Zum Inhalt springen

Gratwanderung auf der Rigi Zwischen Vermarktung und Nachhaltigkeit

Wie viel Tourismus wollen wir? Und welche Art Tourismus? Nach jahrelangem Streit ist eine Lösung für die Rigi in Sicht.

Blick von der Rigi aus
Legende: Dank diesem Ausblick ist die Rigi seit dem 18. Jahrhundert als Ausflugs- und Ferienparadies bekannt. Keystone

Der eine wohnt am Berg, René Stettler, der andere bewirtschaftet ihn, Karl Bucher. Sie stehen sich im Streit um die Rigi als Hauptkontrahenten gegenüber. René Stettler findet 850'000 Touristen pro Jahr seien genug. 3000 Unterschriften hat er gesammelt, weil er Angst hat, die Rigi werde zu einem Disney-Land. Karl Bucher als Verwaltungsratspräsident der Rigi-Bahnen will, dass der Berg attraktiv bleibt, und seine Züge möglichst voll sind.

Charta für eine nachhaltige Rigi: die Vorgeschichte

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Der Kulturwissenschaftler und Rigi-Bewohner René Stettler hatte die Online-Petition «Nein! Zu Rigi-Disney-World» 2017 lanciert. Grund: Die Rigi Bahnen AG will die Infrastruktur auf dem Berg für 50 bis 60 Millionen Franken ausbauen. Neben einer neuen Luftseilbahn und Invesitionen in neues Rollmaterial für die Zahnradbahin waren im Masterplan auch Ideen wie eine Besucherplattform auf dem Sendeturm oder ein «Schwizer Bergdörfli» aufgeführt.

Im Streit um die Zukunft der Rigi einigten sich im Juni die Interessenvertreter an einem runden Tisch auf eine Charta. Diese soll für eine schonende, nachhaltige Entwicklung der Rigi sorgen. Bis im Herbst muss die Charta von den beteiligten Organisationen genehmigt werden. Der Erlass soll am 1. Januar 2019 in Kraft treten.

Dabei sind die Rigi Bahnen AG, die RigiPlus AG, die IG Rigi Kaltbad-First, die Petitionäre, Pro Rigi, der Landschaftsschutzverband Vierwaldstättersee, die Hotellerie, die Unterallmeind Korporation Arth und die Gemeinden Weggis und Vitznau.

Anfangs wurde dieser Streit weitgehend über die Medien ausgetragen. Dann aber kam eine Arbeitsgruppe zustande, die nun eine Charta ausgearbeitet hat. Die Verständigung war sehr schwierig. Es wurde gefeilscht und gestritten, um jedes Wort im Charta-Text – um Ressourcen-Schonung zum Beispiel.

Legende: Video «Schonender Umgang mit Ressourcen» vs. «ressourceschonenender Umgang» abspielen. Laufzeit 00:37 Minuten.
Aus News-Clip vom 02.08.2018.

Auf Rigi-Kulm steigen an einem guten Tag 200 bis 300 Gäste pro Stunde aus. Die Rigi-Bahnen wollen einen richtigen Bahnhof hier, mit Souvenir-Laden und einem zusätzlichen Restaurant für Gruppen. Pläne, die jetzt mit der Charta aber nur verwirklicht werden können, wenn auch die Einwohner Ja sagen.

Die Rigi-Bahnen profitierten von diesem globalen Wachstum, sagt Stettler. Und warnt vor dessen «toxischen Wirkung». «Wir sind jetzt mit der Charta in einer Position, in der wir miteinander sprechen können, wie man das nachhaltig entwickeln kann», sagt er. Schliesslich rechne die OECD mit 2,4 Milliarden Touristen bis im Jahr 2030.

Rigi als Selfie-Sujet

Auch Karl Bucher weiss, dass die Rigi nicht unendlich viele Touristen fassen kann. Doch eine Obergrenze lehnt er klar ab. Er denkt an seine alten Züge. Diese müssen ersetzt werden. Und das kostet.

Seit ein paar Jahren setzt man auf chinesische Gruppentouristen. Menschen, für die die Rigi keine Heimat ist, sondern oft nicht mehr als ein Selfie im Fotoalbum. Der Gästemix ist ein grosses Thema.

Felsbrocken des chinesischen Berg Emei Shan auf der Rigi. Daneben chinesische Turisten.
Legende: Seit 2015 steht ein Stein vom chinesischen Berg Emei Shan auf Rigi Kulm – als Zeichen der Zusammenarbeit mit China. Keystone

Aktuell geht man bei den Besuchern der Rigi von 70 Prozent Schweizern und 30 Prozent ausländischen Touristen aus. Verändert sich dieses Verhältnis zu 50:50 wird es laut Stettler problematisch.

Legende: Video Stettler: «Ab 50:50 Prozent wird es problematisch» abspielen. Laufzeit 00:15 Minuten.
Aus News-Clip vom 02.08.2018.

Ein noch grösserer Stein des Anstosses sind für Stettler die Ideen für den Sendeturm. Dieser soll auch bei schlechtem Wetter mit riesigen Bildschirmen Aussicht bieten.

Legende: Video Bucher zu Panoramabildschirme: «Da kann man nicht dagegen sein» abspielen. Laufzeit 00:17 Minuten.
Aus News-Clip vom 02.08.2018.

Es braucht noch viele Diskussionen. Dafür soll nun ein Rigi-Bergrat gegründet werden. Vieles bleibt aber unklar. Ab Januar soll die grosse Arbeit an konkreten Projekten beginnen. Freunde ist man nach wie vor nicht. Aber der Wille zur konstruktiven Zusammenarbeit zwischen der Anwohnerschaft und dem Tourismus-Gewerbe an der Rigi ist da.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

4 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Bernadette Greiner (lovewinsalways)
    Ein anderer Ort: Die Insel Rhodos Griechenland Es hat viel zu wenig geregnet die vergangenen Winter und die vorher so wasserreiche Insel hat nicht mehr genug, d. h. für die Hotels wird Wasser bereitgestellt, aber für die Inselbewohner herrschen raue Restriktionen. Im Süden der Insel wird oft das Wasser tagelang ohne vorherige Information auf ein Rinnsal in den Haushaltungen reduziert. Die Behörden wissen es, aber...........Tourismus geht vor. Riesenswimmingpools voller Wasser!!!!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von jean-claude albert heusser (jeani)
    Die "Schmerzgrenze" der "Touristenflut aus Asien" ist längst erreicht und ist "unerträglich geworden" und das wegen ein paar "Geld geiler Touristiker"! Es ist eine Schande!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von marc rist (mcrist)
    Aha! Man geht davon aus. Eigentlich will es offiziell niemand allzu genau wissen. Dieser befürchtete 50/50 Mix dürfte nämlich bereits erreicht sein.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen