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Gewissheit um letzten Willen Nationales Register für Organspende lanciert

Legende: Video Register für Organspender abspielen. Laufzeit 01:48 Minuten.
Aus Tagesschau vom 01.10.2018.

Das Wichtigste in Kürze

  • In der Schweiz spenden zu wenige Menschen ihre Organe: Rund 1500 Menschen warten auf ein gesundes Organ.
  • Oft scheitert eine Organspende, weil Angehörige von möglichen Spendern deren Spendewillen nicht kennen.
  • Das soll ein nationales Organspenderegister ändern. Swisstransplant hat es heute vorgestellt.

Wenn sich im Spital die Frage stellt, ob jemand seine Organe spenden will, ist das belastend für alle. Für die Angehörigen, die mit dem nahen Tod eines geliebten Menschen konfrontiert sind und gleichzeitig über dessen Organe entscheiden sollten. Oft wissen sie gar nicht, ob und wie die verstorbene Person ihre Organe spenden will.

Belastend sind diese Gespräche aber auch für das behandelnde Team von Pflegenden und Ärzteschaft. Christoph Haberthür kennt diese Situation. Er ist Chefarzt Intensivmedizin in einer Zürcher Privatklinik und Vize-Präsident von Swisstransplant.

Häufiger Verzicht wegen Ungewissheit

Vor allem in der Deutschschweiz gebe es eine hohe Ablehnungsrate, erklärt Haberthür. Gerade die «zweifelnde Ablehnung» sei sehr häufig: «In sicher zwei Dritteln der Fälle sagen die Angehörigen, dass sich der Sterbende nicht geäussert hat.» Die Angehörigen würden deswegen von einer Organspende absehen.

Wir erhoffen uns mehr Klarheit und Sicherheit, indem der Wunsch verbindlich und rund um die Uhr zugänglich hinterlegt ist.
Autor: Franz ImmerDirektor von Swisstransplant

In der Praxis zeigt sich also ein Paradox: Während acht von zehn Menschen in der Schweiz die Organspende begrüssen, haben nur wenige eine Organspendenkarte. Angehörige sagen im Zweifelsfall Nein. Hier setzt das neue Organspenderegister an, wie Swisstransplant-Direktor Franz Immer sagt: «Wir erhoffen uns mehr Klarheit und Sicherheit, wenn der Wunsch verbindlich und rund um die Uhr zugänglich hinterlegt ist.»

Spendewillen schwarz auf weiss

Ist die Situation des Patienten oder der Patientin aussichtslos, kann das behandelnde Team bei Swisstransplant anfragen, ob ein Spendewunsch besteht. Ab heute können diese Wünsche im Organspenderegister online erfasst werden. Jeder und jede kann so angeben, welche Organe für eine Spende zur Verfügung stehen und welche nicht.

Änderungen können jederzeit selbst getätigt, eine persönliche Nachricht an die Angehörigen kann hinterlegt werden. So haben die Familie und das betreuende Team den Spendewillen des Patienten schwarz auf weiss. «Auf jeden Fall werden wir den Registereintrag mit den Angehörigen besprechen», sagt Chefarzt Haberthür. So werde eine ohnehin schon belastende Situation vereinfacht.

Und so – das ist die Hoffnung von Swisstransplant – gibt es womöglich mehr Zustimmung seitens der Angehörigen zu zukünftigen Organspenden.

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38 Kommentare

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  • Kommentar von Nicolas Dudle (Nicolas Dudle)
    Für mich fehlt die Altersbegrenzung für den Empfänger. Ich finde eine Transplantation in einen alten Menschen nicht mehr sinnvoll. So muss ich die Angehörigen damit belasten, die Transplantation in einen jüngeren Menschen durchzusetzen oder allenfalls zu verhindern. Ich habe das so in der Mitteilung an die Angehörigen festgehalten, werde aber wohl um eine direkte Diskussion mit dem Spendenregister nicht herumkommen. Das bedingungslose Abarbeiten einer Empfängerliste ist nicht in meinem Sinn.
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    1. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      Spender und ihre Angehörigen haben keinen Einfluss darauf wer das Organ bekommt (ausser bei Lebendspenden natürlich). Das ist auch gut so, sonst spielen dann plötzlich Nationalität, Hautfarbe oder Geldbeutel auch eine Rolle. Hingegen wird auch in keinem Fall eine "Empfängerliste abgearbeitet". Die Empfänger werden nach medizinischen Daten ausgewählt und der geeignetste wird aufgeboten. Da gehört neben Dringlichkeit und Verträglichkeit auch das Alter/die Lebenserwartung dazu.
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  • Kommentar von Ulrich Zimmermann (Crocc)
    Organspenden können todkranken Menschen zu neuer Lebensfreude verhelfen. Das Register ist eine gute Idee zur Verbesserung der Vorsorge. Zur Förderung schlage ich noch vor, dass alle eingetragenen Spender selbst bei einem Organbedarf vorgezogen werden.
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    1. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      Das funktioniert nicht. Der Bedarf für ein Spenderorgan kommt nicht über Nacht. Da kann man sich noch lange als Spender eintragen und sich damit auf der Liste nach vorne katapultieren.
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  • Kommentar von Henriette Rub (ehb)
    Fortsetzung: auf der einen Seiten schnippseln die Ärzte zum Austausch von Ersatzteilen an unseren Körpern herum. Auf der anderen Seite ist meine Freundin mit klarem Kopf dazu verurteilt, an ALS zu sterben. Da herrscht dann nur das grosse Schulterzucken. Kein Austauch, keine Idee, keine Hilfe!
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    1. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      Ärzte schnippseln nicht, sie metzgen auch nicht. Sie operieren. Operieren ist ein Kunsthandwerk wie Bildhauen. Würden Sie von einem Steinmetz auch sagen, er prügle auf einem Stein herum?
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