Zum Inhalt springen

Header

Audio
In manchen Parzellen gibt es einen Totalausfall
Aus Regionaljournal Bern Freiburg Wallis vom 22.09.2021.
abspielen. Laufzeit 06:06 Minuten.
Inhalt

Grosser Ernteausfall Aus dem Wallis gibt es 30 Prozent weniger Wein

Wegen des schlechten Wetters sind viele Trauben mit Pilzkrankheiten befallen. Resistente Sorten werden immer wichtiger.

In einem normalen Jahr werden im Wallis 45 Millionen Liter Wein produziert. «In diesem Jahr rechnen wir nur mit 30 Millionen Liter», sagt Amadée Mathier vom Branchenverband für den Walliser Wein. Es gibt also einen Ausfall von gut 30 Prozent.

Schuld daran sind insbesondere der Frost im Frühling und der verregnete Sommer. Weil es ständig geregnet hat, konnte sich die Pilzkrankheit Falscher Mehltau stark ausbreiten.

Da kann man keinen Tropfen Wein mehr daraus gewinnen.
Autor: Hans-Peter Baumann Walliser Winzer

Der Winzer Hans-Peter Baumann zeigt eine Parzelle in Ortschaft Varen, wo er Trauben der Sorte Merlot hat. Die Blätter seien noch einigermassen in einem guten Zustand. «Aber die Trauben hat der falsche Mehltau total kaputt gemacht. Sie sind spröde und ledrig. Da kann man keinen Tropfen Wein mehr daraus gewinnen», sagt Baumann. In dieser Parzelle hat er einen Totalausfall erlitten.

Legende: Diese Trauben fielen dem Falschen Mehltau zum Opfer. Silvia Graber/SRF

 «Es ist brutal das zu sehen. Seit 1983 betreibe ich Rebbau hier im Wallis. So ein Ausmass des Falschen Mehltaus habe ich noch nie gesehen,»sagt Baumann. Sein Sohn, Diego Baumann, ist im Familienbetrieb für die Reben zuständig. Im Biobetrieb werden die Reben mit Kupfer gespritzt, um sie vor dem Falschen Mehltau zu schützen. «Ich habe die Reben in dieser Parzelle zwölfmal gespritzt. Es hat nichts gebracht.» Der Regen habe das Pilzschutzmittel jeweils wieder abgespült.

Das ist Mehltau

Box aufklappen Box zuklappen

Beim Mehltau handelt es sich um eine Pilzerkrankung, die bei verschiedenen Nutz- und Zierpflanzen auftreten kann. Betroffen sind mehr als hundert verschiedene Arten. Man unterscheidet zwischen dem echten und dem falschen Mehltau.

Falscher Mehltau

Falscher Mehltau ist ein Schlechtwetterpilz. Er entsteht bei Feuchtigkeit. Bei Befall zeigen sich auf der Blattoberseite Aufhellungen oder gelbliche Flecken. Die Trauben trocknen aus und werden lederartig zäh. Ein Befall kann so zu grossen Ernteausfällen führen.

Echter Mehltau

Echter Mehltau bildet sich im Gegensatz zum falschen Mehltau bei Wärme und Trockenheit. Zu erkennen ist er als abwischbarer, weisser, später schmutzig-bräunlicher Belag auf den Blattoberseiten. Die Blätter werden braun und vertrocknen. Befallene Trauben verhärten, werden grau oder schwarz und können aufplatzen, besonders zu Beginn des Reifeprozesses.

Quelle: Norddeutscher Rundfunk (NDR)

Szenenwechsel: Hans-Peter Baumann ist froh, hat er nicht nur auf herkömmliche Rebsorten gesetzt. Er war vor 28 Jahren der erste Oberwalliser Winzer, der auf pilzwiderstandsfähige Rebsorten setzte. In diesem verregneten Sommer kommt ihm das nun zugute.

Gezüchtet werden diese widerstandsfähigen Sorten von Forschungsstätten wie Agroscope oder in verschiedenen Rebschulen. Dank diesen neuen Sorten sei seine Kellerei nur teilweise von den Ausfällen betroffen. Rund die Hälfte seiner viereinhalb Hektaren sind mit pilzresistenten Sorten bepflanzt.

Für Diego Baumann, welcher den Familienbetrieb übernommen hat, ist klar, dass er auch künftig auf diese Sorten setzen wird. «Rebbau ohne diese widerstandsfähigen Sorten macht heutzutage praktisch keinen Sinn mehr», sagt er. In den nächsten Jahren wolle er seinen Betrieb sukzessive umstellen auf die neuen Sorten.

Die Umstellung braucht noch viel Zeit

Solche pilzresistenten Sorten würden in der Zukunft immer wichtiger, sagt Amadée Mathier vom Branchenverband. Aber er betont, dass es noch Zeit brauche, bis sich diese Sorten etablieren. Bei der Vinifizierung dieser Sorten habe man noch wenig Erfahrung: «Die pilzresistenten Sorten geben noch kein vergleichbar guten Wein.» Um aus diesen Trauben einen Wein zu machen, der mit Wein aus herkömmlichen Sorten mithalten könne, müsse man noch viel experimentieren, so Mathier.

SRF 1, Regionaljounal Bern Freiburg Wallis, 22.09.2021, 06.32 Uhr;

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

5 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Aktuell sind keine Kommentare unter diesem Artikel mehr möglich.

  • Kommentar von Felix Zwicky  (Radiohörer)
    Der Wein wird uns nicht ausgehen. Also Ruhe bewahren.
    In der Covid-Phase wurde auch weniger Wein getrunken in den Restaurants.
  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Ein Drittel aller Reben wachsen im Kanton Wallis. Aufgrund der schwierigen Topografie werden Pestizide nicht nur vom Boden, sondern auch mit dem Helikopter und Drohnen ausgebracht. Im Bach Tsatonire im Wallis wurden im Zuge einer Untersuchung 64 verschiedene Pestizide festgestellt.Pestizide verbleiben nicht an ihrem Einsatzort, sondern werden via Luft zum Teil mehrere Kilometer weit getragen.Na dann, Prost! Pilzresistenten Sorten würden in der Zukunft immer wichtiger, und evtl. weniger Pestizide
  • Kommentar von Toni Miotti  (Toni2)
    12 Mal Kupfer gespritzt: Wieviele Kleinlebewesen im Rebbergboden hat Herr Baumann mit seinem biologischen Mittel vergiftet ?
    1. Antwort von Stefan Wehrli  (st.wehrli)
      Keine. https://novasol-experts.com/synthese-ecotoxicite-cuivre-sols-viticoles/