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Ständerat debattiert über Reiseverbot von «vorläufig Aufgenommenen»
Aus HeuteMorgen vom 15.09.2021.
abspielen. Laufzeit 02:06 Minuten.
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Herbstsession Sollen «vorläufig Aufgenommene» ins Ausland reisen dürfen?

Der Ständerat debattiert die umstrittene Frage. Eine junge Frau erzählt von ihrem Traum, ihre Verwandten zu besuchen.

Sollen Flüchtlinge und Migranten, die in der Schweiz als «vorläufig Aufgenommene» gelten, ins Ausland reisen dürfen – etwa um Verwandte zu besuchen? Darüber debattiert heute der Ständerat. Der Bundesrat will ein Reiseverbot sogar auf Gesetzesstufe verankern. Der Nationalrat hingegen hat Ausnahmen beschlossen.

Davon betroffen sind rund 50'000 Menschen in der Schweiz, insbesondere Syrerinnen und Syrer. Auch die Syrerin Wiam Mohamad hat Verwandte in Deutschland, hinreisen und sie besuchen darf sie aber nicht.

Beim arabischen Kaffee erzählt die 32-jährige Syrerin von ihrem Leben im Kanton Solothurn. «Wir sind sehr zufrieden hier in der Schweiz, wo wir sicher sind. Wir wohnen seit sechs Jahren im gleichen Dorf und fühlen uns hier sehr willkommen. Ich kenne bereits viele Leute.»

Verwandte in Deutschland

Wir – das sind Wiam Mohamad, ihr Mann, die 7- und 5-jährigen Söhne und ihr jüngerer Bruder.  Die Kinder besuchen die Schule, die Erwachsenen gehen arbeiten. Wiam Mohamad war in Syrien Lehrerin. In der Schweiz hat sie Deutschkurse besucht und arbeitet nun als Klassenassistentin, die die Lehrkraft unterstützt. Stolz erzählt sie, dass ihre Familie seit eineinhalb Jahren weg von der Sozialhilfe ist.

Legende: Wiam Mohamad lebt seit sechs Jahren in der Schweiz – und besitzt zurzeit den Status «vorläufig aufgenommen». SRF

Alles gut, könnte man meinen. Doch da ist die schwierige Situation in ihrem Heimatland, die sie belastet. Traurig macht Wiam Mohamad aber auch, dass sie mit ihrem F-Ausweis eingeschränkt ist, also nicht reisen darf. Wiam Mohamad hat Verwandte in Deutschland und sie würde sie gerne besuchen.

Auch berufliche Einschränkungen

Vorläufig aufgenommene Menschen können beim Migrationsamt ihres Kantons zwar eine Reise beantragen, diese wird aber nur unter bestimmten Voraussetzungen bewilligt. So zum Beispiel, wenn der oder die Verwandte schwer krank oder bereits gestorben ist.

In solchen Momenten fühle ich mich sehr klein.
Autor: Wiam Mohamad F-Ausweis-Besitzerin

Das Reiseverbot habe sie aber auch schon beruflich eingeschränkt, sagt Wiam Mohamad. Die Schule, an der die 32-Jährige arbeitet, wollte mit den Kindern nach Deutschland in den Europapark. «Sie sagten mir dann, dass ich nicht mitreisen könne – wegen der fehlenden Bewilligung. In diesen Momenten fühle ich mich sehr klein», sagt Wiam Mohamad.

Die Schule hat schliesslich auf den Ausflug verzichtet. Wiam Mohamad hofft, dass das Reiseverbot nun definitiv gelockert wird. Nicht nur für sich, auch für die anderen 50'000 betroffenen Menschen, die in der Schweiz als vorläufig Aufgenommene leben.

SRF 4 News, 15.09.2021, 06:00 Uhr

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25 Kommentare

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  • Kommentar von Manuela Fitzi  (Mano)
    Wenn man solche Rechte fordert, hat man die Schweiz nicht verstanden. In der Schweiz ist Verzicht und Kompromissbereitschaft eine nationale Tugend. Indem Zugezogene und ihre selbsternannten Interessenvertreter ihre Maximalforderungen stellen, lösen sie nur einen heftigen Antireflex aus. Leute, die nicht direkt&persönlich an Leib und Leben gefährdet werden, trotzdem vorläufige Aufnahme finden, weil die Situation in ihrem Land fragil ist, sollten ihre Wünsche nach Sicherheit über alles stellen.
  • Kommentar von Ernesto Walter  (Inchalla)
    Warum nehmen wir sie auf... zu ihrem Schutz .
    Sollten Sie ins Ausland fahren verlieren sie diesen Schutz.. wir können sie ja im Ausland nicht schützen..
    Dann müssen sie neuen Schutz duchen dort wo sie sich befinden..
  • Kommentar von Alex Volkart  (Lex18)
    Ich kann die Frau oben gut verstehen, doch vorläufig heisst vorläufig. Wer vorläufig aufgenommen wurde muss sich im klaren sein, dass man während man diesen Status hat nur vorläufig hier ist. Dies heisst dass man nicht die gleichen Rechte hat ein Schweizer Bürger.