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Genfer Kehrtwende Schwarzer Tag für das E-Voting in der Schweiz

Legende: Video Kanton Genf stoppt E-Voting-Projekt abspielen. Laufzeit 01:58 Minuten.
Aus Tagesschau vom 28.11.2018.

Die heutige Ankündigung überraschte Gegner und Befürworter des E-Votings zugleich. Der Pionier der elektronischen Stimmabgabe in der Schweiz wirft das Handtuch. 15 Jahre lang hat Genf die Schweizer E-Voting-Debatte geprägt – eine Ewigkeit für die schnelllebige IT-Welt.

Zu teuer seien die notwendigen Updates. Mit zwei Millionen Franken rechnet die Regierung laut einer Meldung von RTS. Dies dürfte eine konservative Schätzung sein. Und bei einem kritischen IT-System wie dem E-Voting kommen Betriebskosten dazu, die ebenfalls rasch in die Millionen gehen.

Können wir uns E-Voting leisten?

Mit seinem Rückzug verpasst Genf dem Schweizer E-Voting einen empfindlichen Rückschlag. Genf ist bereits der zweite Anbieter, der das Handtuch wirft. 2015 gab das sogenannte Consortium Vote Électronique auf, weil «erhebliche Kosten» für notwendige Sicherheitsupdates anstanden. Kosten, die «nicht vertretbar» waren.

Ob die Idee des E-Votings einen zweiten solchen Rückschlag überlebt, ist fraglich. Zumal die Kantone, die ebenfalls das Genfer System nützen, nun entscheiden müssen, ob sie für teures Geld nochmals auf ein anderes System wechseln.

Was der heutige Entscheid schmerzlich zeigt: Offenbar übersteigt es die finanziellen Möglichkeiten eines öffentlich finanzierten Anbieters, E-Voting selber zu betreiben. Oder anders gesagt: Das nötige Sicherheitsniveau war den Genfern zu teuer. Wie teuer relativ sichere IT-Systeme wirklich sind, wissen Schweizer Banken und Versicherungen. Sie wenden Milliarden auf (und werden leider trotzdem gehackt).

Zukunft der Demokratie?

Der heutige Entscheid bedeutet eine Zäsur für die Schweizer E-Voting-Anstrengungen. Mit Genf verschwindet der letzte staatliche Anbieter von E-Voting. Im Rennen bleibt einzig die unternehmerisch tätige Post, die auf ein System der spanischen Firma Scytl setzt. Selbst E-Voting-Befürworter sähen die elektronische Stimmabgabe als hoheitliche Aufgabe lieber in der Hand des Staates.

Als die damalige Genfer Staatskanzlerin Anja Wyden Guelpa genau vor einem Jahr in einem SRF-Beitrag stolz «ihr» E-Voting-System präsentierte, sprach sie von nichts Geringerem als der Zukunft der Demokratie. Mit dem Rückzug Genfs ist diese Zukunft nun in weite Ferne gerückt.

Florian Imbach

Florian Imbach

Redaktor Rundschau, SRF

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Der Rundschau-Redaktor berichtet seit 2015 für SRF aus Bern. Er ist ausgebildeter Informatiker mit Fachrichtung Applikationsentwicklung.

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29 Kommentare

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  • Kommentar von Nunzio DiResta (Nunzio)
    Gut, sicher ist jedem trotzdem klar, dass unser analoges System nicht gegen Manipulation gefeit ist. Selber in der IT tätig habe ich auch hier den Eindruck, dass die "falschen" Leute solche Projekte führen. Im balten Denken gefangen Zukunft gestalten zu wollen, das kostet viel Geld in der IT. Aber wir schreiten voran und dieser - scheinbare Rückschritt - er gibt der nächsten Generation die Chance. Als Land muss man bereit sein, in diese Technologie zu investieren, sonst bleibt man abhängig.
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  • Kommentar von Hannes Zimmermann (housipousi)
    Sicher oder unsicher: Wenn nur schon ein Gerücht aufkommt, die Abstimmungen oder Wahlen seien durch eine ausländische IT-Truppe beeinflusst worden, ist es unmöglich, zu diesem Thema eine sachliche und abschliessende Debatte zu führen, die alle befriedigen wird. D.h. das Vertrauen wird drastisch sinken in das System. Ein Papiersystem ist vielleicht auch anfällig, who knows, aber das scheint zumindest das Vertrauen zu geniessen.
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    1. Antwort von Matthias Blaser (maetthu)
      Der Vorteil des Papiersystems ist, dass es sich zwar um einiges einfacher manipulieren lässt als ein hochkomplexes elektronisches System, aber Manipulationen umso schwieriger werden, je grösser der Betrug ist - es skaliert nicht. Ein Stimmcouvert klauen und Unterschrift fälschen ist einfach, das für tausende Stimmen zu machen ohne das es auffällt nicht. Bei elektronischen Lösungen ist die Hürde vielleicht höher, der Schaden der angerichtet werden kann allerdings auch.
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  • Kommentar von Werner Boesiger (P.Werner Boesiger)
    Es ist sicher sehr bequem per Internet abzustimmen. ABER es scheint mir, dass diese Art des Abstimmens eben viel mehr Möglichkeiten zur Manipulation bietet. Will man den Nachrichten hier glauben, so hat der CIA ueberall die Nase drinn und die Russen versuchen dasselbe mit weniger Erfolg und mehr Lärm. Es wäre nur wünschenwert, wenn das Abstimmen per Internet verboten würde.
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