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Was bedeutet die Massnahme für das Tessin?
Aus Tagesschau vom 08.03.2020.
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Grenzschliessung ja oder nein? Das Tessiner Dilemma

Italien schränkt die Bewegungsfreiheit der Bürger ein, schliesst alle Schulen, Universitäten und Kindergärten und setzt die Sportveranstaltungen aus. Nur wer arbeiten geht, soll sich noch einigermassen frei bewegen dürfen. Trotzdem bleibt die Grenze zum Tessin offen. Für die Schweiz gleichsam Risiko und Notwendigkeit.

Trotz einschneidender Massnahmen rollt der Verkehr in Chiasso fast ungebremst. Knapp 70'000 Grenzgängerinnen und Grenzgänger pendeln aus Italien zur Arbeit ins Tessin. Die Zahl hat sich in den letzten 15 Jahren fast verdoppelt. Angetrieben von der Personenfreizügigkeit haben sich das Tessin und Norditalien eng vernetzt, die Wirtschaftsräume sind zusammengewachsen. Auch wenn sie im Südkanton keinen sehr guten Ruf geniessen, so haben die «Frontalieri» der Tessiner Wirtschaft einen starken Boom beschert. Sie sind systemrelevant für den Südkanton.

Enormer Schaden für die Wirtschaft

Aktuell sind die Grenzgänger aber auch ein grosses Risiko. Sie beeinträchtigen die Wirksamkeit der Schweizer Massnahmen zur Eindämmung des Coronavirus stark. Gestern Abend vermeldete Italien 1800 Neuinfizierte und fast 100 weitere Todesopfer innerhalb eines Tages. Diese Welle lässt sich nicht mehr stoppen und macht vor der Grenze nicht halt. Die Grenzen zu schliessen, würde gegen die Virusverbreitung vermutlich helfen – aber nur mit enormem Schaden für die Wirtschaft.

Auch die Spitäler würde eine Grenzschliessung massiv in ihrer Leistungsfähigkeit einschränken. So stellen die Grenzgänger in manchen Spitälern bis zu einem Drittel der Angestellten. Fallen diese aus, gibt es einen grossen Personalengpass mitten in einer der grössten Herausforderungen, welche das Gesundheitswesen in den letzten Jahrzehnten zu meistern hatte. Ein klassisches Dilemma.

Ohne Eindämmung drohen schärfere Massnahmen

Letztlich hängt alles an der Frage, wie gefährlich man die Covid-19-Erkrankung einstuft. Sind die Folgen für die Risikogruppen und die Gesellschaft allgemein so gross, dass man den Schaden am Wirtschaftsstandort in Kauf nimmt? Diese Abwägung gilt es in der Schweiz und exemplarisch im Tessin aktuell vorzunehmen.

Anders als in Italien haben sich die Schweizer Behörden momentan noch für die Wirtschaft und somit gegen eine Grenzschliessung entschieden. Diese Entscheidung dürfte allerdings ins Wanken geraten, wenn sich der italienische Infektionsherd in vollem Masse auf das Tessin ausdehnt. Dann ist es ein durchaus realistisches Szenario, dass die Schweiz zu einschneidenderen Massnahmen greift und auch Grenzen oder einzelne Regionen abriegelt.

Basil Honegger

Basil Honegger

Leiter Inlandredaktion Fernsehen SRF

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Basil Honegger ist Leiter der Inlandredaktion von SRF TV. Nach dem Biologiestudium an der Universität Zürich promovierte er in Entwicklungsgenetik und Molekularbiologie. Seit 2006 arbeitet er bei SRF. Zuerst beim Gesundheitsmagazin «Puls» und dann bei «Schweiz aktuell» als Produzent, Themenplaner und Redaktionsleiter.

SRF 4 News, 10.03.2020, 11:30 Uhr; schp

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58 Kommentare

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  • Kommentar von Enrico Balistreri  (Enricobal)
    Die Wirtschaft hat im Moment absolut keine Priorität. Die Grenzen müssen sofort geschlossen werden und dann sollen die Entwicklungen in den Nachbarländern beobachtet werden.
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  • Kommentar von Rudolf Krähenmann  (corbeau)
    1. Das Virus sollte sich möglichst langsam verbreiten damit die Spitäler mit akuten Fällen nicht überfordert werden.
    2. Das Virus wird primär über Reisende verbreitet.

    Somit hätte man längst alle nicht notwendigen Reisen verbieten sollen (Ferien, Konferenzen, Geschäftsreisen, Kundenbesuche, Reisen im Zusammenhang mit Politik, usw.
    Nur wer in Bereichen wie Gesundheit, Liefergeschäft, Infrastruktur (Strom Wasser Feuerwehr Sanität Polizei usw.) darf noch reisen nach Notwendigkeit.
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  • Kommentar von Eduard Mauss  (eddim)
    Warum reden alle nur vom Tessin? Man kommt auch durchs Wallis oder Graubünden nach Italien oder zurück...
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