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Schweiz «Ich werde täglich an die Entführung erinnert»

Daniela Widmer und ihr Freund wurden im Juli 2011 von Taliban in Pakistan verschleppt. Nach monatelanger Geiselhaft konnten sie sich befreien. Im Interview blickt die junge Frau zurück.

Daniela Widmer kurz nach ihrer Befreiung am 15. März 2012
Legende: Daniela Widmer kurz nach ihrer Befreiung am 15. März 2012. Die Polizistin war monatelang in der Gewalt von Taliban. Keystone

Eine Reise entlang der Seidenstrasse endete für Daniela Widmer und ihren Freund David im Juli 2011 in der Gewalt pakistanischer Taliban. Nach über acht Monaten Geiselhaft gelang ihnen die Flucht.

SRF: Daniela Widmer, wie war es für Sie, als sie von der Befreiung von Lorenzo V., der Geisel auf den Philippinen hörten?

Legende: Video Daniela Widmer im «Club» abspielen. Laufzeit 01:16 Minuten.
Aus Club vom 16.12.2014.

Daniela Widmer: Während den beinahe drei Jahren Gefangenschaft von Lorenzo haben David und ich sehr oft an ihn und seine Familie gedacht. Wir waren auch in Kontakt mit seiner Familie. Tröstlich war es jeweils, den Mond anzuschauen und sich vorzustellen, dass wir über diesen kommunizieren. Damals, während unserer Gefangenschaft, wusste ich: Meine Familie und Freunde konnten sich denselben Mond zur beinahe selben Zeit anschauen. Das mag vielleicht seltsam klingen, aber er war wie unser gemeinsames Dach, welches uns niemand nehmen konnte. Als wir von Lorenzos Flucht hörten, haben wir seine Familie angerufen und ich habe vor Erleichterung geweint. Es war eine sehr lange Zeit der Gefangenschaft gewesen.

Damals bei ihrer Rückkehr wurde viel spekuliert, das erlösende oder erklärende Gespräch mit den Medien fand aber nicht statt, weshalb?

Uns wurde von Seiten der Behörden kein solches Gespräch angeboten. Es wurde uns eher davon abgeraten. Wir haben diesem Rat Folge geleistet.

Die Medien waren damals teils unbarmherzig. Es hiess, wer in ein solches Gebiet reist, ist selber schuld und als Polizisten hätten sie es besser wissen müssen.

Wir hatten die Situation vor Ort nach bestem Wissen und Gewissen abgeklärt. Umso schwieriger war es, dass wir uns danach nicht erklären konnten. Die mediale Rolle ist deshalb nicht vergleichbar zwischen der von Lorenzo und uns. Ich bin froh, hatte er die Möglichkeit, sich umgehend zu äussern und gönne es Lorenzo sehr, dass er medial nicht angegriffen wird und nun beginnen kann, das Vorgefallene zu verarbeiten.

Bei Ihnen sind es nun bald drei Jahre, seit sie sich aus der Geiselhaft befreien konnten. Beschäftigt sie das Thema Geiselhaft noch?

Ich werde täglich durch Geräusche, Träume oder Gedanken an die Entführung erinnert. Es gibt nur wenige Stunden, in denen die Entführung nicht präsent ist. Sie ist immer da und ich kann sie nicht abstossen, ich kann sie nur annehmen und versuchen, sie zu akzeptieren.

Gibt es einen Weg zurück ins alte Leben?

Für mich gab es diesen Weg nicht. Ich habe aber ein neues, ein zweites Leben. Dieses Leben ist ein Geschenk und ich bin jeden Tag dankbar, dass ich überleben durfte. Freiheit, Selbstbestimmung und Frieden haben heute eine ganz andere Bedeutung für mich.

Das Interview führte Karin Frei

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17 Kommentare

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  • Kommentar von Charles Dupond, Vivis
    Zu den meisten Cloebs koennen leider keine - oft bitter noetigen - Kommentare gepostet werden, ausser es erscheint - ausnahmsweise - ein Artikel dazu. Die noch weit wichtigere Unstimmigkeit als das angebliche Loesegeld ist die waehrend der Entfuehrung behauptete Schwangerschaft der Entfiuehrten. Wenn von Taetern Kinder und Foeten involviert werden ist das Mediengeschrei zurecht gross. Wenn Opfer Schwangerschaften vorteuschen oder gar ein geborenes Kind im Stich lassen, ist das ebenfalls lueckenl
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  • Kommentar von Peter Meier, Zürich
    Wieso kriegt so eine unverantwortliche Person auch noch so eine grosse Plattform?
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    1. Antwort von M. Schenk, Aarau
      @ Peter Meier, der Stadtammann von Baden kriegt ja noch mehr :-) sind Sie doch nicht so aufgeregt....schauen Sie doch in welchem Medium Sie sich befinden :-) claro?
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    2. Antwort von Sascha Stalder, Oberdiessbach
      Weil es viele Leute interessiert was sie zu erzählen hat. Im übrigen ist es ganz schön dreist Sie als unverantwortlich hinzu stellen. Sie musste ihre Entscheidung selbst verantworten.
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    3. Antwort von peter plan, sevelen
      Herr Meier, sie nutzen dieses Medium ja auch, wozu? Kommentare aus Zürich zu schreiben, Medien zu konsumieren ist vielleicht ein Teil aber nicht die Wahrheit, bin selbst beruflich wie privat weltbereist. Das Paar hat sich exakt an die behördlichen vorgaben gehalten und die sind definitiv nicht grobfahrlässig.
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    4. Antwort von Kurt Vollmer, Zürich
      Ihr Post, Peter Meier zeigt, dass sie ein ausgesprochener «Sofakommentator» sind. In dieser Offensichtlichkeit wird klar, dass sich ihre Reiseerfahrung wohl auf den Besuch des Uetliberg's beschränken muss. Die Leute haben sich zwar in Gebieten aufgehalten, in welcher der «Normalotouri» sich nicht hin wagt, doch berechtigt sie dies nicht, in ihrer Unwissenheit solche Äusserungen zu tätigen. Schon gar nicht, weil sie die Umstände nicht kennen, wie so etwas anzugehen ist.
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  • Kommentar von Björn Christen, Bern
    Ich habe nach wie vor null Mitleid mit dieser Frau. Wer dermassen unverantwortlich in der Welt herumgondelt und in einem notorischen Terror- und Kriegsgebiet von irgendwelchem Riff Raff entführt wird, hat sich seine Situation selbst eingebrockt und sollte keine Hilfe erwarten.
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    1. Antwort von Peter Singer, St. Gallen
      Es reisen Jährlich tausende Menschen durch Pakistan. Dass Touristen entführt werden, ist äusserst selten und ist seit Jahren nicht mehr passiert. Es kann jedoch absolut überall passieren.
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    2. Antwort von Sascha Stalder, Oberdiessbach
      Sie haben auch keine Hilfe bekommen Herr Christen.
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    3. Antwort von Joe Weiss, Zürich
      Dass im Hintergrund Geld (viel Geld) geflossen ist, scheint mehr als wahrscheinlich. Dies bestätigen Recherchen in seriösen Medien und Stimmen von fundierten KennerInnen dieses «Business», welches Terror-Milizen à la Taliban, Boko Haram, al-Shabaab oder Abu Sayyaf (mit Erfolg) betreiben. Es gibt keinen anderen Grund, westliche Zivilisten zu kidnappen, ohne dass eine fette Lösegeldforderung in Richtung Herkunftsland gestellt wird. Wird nicht bezahlt, steht's allermeistens schlecht um die Geiseln.
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    4. Antwort von Sascha Stalder, Oberdiessbach
      Das es um Lösegeld ging streitet niemand ab Herr Weiss, aber warum schliessen Sie eine Flucht aus, hat doch jetzt bei Abu Sayyaf auf Jolo auch geklappt? Lesen Sie doch erst mal was die geschrieben haben die dabei waren, bevor sie "fundierten, seriösen" Quellen mehr glauben schenken.
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