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Anspruch auf Bundesratssitz Historisch gesehen war das Tessin ausreichend vertreten

Nur fünf Kantone waren in der Vergangenheit länger im Bundesrat vertreten. Dennoch bleibt Ignazio Cassis Favorit.

Legende: Audio Nur wenige Kantone waren länger im Bundesrat vertreten abspielen. Laufzeit 02:06 Minuten.
02:06 min, aus HeuteMorgen vom 23.08.2017.

Dass die Tessiner immer den Kürzeren ziehen, könne man so nicht sagen. Historisch gesehen sei das Tessin gar eher übervertreten, sagt Politikwissenschafter Georg Lutz von der Universität Lausanne. Was die Vertretung in der Landesregierung angehe, gebe es seit der Gründung des modernen Bundesstaates «Lücken vor allem in der Nordwestschweiz und teilweise auch in der Zentralschweiz».

Platz 6 in der ewigen Bundesrats-Tabelle

Das Tessin hingegen war seit 1848 während 78 Jahren im Bundesrat vertreten. Nur fünf Kantone hatten noch länger mindestens einen Vertreter in der Landesregierung. Allerdings: Platz sechs in dieser Tabelle hat viel mit Giuseppe Motta zu tun, der fast 30 Jahre in Bern mitregierte. Dies liegt allerdings schon lange zurück.

Giuseppe Motta
Legende: Giuseppe Motta sass von 1912 bis zu seinem Tod 1940 im Bundesrat und prägte die Schweizer Aussenpolitik mit. SRF

Der letzte Tessiner Bundesrat war Flavio Cotti – und der ist vor mittlerweile mehr als 18 Jahren zurückgetreten. Das ist der längste Unterbruch der Tessiner Vertretung im Bundesrat seit dem Ersten Weltkrieg und sicher mit ein Grund für die Ungeduld vieler Tessiner.

Flavio Cotti
Legende: Flavio Cotti sass von 1986 bis 1999 als letzter Tessiner im Bundesrat. Ab 1993 war auch er Aussenminister. Keystone

Diesmal scheint der Anspruch unbestritten

In den letzten Jahren gab es zwar immer wieder Tessiner Bundesratskandidaten, die blieben aber chancenlos. Doch jetzt, mit Ignazio Cassis, könnte es reichen für einen Tessiner Bundesrats-Sitz, sagt Politik-Experte Georg Lutz: «Die Stimmen, die einen Sitz für das Tessin gefordert haben, dieses mal von Anfang an sehr laut waren. Wenn man Zeitungen liest und Politikern zuhört, ist es eine weitverbreitete Meinung, der Anspruch sei berechtigt.»

Obwohl die Tessiner gerade einmal etwa vier Prozent der Schweizer Bevölkerung ausmachen, stösst die Forderung nach einem Bundesratssitz auf viel Verständnis. Gerade weil das Tessin eben nicht nur ein Kanton ist, sondern zusammen mit den Südbündner Tälern auch für die italienischsprachige Schweiz steht. Über die Nachfolge von Aussenminister Didier Burkhalter entscheidet die Vereinigte Bundesversammlung am 20. September.

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Charles Dupond (Egalite)
    Dass ein VD- "Experte" den Tessiner Anspruch relativiert erstaunt nicht (mehr). Wie sagte doch schon ein Exstaende- und aktueller Stromverwaltungsrat: "Das Ergebnis eines Gutachtens haengt von der Wahl des Gutachters ab!" Wer die Verfassung lesen kann, weiss, dass es nebst den Landesgegenden um die Sprachregionen geht, nicht aber um Geschlechter! Mit D4-F2-I(mit GR)1 als Ziel waere die Verfassung am besten eingehalten. D haette immer noch die absolute Mehrheit. Aber leider ist ein kranker Kass
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  • Kommentar von Andrea Esslinger (Andrea Esslinger)
    Ginge es um eine gerechte Vertretung der Bevölkerung, müsste eine Inner- oder Nordostschweizer Frau gewählt werden
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    1. Antwort von Daniel Ehrlich (DE)
      Es geht nicht um eine 'gerechtere' Vertretung der Bevölkerung sondern um eine angemessene Vertretung aller Sprachregionen. Damit spielt das Geschlecht keine Rolle. Ich warte nur darauf, dass eine dieser Linken mit Genderwahn vorschlägt es sei nun an der Zeit endlich eine Transfrau in den Bundesrat zu wählen. Diese seien nämlich in der Vergangenheit krass untervertreten. Kompetenz spielt heutzutage ohnehin keine Rolle mehr.
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    2. Antwort von Charles Dupond (Egalite)
      @Ehrlich - Lesen ist Glueckssache, sogar der Verfassung, und das nicht nur fuer einfache Stimmbuerger, sondern gar auch fuer Schwatzbuder. Die Nichtumsetzung der MEI laesst gruessen....
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  • Kommentar von René Balli (René Balli)
    Wenn es der FDP wirklich darum ginge, einen Tessiner in den Bundesrat zu bringen, würde diese zwei Kandidaten aus dem Tessin nominieren und nicht zwei weitere Romands, wenn die Romandie doch schon übervertreten ist! Es geht hier nur um Cassis, den Mann aus der Aerzte und Pharma Lobby, es ist ein wirtschaftlicher und nicht ein geopolitischer Schachzug. Ich weiss nicht warum die FDP denkt, dass wir alle so dumm sind und es nicht merken?
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    1. Antwort von Peter Zurbuchen (drpesche)
      Sie haben absolut Recht, Herr Balli! Ein Bundesrat ist nie nur Vertreter eines Kantons. Ich glaube auch nicht, dass jemand dem Tessin die Berechtigung absprechen will, im Bundesrat vertreten zu sein. Hier wird aber die Herkunft des Kandidaten zu sehr in den Vordergrund gerückt und damit die Tatsache, dass durch seine Wahl die Übervertretung der Pharma-Lobby im Bundeshaus noch zunehmen würde, kaschiert. Dabei gehören doch die steigenden Krankenkassen-Prämien zu den grössten Sorgen unseres Landes!
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    2. Antwort von Daniel Ehrlich (DE)
      Frau Moret ist bekannt als Lobbyistin für Spitäler. Auch nicht gerade eine Garantie für mehr Kostebewusstsein im Gesundheitswesen. Hier wirken die Krankenkassevertreter eher kostendämpfend als die Spitalvertreter.
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