Zum Inhalt springen

Header

Video
Strafrechtsprofessor fordert sofortige Untersuchung
Aus 10vor10 vom 14.02.2020.
abspielen
Inhalt

Geheimdienstaffäre Cryptoleaks Kryptotechnik – ein Schweizer Exportschlager

Zahlen des Bundes zeigen: Auch nach der Jahrtausendwende wurden mit Kryptotechnik hunderte Millionen Franken umgesetzt.

SRF-Recherchen in Zusammenarbeit mit ZDF und «Washington Post» zeigten Anfang Woche: Mutmasslich bis 2018 wurde die Firma Crypto AG von der CIA dazu genutzt, ausländische Staaten über manipulierte Chiffriergeräte abzuhören.

Zahlen des Staatssekretariat für Wirtschaft, Link öffnet in einem neuen Fenster Seco zeigen nun: Auch nach der Jahrtausendwende wurden Aufträge für Chiffriertechnologie im Umfang von rund 350 Millionen Franken bewilligt. In den Jahren 1997 bis 1999 – so weit reichen die Zahlen zurück – waren es noch einmal Krypto-Exporte im Umfang von rund 100 Millionen Franken gewesen.

Es ist naheliegend, dass es sich dabei grossmehrheitlich um Exporte der Firma Crypto AG handelt. Die Firma hatte in der Schweiz in diesem Zeitraum mit einer Ausnahme, der inzwischen liquidierten Omnisec AG, kaum namhafte Konkurrenten.

Irak-Deal gescheitert

Besonders auffällig: Im Jahr 2016 wurde ein besonders lukrativer Auftrag bewilligt. Es war ein Millionen-Export in den Irak. Damals ging es um die Lieferung von abhörsicheren Telefonen an ein «ziviles irakisches Ministerium», wie ein Seco-Mitarbeiter verlauten liess.

Cryptoleaks kurz erklärt

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen
  • Über Jahrzehnte wurden über hundert Staaten von CIA und BND ausspioniert.
  • Hunderttausende geheime Nachrichten zwischen Regierungsstellen, Behörden, Botschaften oder militärischen Stellen wurden systematisch abgefangen.
  • Wie war das möglich? Die über 100 Regierungen kauften Verschlüsselungsgeräte der ehemaligen Zuger Firma Crypto AG.
  • Diese Chiffriergeräte waren so manipuliert, dass die beiden Geheimdienste alles abhören konnten.
  • Denn: Neu geleakte Geheimdienst-Dossiers belegen, dass die Crypto AG 1970 von der CIA und dem BND gekauft worden war – verschleiert über eine Stiftung in Liechtenstein. Das zeigen Recherchen der «Rundschau», dem ZDF und der «Washington Post».
  • Mit Hilfe der abgehörten, vermeintlich verschlüsselten Kommunikation etlicher Staaten wurde die Weltpolitik beeinflusst, so z.B. die Camp-David-Verhandlungen 1979.
  • Aufgrund der Recherchen leitete der Bundesrat nun eine Untersuchung ein.
  • Das Wirtschaftsdepartement sistierte die Generalausfuhrbewilligung für Crypto-Geräte.

Ob es sich dabei um Produkte der Firma Crypto AG handelte, will das Seco heute auf Anfrage nicht beantworten. Man könne zu einzelnen Firmen keine Auskunft erteilen. So oder so sei das Irak-Geschäft laut Antragssteller nie zustande gekommen. Das Geschäft taucht in der Statistik auf, weil das Seco nur Zahlen zu den bewilligten Aufträgen veröffentlicht, zu den tatsächlich verkauften gibt es keine.

Unter den Top-Abnehmern der Technologie finden sich darüber hinaus Länder wie Venezuela, Libyen und Algerien – nicht unbedingt Staaten, die in einem guten Verhältnis zu den USA und deren Geheimdienst CIA stehen.

Bei den Kryptotechnik-Exporten handelt es sich um sogenannte «Dual-Use-Güter» – also um Güter, die sowohl zivil als auch militärisch verwendet werden können. Zusammen mit den «besonderen militärischen Gütern» – beispielsweise Trainingsflugzeugen, Funksystemen oder Tarnmaterial – werden jene im Güterkontrollgesetz (GKG) reguliert. Das Seco ist zuständig für die Ausfuhrkontrolle.

Rundschau, 12.2.2020, 20.05 Uhr

Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

8 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Karl Helpferer  (karlhelpferer)
    Wenn Mann dir Kommentare bezüglich dieser Angelegenheit von ausländischen Medien liest, findet man nicht sehr viel. Also wenig Interesse. Es sind wieder mal die hiesigen Medien, die wie immer alles aufblasen. Gut, vergeht die Zeit, in 2 Wochen redet wieder keiner darüber.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Ruedi Schwarzenbach  (oktagon)
    Übrigens: Die vielfach abgebildete Crypto CX-52 war nicht manipuliert. Manipuliert war nur das Manual. Das haben die Amis geschrieben. Konfigurierte man die Maschine gemäss Manual, so wurde nur ein Bruchteil der kryptischen Leistungsfähigkeit der Maschine genutzt und eine Dechiffrierung der Nachrichten wurde möglich. Jetzt droht uns also wegen eines "schlechten" Manuals eine PUK. Ich finde das reichlich übertrieben.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Mike Steiner  (M. Steiner)
    Kryptotechnik – ein Schweizer Exportschlager. Das war sie zumindest. Nun lagert sie auf dem Müllhaufen der Geschichte, genau wie das Bankgeheimnis, die Neutralität oder der gute Ruf.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Mike Steiner  (M. Steiner)
      PS: in Kürze folgen ihr Souveränität und Demokratie. Ab auf den Müll damit. Man soll wegwerfen, was man nicht mehr braucht, weil man es nicht mehr schätzt.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen

Mehr aus SchweizLandingpage öffnen

Nach links scrollen Nach rechts scrollen