Mitte Januar trat Lea Blattner als Co-Präsidentin der Jungen EVP Schweiz zurück. Sie hatte sich als lesbisch geoutet und erhielt darauf diverse Hassnachrichten – laut eigenen Angaben «von Personen aus Parteinähe». Nun will die EVP eine unabhängige Meldestelle für Mitglieder schaffen, die mit Hass, Anfeindungen oder Konflikten konfrontiert sind. Generalsekretär Alex Würzer erklärt, was damit erreicht werden soll.
SRF News: Wie haben Sie reagiert, als Sie von dem Vorfall erfahren haben?
Alex Würzer: Ich war erschüttert, als ich erfuhr, dass es offenbar Menschen gibt, die Lea Blattner aufgrund ihrer homosexuellen Orientierung in einer solchen Art anfeinden.
Wir stehen für die Würde jedes Menschen, unabhängig von sexueller Orientierung oder Identität.
Hat die EVP aus Ihrer Sicht ein Homophobieproblem?
Nein, nach unserem heutigen Kenntnisstand gibt es keine Hinweise auf ein strukturelles oder systematisches Problem innerhalb der EVP. Die Evangelische Volkspartei lehnt Homophobie, Hass und Diskriminierung in jeder Form klar und entschieden ab. Wir stehen für die Würde jedes Menschen, unabhängig von sexueller Orientierung oder Identität. Vorfälle wie diesen nehmen wir aber sehr ernst.
Warum rufen Sie nun eine Meldestelle ins Leben?
Wir wollen unsere Verantwortung ernst nehmen und die Anlaufstelle aufbauen, damit solche Vorfälle in Zukunft sicher nicht mehr vorkommen. Wir wollen Menschen, die sich mit solch unsäglichen Drohbriefen oder weiteren Anfeindungen konfrontiert sehen, optimal unterstützen können.
Wie sicher sind queere EVP-Mitglieder in der Partei, wenn sie sich outen?
Ich sage es noch mal klar: Hass, Anfeindungen und Drohungen haben in der EVP schlicht keinen Platz. Und wer Verantwortung übernimmt oder sich engagiert, soll dies in einem sicheren und respektvollen Umfeld tun können.
Eine anonyme Selbstbezeichnung der Parteizugehörigkeit, wie sie im Drohbrief formuliert wird, ist kein Beleg für die tatsächliche Urheberschaft.
In einer Medienmitteilung schreibt die EVP, es gebe keine Beweise, dass es Parteimitglieder waren, die die Drohung verfasst haben. Muss sich die Partei da ein bisschen rechtfertigten?
Es geht nicht darum, uns zu rechtfertigen. Wir können die bestehenden Hassnachrichten keinem Parteimitglied zuordnen. Das ist nach wie vor der aktuelle Stand. Eine anonyme Selbstbezeichnung der Parteizugehörigkeit, wie sie im Drohbrief formuliert wird, ist kein Beleg für die tatsächliche Urheberschaft.
Was unternehmen Sie, falls sich herausstellt, dass ein Parteimitglied diese Nachricht verfasst hat?
Bei solchen Hassnachrichten haben wir eine Nulltoleranz. Wir würden die zuständige Ortspartei bitten, diese Person aus der Partei auszuschliessen. Denn sie hat eine Straftat begangen.
Politische Positionen in Sachfragen dürfen nicht mit persönlicher Ablehnung oder Diskriminierung verwechselt werden.
Ihre Partei war bei der Abstimmung 2021 gegen die Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe. Ist es da nicht logisch, dass die Partei eher Menschen anzieht, die queeren Menschen gegenüber kritisch eingestellt sind?
Nein. Die EVP ist eine Partei, in der sehr unterschiedliche persönliche, politische und auch theologische Überzeugungen Platz haben. Diese Vielfalt gehört zu unserer Identität. Aber politische Positionen in Sachfragen dürfen nicht mit persönlicher Ablehnung oder Diskriminierung verwechselt werden. Entscheidend ist der respektvolle Umgang miteinander.
Das Gespräch führte Susanne Stöckl.