Zum Inhalt springen

Header

Audio
Genf ehrt weitere berühmte Frauen mit Strassennamen
Aus SRF 4 News aktuell vom 27.08.2020.
abspielen. Laufzeit 04:48 Minuten.
Inhalt

Genfer Initiative «100 Elles» Zehn weitere Örtlichkeiten für berühmte Frauen in Genf

Nur sieben Prozent der rund 600 Strassen und Plätze in Genf sind nach Frauen benannt. Das soll nun schrittweise ändern.

Hinter dem vom Kanton Genf genehmigten Antrag steht die Frauenorganisation «100 Elles». Sie will 100 Frauen sichtbarer machen, welche die Stadtgeschichte geprägt haben. Dafür kämpft die Vereinigung seit dem Frauenstreik 2019.

Quasi als Fingerzeig sind bereits bisher einige Strassennamen ergänzt worden, indem man unter die bestehenden blauen Schilder ein Schild in fuchsiarot mit einer Frauenpersönlichkeit hängte.

Lise Girardin – erste Frau im Stöckli

Mit der jetzigen offiziellen Umbenennung erhält nun beispielsweise eine Strasse den Namen von Lise Girardin. Die 2010 im Alter von 89 Jahren verstorbene Genfer Politikerin war die erste Frau im Ständerat. Aufs nationale Parkett war sie im Jahr der Einführung des Frauenstimmrechts 1971 gelangt. Sie war übrigens auch die erste Stadtpräsidentin der Schweiz.

Lise Girardin.
Legende: Die Genfer Freisinnige Lise Girardin wurde am 29. November 1971 als erste Ständerätin der Schweiz vereidigt. Links von ihr der spätere Bundesrat Pierre Aubert. Girardin gehörte bis 1979 der kleinen Kammer an. Als langjähriges Mitglied der Genfer Stadtregierung war sie auch die erste Stadtpräsidentin in der Schweiz. Keystone

Aber auch die gebürtige Britin, Eglantyne Jebb, Gründerin des Hilfswerks «Safe the Children», leiht einer Strasse ihren Namen. Sie verbrachte ihre letzten Lebensjahre in Genf und starb dort vier Jahre nach der Unterzeichnung der Erklärung der Kinderrechte im Alter von 52 Jahren an den Folgen einer Operation.

Die Tragödie der drei Wäscherinnen

Zu denken ist aber auch an die drei Wäscherinnen von Genf, deren Boot 1913 in der Rhone kenterte. Deren Tod führte zur Einrichtung der ersten öffentlichen Wäscherei in Genf, damit die Frauen sicher waschen konnten. Es warf ein Schlaglicht auf die damaligen Arbeitsbedingungen in Genf.

Was die Auswahl betrifft, so hatte die Stadt die Namen vorgeschlagen, worauf eine kantonale Kommission diese prüfte und entschied, wie Westschweiz-Korrespondent Andreas Stüdli erklärt. Einige Vorschläge fielen weg, weil sie nach Ansicht der Kommission geschichtlich nicht bedeutend genug waren.

Erst 41 Plätze und Strassen mit Frauennamen

Aktuell gibt es in Genf 548 Plätze und Strassen, die einen Männernamen tragen. Nur gerade 41 oder sieben Prozent sind nach Frauen benannt. Das Verhältnis ist also immer noch völlig ungleich.

Mit der Initiative von «100 Elles» soll aber nicht Schluss sein. Das Genfer Stadtparlament hat einen Vorstoss angenommen, sodass nun weitere Persönlichkeiten gesucht werden. Vier weitere wurden bereits gefunden, doch war die Kommission mit den gewählten Örtlichkeiten nicht einverstanden.

Ist die Romandie weiter als die Deutschschweiz?

In Genf hat das Thema der Frauen im öffentlichen Raum politisch gerade Hochkonjunktur. So wurden etwa bereits Piktogramme für die Verkehrsschilder für Fussgängerstreifen geändert. Darauf sind jetzt neben Männern auch Frauen zu sehen.

Ein Tatbeweis findet sich auch in der Stadt Neuenburg. Dort wurde Tilo Frey ein Platz gewidmet, der ersten dunkelhäutigen Nationalrätin (FDP) der Schweiz. Das Feld räumen musste der rassistische Naturforscher Louis Agassiz.

Tilo Frey.
Legende: Tilo Frey war von 1971 bis 1975 im Nationalrat und starb 2008 im Alter von 85 Jahren. Den Platz in Neuenburg räumen musste der offen rassistische Wissenschaftler und Naturforscher Louis Agassiz, der Schwarze für minderwertig hielt und sich gegen Darwins Evolutionstheorie stellte. Keystone/Archiv

Aber es gibt auch Bestrebungen in der Deutschschweiz in den Regionen von Bern, Zürich und Basel. Generell sind aber Frauen in der Politik und in der Öffentlichkeit in den Westschweizer Kantonen Genf, Waadt, Neuenburg und Jura sehr gut verankert.

In der Waadt etwa sind fünf von sieben Regierungsmitgliedern weiblich. Das hat noch kein Deutschschweizer Kanton geschafft. Es gibt sogar noch Kantone, die noch keine einzige Regierungsrätin haben.

SRF 4 News, 27.08.2020, 10:45 Uhr;

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

6 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Marc Grut  (Pandas)
    Historisch gesehen gibt es einfach weniger Frauen die bekannt waren oder grosse Wissenschaftliche Entdeckungen machten (mit ganz wichtigen Ausnahmen wie z.B. Marie Curie) und das muss auch nicht verschwiegen werden.
    Leider hat es sich bei SRF eingeschlichen von fortschrittlich zu reden je weiter jemand feministisch gesehen geht.
    Besser sollte mal beleuchtet werden wie abstrus der moderne Feminismus geworden ist, der von den Medien als ideal genommen wird.
  • Kommentar von Hans-Ulrich Rechsteiner  (Rechi)
    Und man sucht und sucht und sucht, aber findet einfach nichts. Peinlich!
  • Kommentar von Jeannine Wanner  (Jeannine)
    Das finde ich eine sehr tolle Initiative. Weiter so :-)