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Umfrage: Generationenbarometer
Aus Tagesschau vom 01.11.2020.
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Generationenbarometer Der Generationengraben ist gleich tief wie der Röstigraben

Junge Menschen, die gegen den Klimawandel demonstrieren und manchen Älteren zu radikal sind. Oder die Alterung der Gesellschaft und die Kosten dafür, die vor allem die arbeitende Bevölkerung zu tragen hat. Das sind nur zwei Beispiele dafür, dass die Balance zwischen den Generationen unter Druck ist.

Driften die Altersgruppen deshalb auseinander? Das Berner Generationenhaus, eine Institution mit Begegnungs-, Beratungs- und Kulturangeboten, wollte es genauer wissen, und liess die Befindlichkeit und den Zusammenhalt der Generationen untersuchen. Die gute Nachricht dieses Generationenbarometers, Link öffnet in einem neuen Fenster: Einen tiefen Graben gibt es nicht.

Andere Bruchlinien in der Gesellschaft werden stärker empfunden. So finden 71 Prozent der Befragten, die Schweiz drifte zwischen Arm und Reich auseinander, 57 Prozent geben an, es gebe eine Kluft zwischen links und rechts. Für 49 Prozent gibt es einen Stadt-Land-Konflikt. Doch nur 33 Prozent finden, zwischen Alt und Jung tue sich ein Graben auf. Diese Bruchlinie wird gleich stark empfunden wie der Röstigraben.

Lasten tragen die Jungen

Detlef Vögeli ist verantwortlich für das Veranstaltungsprogramm im Generationenhaus. Ihn überrascht dieses Ergebnis nicht. «Das deckt sich ja auch mit unseren Erfahrungen vor allem zu Beginn der Coronakrise, wir erlebten eine grosse Generationensolidarität.»

Junge Demonstrierende halten ein Plakat. Darauf steht: Gebt uns Zukunft, sonst gibts keine Rente.
Legende: Beim Anblick dieses Plakats am Klimastreik am 4. September 2020 könnte man von einem Generationengraben ausgehen, den gibts aber nicht, sagt eine Umfrage. Keystone

Zugleich zeige die Studie aber auch die Befürchtungen, dass die Auswirkungen des Klimawandels, der Sicherung der Altersvorsorge oder des Wandels der Arbeitswelt vor allem die jüngere Generation zu tragen habe.

Junge sollen mehr Rücksicht nehmen

Eine weitere Erkenntnis des Generationenbarometers: Die Gesellschaft erwartet von den jüngeren Menschen mehr als von den Älteren, wie Studienautor Michael Hermann vom Forschungsinstitut Sotomo erklärt. «So wird von den Jungen etwa erwartet, dass sie mehr Rücksicht nehmen, weniger fliegen, wenn sie schon ökologisch sind. Oder, dass sie sich stärker politisch beteiligen.»

Beim Beitrag, den die ältere Generation leisten könnte, sind die Befragten zurückhaltender. Am häufigsten geäussert wird der Wunsch, dass die Seniorinnen und Senioren Infrastrukturen wie den öffentlichen Verkehr weniger zu Stosszeiten nutzen.

Gemeinschaftsdienst für alle

Das Generationenbarometer geht auch der Frage nach, welche politischen Reformen einen Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt der Altersgruppen leisten könnten. Besonders gut kommt ein obligatorischer Gemeinschaftsdienst für alle Männer und Frauen ab 18 Jahren an. 74 Prozent der Befragten finden einen solchen Dienst, der beim Militär, aber auch in der Pflege geleistet werden könnte, eine gute oder sehr gute Idee. 24 Prozent sind sehr oder eher dagegen.

Detlef Vögeli vom Generationenhaus kann einem solchen Dienst durchaus Positives abgewinnen. Er könnte zum Beispiel helfen, die Altenpflege zu entlasten. Doch Vögeli hat auch einen Einwand: «Die Frage ist aber für die Balance der Generationen, ob man da nicht auch wieder vor allem der jüngeren Generation mehr Last auferlegt.»

Stimmrecht ab 16 kommt schlecht an

Eine Reform zugunsten der jüngeren Generation wäre die Einführung des Stimm- und Wahlrechtsalters 16, Jugendliche würden damit politisch stärker beteiligt. In der Herbstsession sagte der Nationalrat Ja zu einem entsprechenden Vorstoss.

Im Generationenbaromter findet das allerdings nur wenig Anklang. Während sich dies 28 Prozent der Befragten klar oder eher vorstellen könnten, wollen 69 Prozent davon deutlich oder eher nichts wissen.

Tagesschau vom 1.11.2020, 19:30 Uhr

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45 Kommentare

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  • Kommentar von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
    Das Problem ist eigentlich nicht ein Generationenproblem, sondern ein Verzichtproblem. Das Verzichten, das Bezahlen und das Leisten ist eine Pflicht, die gerne bei den anderen gesehen wird! Die Neidkultur hat dazu geführt, dass überproportionale Leistungen nicht mehr wahrgenommen werden, sondern längst selbstverständlich ist. Alle meinen sie kämen zu kurz.
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  • Kommentar von Werner Gerber  (1Berliner)
    Selbstverständlich war das von mir etwas provokant gesetzt mit der Altersbeschränkung Ü70. Es ist doch aber ein Unding, dass die Alten Entscheidungen treffen oder verhindern dürfen, die die Jungen später ausbaden müssen. Stichwort: Klimawandel-Umweltvergiftung, wo glaub ich va. wir Alten verleugnen und blockieren. Die Jungen würden bestimmt Einschränkungen eher mittragen. Jedenfalls ist es in meinem Umfeld so.
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  • Kommentar von Joerg Schmuecker  (Trolli)
    Wie man aus den vielen Kommentaren, sieht ist die Situation nicht so einfach. Aber der Artikel bezieht sich doch nicht auf die Fakten, sondern auf das Gefuehl eines "Grabens" zwischen den Generationen.

    Man koennte die Last einfach verschieben, wenn man Kapital statt Arbeit besteuern wuerde. Dann muessten die "reichen Alten" mehr zahlen und die Jungen weniger.
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    1. Antwort von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
      Dürfte ein bisschen problematisch werden, im Zeitalter der Negativzinsen Kapital unter der Einhaltung der Eigentumsgarantie zu besteuern. Die ach so einfache Lösung entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als lauter Rohrkrepierer. Es sei denn man rufe mal kurz die Anarchie aus - was dann die Zukunftsperspektiven der jungen Generation von heute endgültig den Bach runtergehen lässt!
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