

Man kann nicht ausschliessen, dass auch bei uns Hintertüren installiert sind.
Anonymer Nachrichtendienstler

Das VBS schreibt der «Rundschau», in der Schweiz sei die Fachstelle Kryptologie, die an die Armee angegliedert ist, zuständig für die Überprüfung der Verschlüsselungssysteme. Die Spezialisten würden die korrekte Implementierung der kryptografischen Funktionen und Massnahmen zum Integritätsschutz umfassend und detailliert überprüfen und verifizieren: «Gemäss heutigem Kenntnisstand können Schwächen in den an Schweizer Behörden gelieferten Verschlüsselungssystemen ausgeschlossen werden.»

Für die Nachrichtendienstler ist das keine Beruhigung. Die Kryptologen beim Bund seien die gleichen, die seit Jahrzehnten genau Bescheid wussten über den Sachverhalt bei der Crypto AG: «Man kann nicht ausschliessen, dass in dem kleinen und bekannten kryptografischen Team jemand eingeschleust wurde und für einen fremden Dienst arbeitet.»

Eine staatlich kontrollierte Industrie

Schweizweit sind Geräte der Crypto AG im Einsatz. Im Bundeshaus, im VBS sowie bei den Kantonen sind solche Geräte installiert. Ein Beispiel ist das Funksystem TC-007. Es ist in den meisten Schweizer Botschaften installiert.

Man muss sich überlegen, ob die Schweiz nicht lieber neue Geräte will.
Anonymer Nachrichtendienstler

Man müsse sich überlegen, ob die Schweiz nicht lieber neue, in der Schweiz hergestellte Geräte wolle, deren Entwicklung und Herstellung unter Kontrolle von staatlichen Stellen verläuft, sagt ein Nachrichtendienstler. Zwar höre dann der Schweizer Staat mit: «Aber das ist für den Schweizer Bürger weniger schlimm, als wenn wie bei der Crypto AG unkontrolliert noch zwei weitere Staaten mithören.» Einer höre immer mit.

TCG Legacy, die von der Crypto AG seit der Aufspaltung das Vermögen der Firma übernommen hat, schreibt der «Rundschau»: «Unsere Schweizer Kunden waren immer zufrieden und waren dank ihrer Spezialisten jederzeit in der Lage, die Qualität der Geräte zu überprüfen.»

Der Nachrichtendienst des Bundes äussert sich nicht zu den Recherchen – wegen der laufenden Untersuchung der Geschäftsprüfungsdelegation.

Video
So hat alles angefangen: Die Crypto AG in geheimer Mission
Aus DOK vom 20.02.2020.
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SRF 4 News, 24.6.20; 9:30 Uhr

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Wolfgang Bortsch  (a2b3c4d5)
    Was will das beste. "Entschlüsselungsgerät" gegen
    Telekommunikation ( PSI ) ausrichten ? Ich würde sagen :
    Gar nichts !
    Oder anders formuliert :
    Die sogenannte "Lichtgeschwindigkeit" soll also
    im All das "Non plus ultra" der
    Geschwindigkeiten sein ?
    Mit der Postkutsche durch das
    All !
    Ähnlich muß man wohl
    Ihre "Entschlüsselungsgeräte"
    beurteilen !
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  • Kommentar von Heiner Zumbrunn  (Heiner Zumbrunn)
    Wir haben zwar nicht viel zu verbergen - weil über alles abgestimmt wird. Aber unsere Kryptogeräte sind mit Sicherheit für Alle abhörbar - oder lesbar. Darüber mache ich mir keine Illusionen.
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  • Kommentar von Peter Steiner  (Stein des Anstosses)
    Solange es auf den Geräten geschützte Bereiche mit verschlüsselter Firmware gibt, kann man wohl nicht davon ausgehen, dass diese sicher sind. Auf PC's ist das die Intel Management Engine, die direkten Zugriff auf Hardware hat und deren Code/Funktion nicht öffentlich ist. Wo wenn nicht hier würde ich als Geheimdienst denn meine gewünschten Funktionen unterbringen, die ungestört von Sicherheitssoftware seinen Dienst verrichten kann. Das Gleiche gilt auch für die ganze Netzwerkinfrastruktur...
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    1. Antwort von Sam Brenner  (Sam Brenner)
      Ich denke nicht, dass irgendein Entscheidungsträger in Bern verstehen wird, was Sie hier geschrieben haben, Herr PS.
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