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Pestizide in Heidelbeeren
Aus Kassensturz vom 19.05.2020.
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Heidelbeer-Boom Chemie-Cocktail auf Import-Früchten

Jede zweite Heidelbeere in der «Kassensturz»-Analyse ist mit Pestiziden belastet, eine Probe gar mit sechs Chemikalien.

Es ist eine unappetitliche Liste: Fludioxonil, Pyraclostrobine, Boscalid – so heissen nur einige der Pilzgifte, die das Labor auf den Heidelbeeren von Denner gefunden hat. Insgesamt sind es sechs Pestizide, die auf den Beeren zu finden sind. Nur die Heidelbeeren aus dem Manor sind ähnlich stark belastet: Mit Rückständen von fünf Pestiziden. Beides Beeren mit Herkunft Peru.

Testtabelle

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Hier geht's zu den detaillierten Testresultaten.

Für die Analysen hat «Kassensturz» zusammen mit «A Bon Entendeur» übers Jahr Beeren unterschiedlicher Herkunft gekauft: neben Peru auch Chile, Spanien, Argentinien, Südafrika oder Kanada. Der Heidelbeer-Konsum in der Schweiz hat sich in den letzten Jahren versechsfacht. Das führte zu einem grossen Zuwachs der Importe.

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Das südafrikanische Gesetz sei veraltet, kritisiert Medizinprofessor Leslie London
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Auf einzelnen Beeren wies das Labor Insektengifte nach. Diese werden auf dem Feld verspritzt. Viel häufiger sind jedoch Pilzgifte. Das Testlabor ist nicht überrascht – wegen der langen Transportwege: «Um sicherzustellen, dass die Beeren in gutem Zustand ankommen, behandelt man sie mit Fungiziden. Oder man kann sie tiefkühlen.»

Beeren ohne Chemie

Tatsächlich fällt auf, dass das Labor in den tiefgefrorenen Beeren keine Fungizide gefunden hat. Bis auf ein Produkt weisen Heidelbeeren aus der Tiefkühltruhe gar keine Rückstände auf, darunter auch die günstigsten Produkte im Vergleich von Aldi und Lidl.

Lasche Praxis bei Import-Ware?

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Der südafrikanische Mediziner Leslie London von der Universität Kapstadt kritisiert, in Südafrika seien Pestizide zugelassen, die andernorts verboten sind. Zudem hätten Anwender oft zu wenig Erfahrung und Ausbildung. Und die Behörden hätten zu wenig Mittel, um Verstösse zu ahnden und zu verfolgen. Der Gross-Produzent United Exports aus dem «Kassensturz»-Beitrag betont, man halte beim Pestizid-Einsatz das Gesetz in Südafrika und in den Exportländern ein.

Ebenfalls keine Pestizide enthielten die frischen Heidelbeeren von Manor aus Polen/Ukraine, von Migros Bio aus Argentinien und Globus aus Südafrika. Und die Tiefkühl-Beeren von Aligro.

Kein Grenzwert für Pestizid-Cocktails

Aber warum sind es in manchen Produkten gleich Cocktails von fünf oder sechs Fungiziden? Der Verdacht: Mit unterschiedlichen Wirkstoffen können Produzenten insgesamt mehr Chemie einsetzen.

Heidelbeeranbau in der Schweiz

Heidelbeeranbau in der Schweiz

Mitte Juli kommen Schweizer Heidelbeeren in den Handel. Aber sie stillen nur zehn Prozent des Beerenhungers. SRF hat einen Betrieb im Kanton Thurgau besucht. Die Reportage hören Sie hier.

Denn: Grenzwerte gibt es nur für Rückstände einzelner Stoffe, nicht für die Summe der Pestizide auf der Frucht. Selbst Beeren mit einem Chemie-Cocktail halten so alle gesetzlichen Grenzwerte ein.

Manor hat eine andere Begründung: Man verwende verschiedene Fungizide in kleineren Dosierungen, um Resistenzen gegen einzelne Stoffe zu verhindern. Denner schreibt zu seinem Resultat – fünf Pilzgifte und ein Insektengift – man prüfe dies mit dem Lieferanten.

Was nützt waschen?

Wer Früchte vor dem Verzehr abwäscht, wird leider nicht alle Pestizide los. Nur wasserlösliche Pestizide auf der Haut lassen sich wegwaschen. Manche Chemikalien können jedoch in die Frucht eindringen.

Jetzt auch auf Youtube

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Einen Test verpasst? Die «Kassensturz»-Tests, Link öffnet in einem neuen Fenster gibt’s jetzt auch auf Youtube. Immer aktuell.

Kassensturz, 19.05.2020, 21.05 Uhr

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11 Kommentare

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  • Kommentar von Bruno Hochuli  (Bruno Hochuli)
    Es ist in allen Lebensmittel, in kleinen Dosierungen, aber die Summe macht es aus. Daher ist es nicht verwunderlich, dass immer mehr Krebserkrankungen schon bei Kindern vorkommen. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit muss für die Verbraucher denken und nicht für die Chemiefirmen. Die Böden sind für Jahre hinaus verseucht und das werden bekommen wir nun zu spüren.
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  • Kommentar von Paul Soltermann  (ps)
    Ich baue selbst in China u.a. Blueberries an und versorge unser Dorf taeglich mit Frischware. Im Gegensatz zu vielen andern Fruechten benoetigen Blueberries auf meinem (etwas mageren) Boden ueberhaupt keine Chemie. Es koennte aber sein, dass der Handel (Exporteur/Importeur/Vertrieb) gleichmaessig grosse Beeren verlangt und praeventiv Chemie appliziert um das Risiko einer Beschaedigung auf dem langen Transportweg zu minimieren.
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  • Kommentar von Manuela Fitzi  (Mano)
    Merkwürdig, in einer anderen Pressequelle tobt gerade die Debatte darüber, dass Schweizer Bauer ihre Ware mit Pestizid-Cocktail anreichern, welches nur separat die Grenzwerte nicht überschreitet, in Konbination jedoch ganz übel aussieht. Klar, kann man ausländische Ware verteufeln, wenn man dies nicht kennt. Dass vom Ausland auch verseuchte Ware hierher kommt, ist den überhöhten Ansprüchen der Schweizer zuzuschreiben. Das werden jetzt viele nicht verstehen. Fröhliches Daumendrück.
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