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Mieterinnen und Mieter wollen in ihren Wohnungen bleiben
Aus Regionaljournal Basel Baselland vom 11.03.2021.
abspielen. Laufzeit 05:26 Minuten.
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Gnadenfrist oder Auszug? Die letzten Mieter vom Basler Schorenweg

In einer grossen Basler Überbauung sind fast alle Mieterinnen und Mieter ausgezogen, nur wenige führen den Kampf gegen die Besitzerin weiter.

Nur noch ein paar Namen stehen am Schorenweg 20 am Türklingelschild. Rund 400 Bewohnerinnen und Bewohner hatten die Häuser einmal, jetzt sind nur noch 52 Mietparteien da. Alle anderen haben sich ein anderes Zuhause gesucht, nachdem die Besitzerin der Liegenschaften, die Credit Suisse, im Frühling 2019 allen Mieterinnen und Mietern gekündigt hatte.

Grund: Die CS will die beiden Liegenschaften für 28 Millionen Franken sanieren. Dies sei nicht möglich, wenn die Häuser noch bewohnt werden, so die CS. Deshalb müssen alle raus – bis spätestens im Frühjahr 2021, so lautet die aktuell letzte Frist.

Gegen die Sanierung und die Kündigung wehren sich die verbleibenden Mieterinnen und Mieter auf dem juristischen Weg. Und bis definitiv Klarheit herrscht, wollen sie in ihren Wohnungen weiter ausharren.

Ich kann mir eine Zukunft in der Fremde nicht vorstellen.
Autor: Ingrid BornerMieterin am Schorenweg

Eine von ihnen ist die 94-jährige Ingrid Borner, die seit über 60 Jahren in diesem Haus im Kleinbasel lebt: «Ich kann mir eine Zukunft in der Fremde nicht vorstellen», sagt Borner. Auch Peter Meier will bleiben, auch wenn man sich in den leeren Hochhäusern derzeit wie in einem Geisterhaus vorkomme.

Kämpferische Mieterinnen und Mieter

Meier erinnert sich noch gut an die Zeit, als alle Wohnungen besetzt waren, aber auch an die Zeit, als die ersten Mieter das Haus verlassen mussten. «Viele waren in Tränen und ohne Hoffnung.» Der 88-Jährige gibt sich kämpferisch: «Wir gehen vor Gericht und hoffen auf Gerechtigkeit.»

Derzeit sind noch zwei Verfahren vor den Basler Gerichten hängig. Eines wegen Einsprachen gegen die Baubewilligung, eines wegen Einsprachen gegen die Kündigungen der Mietverhältnisse. Wann diese Verhandlungen stattfinden, ist noch offen. Laut Beat Leuthard vom Basler Mieterverband stehen die Chancen auf einen Erfolg derzeit bei 50 Prozent.

Einigung nach dem Vorbild Brunaupark in Zürich?

Der Mieterverband stellt sich auf den Standpunkt, es handle sich um «Luxussanierungen» mit dem Ziel, in Zukunft mehr Mietzins verlangen zu können. Die CS dagegen spricht von notwendigen Sanierungen wegen Brand- und Erdbebenschutz. Zudem müssten Bäder und Küchen erneuert werden.

Neben den juristischen Verfahren hoffen die Mieter vom Schorenweg derweil auch auf eine mögliche Einigung ausserhalb der Gerichte. Man sei mit der CS in Verhandlungen, sagt Beat Leuthard vom Mieterverband. Ziel dieser Verhandlungen ist, dass die Mieter bleiben können, mindestens bis ein rechtskräftiger Entscheid gefallen ist. «Bis 2024 und – falls wir Erfolg haben mit den Einsprachen – noch länger.»

Leuthard hofft auf die Kulanz der Credit Suisse, wie in einem ähnlichen Fall in Zürich. Dort haben sich Mieterinnen und Mieter der Überbauung Brunaupark mit der Grossbank aussergerichtlich geeinigt und dürfen bis 2024 in ihren Wohnungen bleiben. Gekündigt werde ihnen erst, wenn eine rechtskräftige Baubewilligung vorliegt.

Ich kann mich von nichts trennen und möchte einfach hier noch zu Ende leben.

Die CS bestätigt, dass man auch am Schorenweg derzeit an einer Lösung arbeite: «Wir sind im engen Austausch mit den Mietparteien, um eine einvernehmliche Lösung zu finden», heisst es auf Anfrage. Die Mieter könnten in ihren Wohnungen bleiben, bis ein rechtskräftiges Urteil vorliege, verspricht die CS. Wie lange dies dauert, könne man nicht sagen.

Ingrid Borner hofft, dass sie noch möglichst lange bleiben kann, denn sie wisse nicht, ob sie einen Umzug in eine fremde Umgebung noch schaffe, sagt Borner: «Ich kann mich von nichts trennen und möchte einfach hier noch zu Ende leben.»

Regionaljournal Basel, 17:30 Uhr;

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Mark R. Koller  (Mareko)
    Grausam und entwürdigend wie in der Schweiz mit betagten Mietern umgegangen wird. Mit 88 bzw. mit 94 Jahren finden diese Menschen doch keine Wohnung mehr. Über sechs Jahrzehnte wurde die Miete bezahlt (und vom Vermieter eingestrichen) und danach wird man/frau kurzerhand entsorgt. Die Politik hatte nie dafür gesorgt, dass die Mieterrechte gestärkt wurden und bei Sanierungen der Vermieter wenigstens eine neue, entsprechende Wohnung im Quartier auftreiben und für den ganzen Umzug aufkommen muss.
  • Kommentar von Hannes Zubler  (Zubi)
    Die Wannerstrasse in Zürich lässt grüssen.
    Einfach keine zeitlich beschränkten Lock-Angebote annehmen und dafür auf seine Rechte verzichten, sondern weiterkämpfen!
    1. Antwort von Lukas Imboden  (luk91)
      Wenn das mit dem Netto Null Ziel etwas werden soll, müssen noch einige Überbauungen in der nächsten Zeit saniert werden.
    2. Antwort von Peter Zuber  (Hä nuuh)
      @Imboden
      Das Netto Null Ziel hingegen wird sowieso wird nicht erreicht werden.
      Die Rechnung für den ganzen Blödsinn wird aber sehr hoch ausfallen und bezahlen wird der kleine Mann.