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Winzer in der Schweiz kämpfen gegen eine Pilzkrankheit
Aus Regionaljournal Bern Freiburg Wallis vom 10.08.2021.
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Schwieriges Weinjahr Pilze und Unwetter zerstören Teil der Weinernte

Im Kanton Zürich rechnen die Winzer mit einem Ernteausfall von gut 50 Prozent. Im Kanton Bern gibt es weniger Bio-Wein.

2021 ist für Winzerinnen und Winzer kein gutes Jahr. Zu schaffen machten ihnen die heftigen Niederschläge der letzten Wochen. Hagel und Sturm führten an gewissen Orten zu riesigen Ernteausfällen. Besonders betroffen sind die Weinbauregionen am Zürichsee und im Zürcher Weinland. «In diesen Regionen wurden zum Teil bis zu 90 Prozent der Reben zerstört», sagt Markus Leumann von der Fachstelle Rebbau der Kantone Zürich, Schaffhausen und Thurgau. Ein Totalschaden. Einige Winzerinnen und Winzer sprechen gar von einem der schlechtesten Weinjahre in den letzten zwanzig Jahren.

Wie gross die Ernteausfälle tatsächlich sein werden, könne er noch nicht beziffern, so Leumann. «Unsere Schätzungen gehen derzeit von circa 50 Prozent weniger Ernte aus.» Die nächsten Wochen bis zur Ernte seien aber entscheidend.

Grosse Unterschiede

Auch im Kanton Waadt sind die Schäden beträchtlich. «Diesen Sommer sind alle Launen des Wetters zusammengekommen», sagt Olivier Viret vom Waadtländer Weinbau-Kompetenzzentrum. In Concise am Neuenburgersee hat der Hagel auf 40 Hektaren alles verwüstet. «Da ist kein Blatt, kein Zweig übrig geblieben.» Die Verluste für den ganzen Kanton Waadt könne man derzeit aber auch noch nicht benennen, so Viret.

Da ist kein Blatt, kein Zweig übrig geblieben.
Autor: Olivier Viret Weinbau-Kompetenzzentrum Kanton Waadt

Von grossen Hagelschäden grossmehrheitlich verschont geblieben ist dagegen der Kanton Graubünden. «Im Gegensatz zu anderen Regionen sind wir mit einem blauen Auge davon gekommen», so Walter Fromm von der Fachstelle Weinbau. Er rechnet deswegen nicht mit grossen Ertragsausfällen. Nicht verschont geblieben sind die Bündner Winzerinnen und Winzer aber vom sogenannten falschen Mehltau. Diese Pilzkrankheit kann sich bei hoher Feuchtigkeit ideal ausbreiten.

Legende: Welche Zerstörung Hagel anrichten kann, zeigt dieses von einem Rebberg in Dardagny bei Genf. 2018 hatte das Gewitter die Hälfte der Trauben zerstört. Keystone

Von der Feuchtigkeit gab es in den letzten Wochen zu Genüge. «Wir hatten während neun Wochen immer wieder Niederschläge», sagt Markus Leumann von der Fachstelle Rebbau. Der falsche Mehltau habe sich daher explosionsartig ausgebreitet.

Das ist Mehltau

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Legende: Vom Falschen Mehltau befallene Weintrauben. Keystone

Beim Mehltau handelt es sich um eine Pilzerkrankung, die bei verschiedenen Nutz- und Zierpflanzen auftreten kann. Betroffen sind mehr als hundert verschiedene Arten. Man unterscheidet zwischen dem echten und dem falschen Mehltau.

Falscher Mehltau

Falscher Mehltau ist ein Schlechtwetterpilz. Er entsteht bei Feuchtigkeit. Bei Befall zeigen sich auf der Blattoberseite Aufhellungen oder gelbliche Flecken. Die Trauben trocknen aus und werden lederartig zäh. Ein Befall kann so zu grossen Ernteausfällen führen.

Echter Mehltau

Echter Mehltau bildet sich im Gegensatz zum falschen Mehltau bei Wärme und Trockenheit. Zu erkennen ist er als abwischbarer, weisser, später schmutzig-bräunlicher Belag auf den Blattoberseiten. Die Blätter werden braun und vertrocknen. Befallene Trauben verhärten, werden grau oder schwarz und können aufplatzen, besonders zu Beginn des Reifeprozesses.

Quelle: Norddeutscher Rundfunk (NDR)

Besonders betroffen vom falschen Mehltau sind auch die berühmten Weinterrassen des Lavaux zwischen Lausanne und Vevey. Gerade an dieser steilen Hanglage sei es sehr aufwändig, Fungizide zur Bekämpfung der Pilze zu spritzen, sagt Olivier Viret vom Waadtländer Weinbau-Kompetenzzentrum. So war es den Winzerinnen und Winzern kaum möglich, mehrmals wöchentlich zu spritzen.

Weniger Bio-Wein im Kanton Bern

Im Kanton Bern wiederum bauen eigentlich 40 Prozent der Winzer Bio-Wein an. Doch der starke Befall mit der Krankheit führt dazu, dass einzelne ebenfalls wieder zu stärkeren Fungiziden greifen. Ihr Wein wird deshalb kein Bio-Label erhalten. Eine unschöne Konsequenz, die aber unvermeidbar ist: «Sie können sich einen Totalausfall finanziell nicht leisten», sagt Jürg Maurer, Rebbaukommissär im Kanton Bern.

Die Natur ist unerbittlich.
Autor: Markus Leumann Fachstelle Rebbau der Kantone ZH, SH, TG

Dieses Jahr verzeihe keine Fehler, sagt Markus Leumann von der Fachstelle Rebbau der Kantone Zürich, Schaffhausen und Thurgau. «Die Natur ist unerbittlich.» Und sein Kollege Jürg Maurer aus Bern meint, dass die Krankheit, anders als der Hagel, die Winzer in der ganzen Schweiz auf eine Art auch vereine: «Es sind alle im selben Boot bezüglich dieser Krankheit.»

Mengenmässig dürfte das Weinjahr 2021 deshalb bescheiden ausfallen. Über die Qualität hingegen lässt sich noch nichts sagen. Sei es in den nächste Wochen trocken und warm, so das Fazit der Winzer, dürfe man sich trotzdem noch auf einen guten Tropfen mit Jahrgang 2021 freuen.

Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 10.08.2021, 06:31 Uhr;

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Der Klimawandel kommt noch schneller als befürchtet, und die Folgen sind schon deutlich sichtbar. Die Landwirtschaft wird das in Zukunft noch zu spüren bekommen. Bei Hitzewellen sind sich die Wissenschaftler sehr sicher: Die haben zugenommen, und mit hoher Wahrscheinlichkeit ist daran der menschengemachte Klimawandel schuld. Das ist bei anderen Ereignissen, wie etwa Starkregen oder Dürren, nachzuweisen. Der Mensch hat viel zerstört - jetzt kommt die Quittung. Wäre Zeit endlich zu handeln.
  • Kommentar von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
    Die Biowinzer greifen zu Fungiziden ... und das steht dann auf der Etikette, Biowein mit Zugabe von Bayer ...?
    1. Antwort von Stefan Wehrli  (st.wehrli)
      Steht im Text. Wenn (chemisch-synthetische) Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden, gibt's Bio-Label.
    2. Antwort von Stefan Wehrli  (st.wehrli)
      ...kein! Bio-Label ;-)
    3. Antwort von Stefan Wehrli  (st.wehrli)
      Und soviel ich weiss, auch die folgenden drei Jahre nicht.