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Rundgang durch das geschützte Spital Walenstadt
Aus Regionaljournal Ostschweiz vom 01.10.2020.
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Geschützte Einrichtungen Unterirdische Spitäler: Relikte aus dem Kalten Krieg

In der Schweiz werden noch rund 100 geschützte Spitäler unterhalten. Viele sind jedoch kaum einsatzbereit.

Ende 2018 wurden in der Schweiz 94 geschützte Spitäler und 248 geschützte Sanitätsstellen gezählt. Dabei handelt es sich um unterirdische Anlagen, welche Pflegeeinrichtungen angegliedert sind. Diese sogenannten geschützten sanitätsdienstlichen Anlagen wurden im Kalten Krieg gebaut, um der Bevölkerung im Krisenfall Hilfe zu leisten.

50'000 Betten in geschützten Anlagen

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Gemäss der Verordnung über den Zivilschutz sind die Kantone verpflichtet, für mindestens 0.6 Prozent der ständigen Wohnbevölkerung Patientenplätze und Behandlungsmöglichkeiten in geschützten Spitälern und in geschützten Sanitätsstellen bereitzustellen. Die Schweiz sollte somit über rund 50'000 geschützte Spitalbetten verfügen.

Während die unterirdischen Spitäler vielerorts in Vergessenheit geraten sind, erinnerten sich Politiker während der Coronakrise an die Einrichtungen. Die FDP-Fraktion im St. Galler Kantonsrat stellte in einer Interpellation fest, dass die unterirdischen Spitäler während der Pandemie «keinerlei Nutzen» hatten. Unter anderem wollten die Parlamentarier wissen, bei welcher Gefährdungslage die unterirdischen Spitäler sinnvoll sind und wie es um den Zustand der Anlagen steht.

Aus der Zeit gefallen und rostig

Eines der sieben unterirdischen Spitäler im Kanton St. Gallen befindet sich in Walenstadt. Ein rund 200 Meter langer Gang trennt die etwa 30-jährige Anlage vom oberirdischen Spital. Rund 600 Plätze stehen hier im Krisenfall für Patientinnen und Patienten bereit.

Kajütenbett steht an Kajütenbett und der Operationssaal ist nur spärlich eingerichtet; medizinische Geräte sind dort keine vorhanden. Diese werden im Ernstfall aus dem oberirdischen Spital in die Anlage unter Tage gezügelt.

Vieles im unterirdischen Spital scheint veraltet. In einer Ecke steht ein Entwicklungsgerät für Röntgenbilder; eine aus der Zeit gefallene Technik. An einigen Stellen ist Rost erkennbar und im Operationssaal liegt eine Zeitung aus dem Jahr 1969.

Wir schauen, dass wir die Anlage so erhalten können, wie sie ist – damit sich der Zustand nicht verschlechtert.
Autor: Daniel BondererLeiter Technik Spital Walenstadt

Für den Unterhalt des unterirdischen Spitals wird nur das Nötigste gemacht. «Wir schauen, dass wir die Anlage so erhalten können, wie sie ist – damit sich der Zustand nicht verschlechtert», sagt Daniel Bonderer, Leiter Technik Spital Walenstadt.

Jährliche Unterhaltskosten in Millionenhöhe

Die geschützten Spitäler und Sanitätsanlagen werden vom Bund und den Kantonen finanziert. In einem Bericht hielt die Eidgenössische Finanzkontrolle Ende 2019 fest, dass die Bundesbehörden pro Jahr durchschnittlich 2.45 Millionen Franken für den Unterhalt und Betrieb der Anlagen bezahlen. Die Kosten zulasten der Spitäler seien unbekannt.

Im Bericht, Link öffnet in einem neuen Fenster, welcher im Frühjahr 2020 veröffentlicht wurde, heisst es weiter, dass sich zahlreiche Anlagen in einem unbefriedigenden Zustand befänden. Ausserdem sei der Bereitschaftsgrad im Bedarfsfall ungenügend. Die Ausrüstung sei oft veraltet und es fehle an Personal für die Nutzung dieser unterirdischen Räume.

Die Regierung des Kantons St. Gallens kommt in ihrer Antwort auf die Interpellation der FDP-Fraktion zu einem ähnlichen Schluss wie die Bundesbehörde. Für die medizinische Nutzung seien die Anlagen nicht adäquat aufgerüstet.

Die Herstellung der Betriebsbereitschaft für eine sanitätsdienstliche Nutzung würde gemäss der Regierung mehrere Monate dauern. Damit kämen die Anlagen vor allem bei bewaffneten Konflikten infrage. Für den Umgang mit aktuellen Herausforderungen wie Epidemien und Pandemien seien die Anlagen «kaum geeignet».

Strategie für die Zukunft

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Im September 2019 erhielt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz vom Eidgenössischen Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) den Auftrag, eine Strategie zur Weiterentwicklung der sanitätsdienstlichen Schutzanlagen zu erarbeiten. Unter anderem soll geklärt werden, welchen Nutzen die Anlagen in einem künftigen Krisenfall haben könnten. Wie das VBS auf Anfrage mitteilt, sollen bis im Frühjahr 2022 die strategischen Eckwerte vorliegen. Anschliessend erfolge die Erarbeitung der konzeptionellen Grundlagen für die Umsetzung bis Ende 2023.

Regionaljournal Ostschweiz, 17:30 Uhr;

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31 Kommentare

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  • Kommentar von Patrik Müller  (P.Müller)
    Könnte es nicht doch auch sein, dass ettliche der hier laut Kritik rufenden, vielleicht einmal ganz froh sind, in einem etwas altertümlich anmutenden, ehemaligen Kriegsspital versorgt versorgt zu werden?
    Die Pandemie, oder deren Umgang damit, zeigte ja ganz exemplarisch auf, wie schnell bedrohliche Situationen entstehen können.
    Ein Stark-Erdbeben in Basel und die tausenden von Verletzten der Region wären alle wieder froh um den letzten Platz in einer GOPS.
  • Kommentar von Hans König  (Hans König)
    Erlauben sie, dass ich nochmals kritisiere: Anfangs der neunziger Jahre wurde das halbautomatische Festungsgeschütz Bison (Schussdistanz 30 km) eingeführt. Nach dem Einbau der ersten Geschütze wurde das Projekt eingestellt und die Festungstruppen aufgelöst. Das Material für die Geschütze war eingekauft z.B. Rohlinge für das Kanonenrohr, usw. - liegen möglicherweise noch auf dem Waffenplatz Thun). Die Festungen waren das Rückgrat der damaligen Verteidigung. Unverständlich!
    1. Antwort von Martin J. Pérez  (MJP)
      Der Kalte Krieg war vorüber und es begannen die von den Linken geforderten Sparprogramme welche uns die Armee 95 und Armee XXI brachten und zum heutigen fast totgesparten Rest der Armee führten.

      Auch wurde der Landsturm aufgelöst, die Dienstzeiten und Modelle wurden massiv ab- und umgebaut und jetzt haben wir veraltetes Material, heruntergekommene Bunker und Personalmangel bei Armee und Zivilschutz, etc..

      Und jene die um jeden Preis sparen wollten kritisieren nun die Zustände.
    2. Antwort von Rolf Bombach  (RGB)
      Zusammen mit den neuen Minenwerfern war die Schweiz zu jener Zeit perfekt vorbereitet. Auf den zweiten Weltkrieg.
      Kurz darauf war das System wieder veraltet. Die Bunker sind nicht gesichert gegen heutige gelenkte bunkerbrechende Bomben und Marschflugkörper. Und selbst eigene Artillerie hat heute bessere Reichweite. Auch scheinen mittlerweile selbst die härtesten Militärköpfe begriffen zu haben, dass der Einsatz von Streumunition im eigenen Land nicht wirklich zielführend ist.
  • Kommentar von Martin J. Pérez  (MJP)
    Es bestätigt sich aus dem Bericht vor allem eines, was schon lange bekannt ist. Es wurde über Jahre massiv am Bevölkerungsschutz gespart und wenn die Anlagen offensichtlich in derart schlechtem Zustand sind, gar gegen den Verfassungsauftrag verstossen.
    Es fragt sich auch, warum die Anlagen nicht laufend mit neuem Material ausgestattet wurden. Die angrenzenden Spitäler erneuern ihre Ausrüstung ja laufend, weshalb wurden die ersetzten Geräte nicht in diese Anlagen gebracht sondern entsorgt?