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Legende: Audio Gegen Sexismus in der Bildung abspielen. Laufzeit 03:32 Minuten.
Aus Rendez-vous vom 08.03.2019.
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Gleichberechtigte Bildung Einsatz gegen Sexismus in der Schule

Eine Gruppe Gymnasiastinnen hat eine feministische Aktionswoche mit Vorträgen und Diskussionen auf die Beine gestellt.

Es hat nur gerade eine Handvoll Männer im Auditorium der Kantonsschule Zürich Nord an diesem Mittag – die klare Mehrheit der gut 70 Anwesenden sind Frauen. Sie verzichten auf ihre Mittagspause wegen Gülsha Adilji.

Die frühere Jugend-TV-Moderatorin diskutiert mit den Schülerinnen über berühmte Frauen wie Schauspielerin Emma Watson, die sich als Feministin bezeichnet und gleichzeitig mit freizügigen Auftritten das männliche Publikum bedient. «Müssen denn jetzt alle erfolgreichen, talentierten Frauen ihre Boobs in die Kamera halten?», fragt Adilji.

Gleichberechtigung ist ein Thema, das alle angeht.
Autor: Anaïs RuferMitorganisatorin der Aktionswoche gegen Sexismus

Es entsteht eine angeregte Diskussion über Feminismus. Das freut die 17-jährige Anaïs Rufer, Mitorganisatorin der Aktionswoche: «Darüber reden hilft. Gleichberechtigung ist ein Thema, das alle angeht», so die Gymnasiastin.

Transparent mit der Aufschrift "Bildung ohne Sexismus" im Auditorium
Legende: An neun Zürcher Gymnasien waren Frauenrechte eine ganze Woche über Thema. Christoph Brunner/SRF

Mit ihrer Aktion wollen Rufer und ihre Mitstreiterinnen aufmerksam machen auf den Sexismus, den es ihrer Meinung in der Bildung immer noch gibt. Den anwesenden Gymnasiastinnen fallen sofort Beispiele dafür ein: «Von ganz banalen Sachen wie einer Lehrkraft, die sagt, sie brauche zwei starke Jungs, die den Tisch verschieben», sagt eine Schülerin, bis hin zu ... «Sportunterricht», ächzt eine andere. «In vier Jahren habe ich nur Yoga gemacht». Erstere bemerkt: «Wir Frauen haben kein einziges Mal Fussball gespielt.»

Manifest der Gymnasiastinnen

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Manifest der Gymnasiastinnen
  1. Eine überwiegende Mehrheit der behandelten Texte und Bücher sind ausschliesslich von weissen, privilegierten Cis*-Männern verfasst.
  2. Der Aufklärungsunterricht weist tiefgreifende Mängel auf: Auslassung der zahlreichen Nebenwirkungen der Pille/anderer hormoneller Verhütungsmittel und unzureichende Informationen über nicht-hormonelle Verhütungsmethoden.
  3. Unsere Bildungsinhalte tabuisieren verschiedene sexuelle Ausrichtungen und alternative Beziehungsformen.
  4. Die Differenzierung von biologischem und sozialem Geschlecht ('Sex' und 'Gender') wird nicht vermittelt.
  5. Der Sportunterricht sowie der halbjährliche Sporttag weisen eine stereotype Unterteilung der Schüler*innen aufgrund ihres Geschlechts auf.
  6. Sprachpolitik wird auch im Sprachunterricht gänzlich vernachlässigt: Gegenderte Sprache ist Norm, die sich dahinter verbergende Diskriminierung wird unhinterfragt weitergegeben.
  7. Fächerübergreifend werden die konstruierten gesellschaftlichen Rollenbilder bereits durch die Zuschreibung unterschiedlicher Fähigkeiten (in beispielsweise sprachlichen vs. naturwissenschaftlichen Bildungsbereichen) aufrechterhalten.

Anstatt uns eine kritische Hinterfragung von klischierten Rollenbildern zu vermitteln, unterstützt unser Schulalltag die Sozialisierung der Zweigeschlechtlichkeit. Dies zeigt sich in zahlreichen Details. Wir fordern alle Kantonsschulen zu einem Umstrukturieren auf, was die obig genannten Punkte betrifft.

*Cis-Männer und -Frauen sind Menschen, deren soziales Geschlecht mit dem biologischen Geschlecht übereinstimmt. (Anm. d. Redaktion)

Kritisiert werden ausserdem klischierte Rollenbilder in den Lehrmitteln oder die männlich dominierte Literaturliste im Deutschunterricht, wie Rufer sagt: «Wir lesen fast ausschliesslich von männlichen Autoren. Es gibt gute Autorinnen und es wäre schön, würden wir sie auch mehr lesen.»

Es gibt gewisse Kritikpunkte, die wir aufnehmen und an denen wir arbeiten möchten.
Autor: Andreas NiklausRektor Kantonsschule Zürich Nord

Die Schülerinnen formulieren ihre Kritik bewusst plakativ – sie wollen aufrütteln. Andreas Niklaus, Rektor der Kantonsschule Zürich Nord, begrüsst diese Diskussion, findet aber auch: «Wir haben an der Kantonsschule kein prinzipielles Problem mit Sexismus.» Er sehe allerdings, «dass es gewisse Kritikpunkte gibt, die wir aufnehmen und an denen wir arbeiten möchten».

Kritisch reflektieren

Niklaus nennt als Beispiel die Kritik am hohen Anteil männlicher Autoren auf der Literaturliste: «Im Lehrplan ist vorgeschrieben, dass Literatur aus verschiedenen Epochen gelesen wird. Wichtig ist mir, dass in der nachfolgenden Diskussion kritisch hinterfragt wird und auch verglichen wird mit der Gesellschaftsstruktur, wie sie jetzt ist.»

Die Organisatorinnen der Aktionswoche hoffen aber, dass sie grundsätzliche Veränderungen bewirken können, wie Rufer sagt: «Im Anschluss an diese Woche möchten wir gerne mit klaren Forderungen an die Schulleitungen gehen und versuchen, etwas zu ändern.» Damit von ihrer Aktion mehr übrig bleibt als nur die Erinnerung an ein paar angeregte Diskussionen über Feminismus.

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15 Kommentare

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  • Kommentar von Haller Hans  (H.Haller)
    Wohlstandsprobleme münden schnell mal in eine Wohlstandsverblödung. Und wenn man keine Probleme hat, schafft man es immer, sich ein Problem zu verschaffen.
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  • Kommentar von Remo Frei  (Rxmo)
    Die Punkte des Manifests haben sehr wenig Aussagekraft. Der Zusammenhang zwischen Emazipation und nicht hormoneller Verhütung ist unklar. Der 7. Punkt ist völlig aus der Luft gegriffen und nicht begründet. Die ‘stereotypische’ Unterteilung aufgrund des Geschlechts im Sport ist durchaus sinnvoll, da völlig andere körperliche Konditionen auftreten. Heutzutage kann jeder das Freifach Yoga besuchen. Ich besuche selber das Gymnasium in Wettingen und kann keine von diesen Punkten bestätigen.
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  • Kommentar von Nic Grund  (Gruendeli)
    Rückblickend muss ich sagen, dass auch ich in der Schule unter Sexismus litt. Alle humanistischen Fächer wurden von Frauen unterrichtet. Im Deutschunterricht gab es nur feministische Literatur und eine Dauertirade wie stark Frauen unterdrückt werden. Heute hat sich die Diskriminierung der Jungs v.a. an der Grundschule durch die drückende Mehrheit weiblicher Lehrpersonen weiter verschärft, was zu schlechteren schulischen Leistung der Jungs und einer Mädchen-Mehrheit im Gymi geführt hat.
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