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Pink Cross startet Kampagne Homosexualität im Altersheim – bis heute ein Tabu

Lesben und Schwule im Altersheim sind heute noch ein Tabu. Die Gay-Community will den Heimen auf die Sprünge helfen.

Legende: Audio Pink Cross will Pflegende sensibilisieren abspielen. Laufzeit 02:26 Minuten.
02:26 min, aus HeuteMorgen vom 19.04.2017.

Das Wichtigste in Kürze

  • Pflegende in Altersheimen sind derzeit kaum mit homosexuellen Bewohnerinnen und Bewohnern konfrontiert, da die betroffene Generation ihr Anderssein versteckt.
  • Der Schwulendachverband Pink Cross fordert, dass die Pflegenden in der Ausbildung über die verschiedenen Lebensformen aufgeklärt werden.
  • Um dies zu erreichen, lanciert Pink Cross nächstes Jahr eine Sensibilisierungskampagne. Beim Dachverband der Heime kommt dies gut an.

Lesben und Schwule werden heute in der Schweiz besser akzeptiert als noch vor 20 Jahren. Nur: In den Altersheimen scheinen diese Errungenschaften noch nicht angekommen zu sein. Zum ersten Mal zeigt eine Studie auf, dass Homosexualität für das Pflegepersonal kein Thema ist. «Die meisten Institutionen haben Klienten und Klientinnen, die in ihrer Identität abweichen, nicht auf dem Schirm», sagt Soziologin Sabina Misoch, welche die Studie mitverfasst hat.

«Neues Thema»

Das Pflegepersonal sei bei diesem Thema verunsichert, da es bisher kaum mit Homosexuellen im Heim konfrontiert sei, erklärt Misoch. Das erstaunt Markus Leser nicht, Geschäftsleitungsmitglied von Curaviva, dem Dachverband der Pflegeinstitutionen. Man dürfe nicht vergessen, dass die Menschen in den Pflegeheimen 85 Jahre und älter seien. «Bei dieser Generation ist die Thematik noch relativ neu.»

Die meisten Institutionen haben Klienten und Klientinnen, die in ihrer Identität abweichen, nicht auf dem Schirm.
Autor: Sabina MisochStudienautorin

Die pflegebedürftige Generation selbst verstecke ihr Anderssein. Bei diesem Versteckspiel dürfe das Personal aber nicht mitmachen, fordert Max Krieg vom Schwulendachverband Pink Cross. Die Pflegenden müssten über die verschiedenen Lebensformen aufgeklärt werden – das gehöre in die Ausbildung.

Kampagne für mehr Sensibilisierung

Um dieses Ziel zu erreichen, will Pink Cross jetzt in die Offensive gehen. Krieg möchte mit einem Lernmodul in die Berufsschulen sowie in Heime und zur Spitex gehen: «So könnte man eine bessere Sensibilisierung erreichen.»

Beim Pflegeheimdachverband Curaviva stösst diese Initiative von Schwulen und Lesben auf offene Ohren. Pink Cross will mit der Sensibilisierungskampagne nächstes Jahr loslegen.

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19 Kommentare

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  • Kommentar von Lily Baumann (Medinilla)
    Ich verstehe das Anliegen von Pink Cross! Es geht grundsätzlich darum, dass in Zukunft homosexuelle Paare ohne Wenn und Aber im Alter in einem APH ein "Ehepaar-Zimmer" beziehen dürfen. Die Pflege bleibt sich ja gleich, egal ob Mann oder Frau! Übrigens, in Akutspitälern und Altersheimen sind oft die umgänglichsten und gefühlvollsten Pfleger homosexuell. Denen gehört hier einmal ein grosses Dankeschön!
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    1. Antwort von Udo Gerschler (UG)
      Nun verallgemeinern Sie bitte nicht das alles Personal homosexuell sind und alle heterosexuelle keine Gefühle haben.Gerade hier ist Hochachtung dem gesamten Personal auszusprechen.
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  • Kommentar von marlene Zelger (Marlene Zelger)
    Merkwürdig: Da wollen die Homosexuellen der übrigen Gesellschaft gleichgestellt werden. Anderseits verlangen sie eine Spezialbehandlung und die entsprechende Ausbildung des Pflegepersonals, was die Kosten erheblich ansteigen lässt. Und wer bezahlt dann die steigenden Kosten für Zimmer und Pflege in den Altersheimen? Die Homosexuellen sollen mit dem zufrieden sein, was die übrigen Bewohner bekommen und kein bisschen mehr. Laut der Verfassung sind alle Menschen gleich Punkt!
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  • Kommentar von Stefanie Becker (Stefanie Becker)
    Sexualität in der Pflege wird noch immer tabuisiert. Erst recht Homosexualität! Heute leben ca. 56K Menschen mit Demenz in der Pflege, darunter auch Homosexuelle. Ein Merkmal von Demenz ist es, dass Mechanismen angepassten Verhaltens nicht mehr aufrechterhalten werden können. Homosexuelle Demenzkranke leben dann ihre (bisher unterdrückten) Vorlieben mehr aus - das irritiert und trifft bis heute auf Scham und Unverständnis... und überfordert die Pflege. Daher: Ein Problem für die Pflege! JETZT!
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