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Streit um Zulassung von Herbizid
Aus Rundschau vom 27.11.2019.
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Gift in den Pommes Frites? Kartoffel-Herbizid in der Kritik

Jahrzehntelang war es das beliebteste Herbizid für die Kartoffel-Lagerung: Chlorpropham. Diesen Sommer hat es EU-weit die Zulassung verloren. In der Schweiz bleibt es jedoch vorerst zugelassen.

Chlorpropham (CIPC) war über Jahrzehnte das beliebteste Herbizid der Kartoffel-Branche. Es stoppt die Zellteilung und hindert damit die Kartoffel am Auskeimen. Auch in der Schweiz wird es eingesetzt.

Im Sommer 2019 hat die EU das Pestizid aus dem Verkehr gezogen. Die Zulassung wurde nicht erneuert. Verkauft werden darf Chlorpropham in der EU noch bis maximal Anfang Jahr und im Herbst 2020 müssen die letzten Reste aufgebraucht sein.

Die Kommission schreibt, man habe für den Verbraucher «mit der Nahrungsaufnahme verbundene akute und chronische Risiken festgestellt». Ausserdem sei eine abschliessende Bewertung des Verbraucherrisikos aufgrund mehrerer Datenlücken und Unsicherheiten nicht möglich.

Krebsverdacht jahrelang unterschätzt

Chlorpropham ist in der Kategorie H351 eingestuft – und kann vermutlich Krebs erzeugen. Die neusten Untersuchungen zu Chlorpropham hätten gezeigt, dass «der Stoff im Tierexperiment Krebs erzeugt hat und es beim Menschen hinreichend Belege gibt, dass er wahrscheinlich krebserzeugend ist», so Hermann Kruse, Toxikologe an der Universität Kiel in Deutschland.

Er sagt, die Forscher hätten die chemische Verbindung Chlorpropham jahrelang unterschätzt. Chlorpropham verändere das blutbildende System. «Es greift in unser Hormonsystem ein, es macht Schilddrüsenveränderungen, es schädigt Menschen, die noch nicht geboren sind».

Schweizer Zulassung läuft weiter

In der Schweiz ist Chlorpropham nach wie vor zugelassen. Das Bundesamt für Landwirtschaft BLW äussert sich gegenüber der «Rundschau» nur schriftlich. Das Amt will Chlorpropham im Januar auf die sogenannte «Re-Evaluierungs-Liste» nehmen. Danach beginne ein Prozess, der sechs Monate dauere. Dann werde über den Entzug der Zulassung entschieden.

«Wir haben kein Abkommen mit der EU in diesem Bereich. Dementsprechend sind die Entscheide bei der EU in der Schweiz nicht direkt anwendbar. Wir müssen ein Parallelverfahren durchführen», schreibt das BLW.

Umweltverbände empört

Für Marcel Liner von der Umweltorganisation Pro Natura ist das Verhalten des Bundeamtes nicht nachvollziehbar: «Wir wissen seit vielen Jahren, dass das Mittel riskant ist und dass man damit ein grosses Risiko eingeht.»

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Marcel Liner: «Wir warnen seit Jahren vor CIPC»
Aus News-Clip vom 27.11.2019.
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Man wisse heute auch, dass Chlorpropham in die Kartoffel eindringe. Das BLW müsste Chlorpropham sofort aus dem Verkehr ziehen. Das Amt berücksichtige hier Umwelt und Gesundheitsschutz zu wenig.

Auch Kartoffelverband befürwortet Verbot

Christine Heller vom Schweizer Kartoffelverband Swisspatat sagt, man befürworte, dass CIPC vom Markt genommen werde. Doch, «es ist in der Praxis einfach so, dass uns bei den Veredelungskartoffeln, die man zu Pommes Frites verarbeitet, ein bestimmtes Mittel fehlt». Die EU könne hier auf eine Alternative zurückgreifen, die in der Schweiz nicht zugelassen sei.

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Christine Heller: «Bei Pommes Frites fehlt eine Alternative»
Aus News-Clip vom 27.11.2019.
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Heller betont, die Branche sei seit Jahren daran, Alternativen zu Chlorpropham zu suchen und auch einzusetzen. Die Gesundheit der Konsumenten sei ihnen sehr wichtig. Bei den Speisekartoffeln und bei den Pommes Chips brauche man heute den umstrittenen Keimhemmer kaum noch.

Aktuelle Zahlen zeigen, dass 2018 in der Schweiz immer noch rund zwei Tonnen Chlorpropham verkauft wurden. Zum Vergleich: 2010 waren es rund drei Tonnen.

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49 Kommentare

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  • Kommentar von Eva Werle  (Eva Werle)
    Ist es nicht schön, dass man erst jahrelang als Versuchskaninchen herhalten darf, bevor man merkt, dass ein Stoff schädlich ist. Dann können Hersteller erst einmal gut daran verdienen, bevor es vom Markt genommen wird. Und für die Folgen darf das doofe Versuchskaninchen selbst herhalten. Und daran verdient dann das "Gesundheitsunwesen" wieder kräftig. Super, wir halten die Wirtschaft in Schwung, wen kümmert da Krankheit und Tod?
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  • Kommentar von Christine Angst Azevedo  (caa)
    Gekeimte Kartoffeln sind auch gift. Wie stellen sich die Kommentarschreiber vor, wie 8 Mio. Menschen ernährt werden sollen, wenn diese sich nicht mehr selber versorgen. Jahr für Jahr steigt die Lebenserwartung. Entweder haltbar machen, oder vom Speiseplan streichen. Reis enthält Arsen, die Teigwaren sind aus behandeltem Weizen, die Nahrung darf nichts mehr kosten, hier ist Pragmatismus gefragt oder verhungern. Ich denke, auch Paranoia-Stress verkürzt das Leben. LG
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  • Kommentar von Daniel Bucher  (DE)
    Vermutlich sollte man sich fragen, weshalb das Bundesamt für Landwirtschaft und nicht das Bundesamt für Gesundheit zuständig ist. Das BA Landwirtschaft hofiert seinen Kunden den Landwirten, sorgt für Direktzahlungen an ihre Kunden und wird auch nicht aktiv, wenn die Produzenten die Konsumenten vergiften. Schliesslich geht es um den Erhalt des Einkommens der Landwirte. Da spielt es keine Rolle, wenn die Konsumenten auch gesundheitlich darunter leiden. Hauptsache der Rubel rollt.
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