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Legende: Video Grenzwert statt Nulltoleranz beim Canabis abspielen. Laufzeit 01:56 Minuten.
Aus Tagesschau vom 09.08.2019.
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Grenzwert statt Nulltoleranz Mehr Nachsicht mit CBD-Konsumenten im Strassenverkehr?

Wer legalen CBD-Hanf konsumiert, kann bei einer Verkehrskontrolle den Führerschein verlieren. Diesen Widerspruch möchte das Bundesamt für Gesundheit beheben – und für THC einen Grenzwert wie beim Alkohol einführen.

Beim Alkohol ist die Sache klar: Wer über 0.5 Promille im Blut hat und in eine Verkehrskontrolle kommt, ist den Führerschein los. Ebenso klar ist die Sache heute beim Marihuana: Wird der psychoaktive Wirkstoff THC im Blut festgestellt, ist der Ausweis weg – es gilt Nulltoleranz.

«Müssen Unsicherheit beheben»

Nun untersucht der Bund, ob es nicht auch für Marihuana neu einen Grenzwert geben soll wie beim Alkohol. Das Problem: Auch im legal an jedem Kiosk erhältlichen CBD-Hanf, der keine berauschende Wirkung hat, ist eine kleine Restmenge THC vorhanden. Wer CBD raucht oder als Arzneimittel zu sich nimmt, läuft Gefahr, in einer Verkehrskontrolle seinen Ausweis zu verlieren. Für das Bundesamt für Gesundheit (BAG) ist das eine widersprüchliche Situation.

«Konsumenten von legalem Cannabis haben Mühe zu verstehen, warum sie angezeigt werden, obwohl sie bei einer Kontrolle nicht berauscht waren», erklärt Markus Jann, Leiter der Sektion politische Grundlagen und Vollzug beim BAG. «Diese Unsicherheit müssen wir beheben.» Deshalb hat das Bundesamt Mitte Juli eine Studie gestartet. Sie soll herausfinden, wo bei Cannabis die Grenze zur berauschenden Wirkung liegt. Ginge es nach dem BAG, soll ein Grenzwert für den Strassenverkehr festgelegt werden.

Wie hoch müsste ein Grenzwert sein?

Heute gibt es in Sachen THC in der Schweiz bloss eine Nachweisbarkeits-Grenze: Wird das Blut von Autolenkern getestet und weist dieses mehr als 1.5 Mikrogramm THC pro Liter auf, gilt es als erwiesen, dass Marihuana konsumiert wurde. Dieser Wert liegt aber derart nahe bei Null, dass er auch überschritten wird, wenn gar keine berauschende Wirkung verspürt wird oder diese schon längst abgeklungen ist.

Deshalb fordert das BAG eine «Wirksamkeitsschwelle» – bis Februar 2020 soll die Studie in Zusammenarbeit mit der Uni Basel erste Resultate bringen, wo diese liegen könnte. Teil der Studie ist auch der Vergleich mit anderen Ländern: So gilt in Grossbritannien etwa ein Grenzwert von 2.0 Mikrogramm THC pro Liter Blut, in Holland 3.0 Mikrogramm.

Widerstand ist vorprogrammiert

Um einen neuen Grenzwert für THC festzulegen, wäre allerdings eine Gesetzesrevision nötig. Die Politik müsste also aktiv werden – und dort ist ein neuer Grenzwert hoch umstritten. «Ich finde es sehr fragwürdig, wie das BAG da vorprescht», sagt etwa SVP-Nationalrätin Andrea Geissbühler. Sie befürchtet eine schrittweise Legalisierung von Cannabis – ein Grenzwert für den Strassenverkehr sei ein weiterer Schritt in diese Richtung.

Dabei sei die Nulltoleranz gerade im Verkehr wichtig. «CBD-Hanf wirkt wie ein Schlaf- oder Beruhigungsmittel. Damit sollte man wirklich nicht Auto fahren dürfen.» Die SVP-Nationalrätin zeigt sich befremdet, dass das Bundesamt Steuergelder «für solch unsinnige Studien» ausgibt.

Grafik Cannabis

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32 Kommentare

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  • Kommentar von Beni Fuchs  (Beni Fuchs)
    Nulltoleranz bedeutet, dass 1. den legal erhältlichen und rauschfreien CBD-Hanf Konsumierende, wie 2. THC-Hanf Konsumenten, selbst wenn sie eine Woche nicht geraucht haben und genauso rauschfrei sind, wie jemand der gestern getrunken hat, also in beiden Fällen trotzdem der Führerschein entzogen werden kann. Und dies ist, mit Verlaub Willkür, die vielleicht einer Bananrepublik oder einer Diktatur gerecht werden, nicht aber einem Rechtstaat. Die aktuelle Praxis ist aus meiner Sicht kriminell.
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  • Kommentar von Christine Angst Azevedo  (caa)
    Targin ist ein opioidhaltiges Schmerzmittel, mit diesem, genauso wie mit Temesta (Benzos) Neuroleptika und diversen Schlafmitteln, sollte das Autofahren ebenfalls verboten werden, wenn man gegen CBD sein will. Dann müsste man sich auch überlegen, ob arbeiten gestattet ist, beim Konsum dieser Mittel und schon käme die Wirtschaft in diesem Land ins Schwanken. Lasst doch die Menschen selber entscheiden, was sie brauchen, um das Leben auszuhalten.
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  • Kommentar von S. Borel  (Vidocq)
    Ach Frau Geissenbühler... „wirkt wie ein Schlaf- oder Beruhigungsmittel“? A) stimmt es nicht und B) wo ist bei diesen Mitteln „Ihre“ Nulltoleranz Politik geblieben? Vielleicht müsste sich jemand mal die Mühe geben, der SVP den Unterschied zwischen THC und CBD zu erklären....
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