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Sommerferien in der EU möglich?
Aus Rendez-vous vom 13.05.2020.
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Grenzöffnungen am 15. Juni Sommerferien: Doch Nizza statt Neuenburg

In dieser Krise sind Prognosen schwierig und schnell überholt. Noch vor zweieinhalb Wochen sagte Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga, es sei wichtig, der Bevölkerung eine Perspektive zu geben: «Sommerferien in der Schweiz sind möglich.». Damals, und das scheint heute lange her, nahm man diese Ankündigung eher erleichtert auf. Nahezu undenkbar schienen Reisen ins Ausland.

Doch jetzt herrscht eine neue Normalität: Läden, Schulen und Museen sind wieder offen. Die Grenzöffnungen zu den Nachbarstaaten ausser Italien würden gut in den Schweizer Lockerungsfahrplan passen, meinte heute Justizministerin Karin Keller-Sutter. Und es passt auch zur Stimmung im Land: Laut neusten Handydaten bewegen sich die Menschen wieder sehr viel stärker.

Die Schweiz war eine treibende Kraft im Bemühen um schnelle Grenzöffnungen. Doch obwohl die Schweiz Schengen-Mitglied ist, zeigt sich einmal mehr: Dieses kleine Land ist Bittstellerin, die Entscheide fällen die Grossen. Offenbar war Deutschland noch letzte Woche sehr kritisch, wenn es um rasche Grenzöffnungen ging, besonders das einflussreiche Bundesland Bayern.

Deutschland war auf der Bremse

Auch Keller-Sutter äusserte sich vor zwei Wochen skeptisch, ob Deutschland bald mitziehen würde. Die Schweiz sei in den Augen des nördlichen Nachbarn ein nicht ganz unproblematisches Land, wegen der gemeinsamen Grenze mit Italien. Doch die Forderungen von Bürgermeistern aus Baden-Württemberg, man solle die Situation in den stark vernetzten Grenzregionen Basel und Konstanz/Kreuzlingen möglichst rasch normalisieren, haben offenbar auch bei der Regierung in Berlin zu einem Umdenken geführt.

Ähnliche Forderungen gab es auch in Frankreich aus den mit Genf und Basel stark verbundenen Regionen. Laut Keller-Sutter war es am Schluss Frankreich, das den 15. Juni als Tag der Öffnung festlegte. Und gestern Abend war es der ehrgeizige österreichische Kanzler Kurz, der baldige Grenzöffnungen in Aussicht stellte. Heute Mittag der deutsche Innenminister Seehofer, der die Grenzöffnungen offiziell bekannt gab. Der Schweizer Bundesrat konnte am Nachmittag nur noch bestätigen.

Fragezeichen bei ersten Schritten

Unklarheiten bestehen aber noch bei den ersten Grenzerleichterungen, die bereits ab diesem Wochenende gelten sollen. Staatssekretär Mario Gattiker präsentierte heute eine Wunschliste: Unverheiratete Paare sollen sich wieder besuchen dürfen, auch Familienmitglieder. Eigentümer von Zweitwohnungen sollen einreisen können. Auch hier wird wohl vor allem Deutschland entscheiden, was möglich sein wird und was nicht.

Trotzdem zuhause bleiben?

Grenzöffnungen für alle sollen dann ab dem 15. Juni kommen und damit auch der Zustand des Eingeschlossenseins im eigenen Land beendet werden. Sommerferien an der Ostsee oder Mittelmeerküste sind möglich. Immer vorausgesetzt, die Ansteckungszahlen in der Schweiz und den Nachbarstaaten bleiben tief. Trotzdem rief Bundesrätin Keller-Sutter heute dazu auf, nach Möglichkeit im eigenen Land zu bleiben. Auch aus Solidarität mit dem stark gebeutelten Schweizer Tourismus – der nun allerdings auch wieder auf Gäste aus den Nachbarländern hoffen darf.

Andy Müller

Andy Müller

SRF-Bundeshausredaktor

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Andy Müller ist Bundeshausredaktor des Schweizer Fernsehens. Zuvor war er Themenplaner und stellvertretender Redaktionsleiter von 10vor10. Er arbeitet seit 2007 für SRF.

Rendez-vous, 13.05.2020, 12:30 Uhr

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22 Kommentare

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  • Kommentar von Josef Graf  (Josef Graf)
    Ich werde zuhause bleiben und kann so meinem arg gebeutelten Geldbeutel und dem arg gebeutelten heimischen Schaffen etwas Gutes tun. Gleichzeitig kann ich so in aller Ruhe verfolgen, in welche Richtung und in welchem Ausmass die Corona-Pandemie sich weiter entwickelt. Auch kann ich so nicht überrascht werden von plötzlichen oder kurzfristigen Grenz- oder Hotelschliessungen oder Zugs- oder Flugausfällen.
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  • Kommentar von Urs Dupont  (udupont)
    Warum nicht, wenn es "coronatechnisch" und statistisch gesehen in Nizza weniger gefährlich ist als in Neuenburg?
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    1. Antwort von Josef Graf  (Josef Graf)
      ... und natürlich wesentlich teurer als in Neuenburg, und die Anreise ist auch noch länger. Also Nizza hat in allen Belangen die Nase vorn, statistisch gesehen.
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  • Kommentar von Kurt Willi  (kuwilli)
    Da lese ich von Rezession, Kurzarbeit, Entlassungen, Anstieg der Arbeitslosigkeit und Konkurse. Und jetzt haben wir sogar noch das Problem wohin wir in die Ferien sollen.
    Das Virus macht wirklich ganz schlimm krank.
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    1. Antwort von Toni Koller  (Tonik)
      Nun mal mit der Ruhe: Immer noch ist der Grossteil der Leute weder auf Kurzarbeit, noch entlassen, noch konkurs.
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    2. Antwort von Marc Schlatter  (Marc Rafael)
      Die einen haben eben Glück, die anderen Pech, nicht wahr? Falls Sie mir jedenfalls gütigst empfehlen würden, wieder an die Arbeit zu gehen, da war ich schon die ganze Zeit ('systemrelevant') und freue mich auch sonst wie viele andere nicht ohne Grund auf meinen Strand-Retreat im virusfeindlichen Mistral. Hätte ich sonst nicht laut gesagt, aber die neue Solidarität treibt sonderbare Blüten, wo wir grad beim Thema sind. Spenden und Aufträge für meine selbständigen Freunde willkommen.
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    3. Antwort von Kurt Willi  (kuwilli)
      @Marc Schlatter
      Ich bin 66, habe auch während dem gesamten Lockdown gearbeitet. Während und nach Ostern praktisch 7 Tagewoche. Trotzdem, wenn ich die Rangliste der Prioritäten ansehe, sind Sommerferien nicht in den Rängen. Ich kann aber verstehen, dass manche genug haben von unangenehmen Realitäten.
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    4. Antwort von Marc Schlatter  (Marc Rafael)
      Herr Willi, fragt sich, welche unangenehmen Realitäten. Von fantasielosen, hochgradig hypothetischen Makromodellen und Fake-Fotos von Särgen aus der Flüchtlingskrise angetriebene Angstreaktionen halte ich nicht für das Paradebeispiel realistischer Voraussicht. Oder kennen Sie zufällig eine Analyse, was eine Basisreproduktionszahl um 2,4 und eine Letalität um 0,3 für die Verhältnismässigkeit des Schweizer Lockdowns bedeuten? Mir ahnts nur, aber handlungsleitend waren Zahlen andrer Grössenordnung.
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