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Gefälschte Mietverträge in Genf
Aus Schweiz aktuell vom 22.12.2020.
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Immobilien-Affäre Gefälschte Mietverträge und zu hohe Mieten in Genf

RTS-Recherchen zeigen: Zwei Genfer Immobilienbesitzer haben mutmasslich Verträge gefälscht und die Mieten in die Höhe getrieben.

Hört man sich bei Wohnungssuchenden in der Genfer Innenstadt um, wird jeweils schnell klar: Wenn es irgendwo noch schwieriger ist eine bezahlbare Mietwohnung zu finden als in Zürich, dann wohl in der Calvin-Stadt.

Ausgerechnet in Genf sollen nun zwei Immobilienbesitzer mit gefälschten Mietverträgen die angespannte Immobilien-Situation ausgenutzt und profitiert haben. Dem Westschweizer Fernsehen RTS liegen Mietabrechnungen vor, die entsprechende Betrügereien aufzeigen. Mehrere Beispiele machen deutlich, dass mit fiktiven Mieterinnen und Mietern überhöhte Mietzinse geltend gemacht wurden, um die Anfangsmieten jeweils in die Höhe zu treiben.

So taucht beispielsweise die Ex-Ehefrau eines beschuldigten Immobilienbesitzers gleich in 8 verschiedenen Wohnungen als Mieterin auf. Sie habe nichts davon gewusst, erklärt sie gegenüber dem Fernsehen RTS. «Ich wohne seit 20 Jahren an der gleichen Adresse».

Staatsanwaltschaft ermittelt

Bereits Anfang Jahr hat die Genfer Staatsanwaltschaft Ermittlungen aufgenommen. Das Verfahren betreffe dutzende Mietverträge, teilte die Ermittlungsbehörde schriftlich mit. Unklar ist derweil, ob und wie viel die entsprechenden Immobilienverwaltungen von den mutmasslichen Betrügereien gewusst haben. Laut den RTS-Recherchen sind gleich fünf Verwaltungen involviert. Sie alle hätten eine oder mehrere Wohnungen mit den fiktiven Mieterinnen verwaltet.

Mieterverband empört

«Ich bin nicht erstaunt, dass solche Methoden angewendet werden», so der Genfer SP-Nationalrat Christian Dandrès. Der Anwalt setzt sich beim Genfer Mieterverband seit Jahren für das Recht von Mieterinnen und Mietern ein. Dieses Vorgehen hebelt unser Gesetz aus. Mit den gefälschten Formularen werde das Recht des Mieters den Anfangsmietzins anzufechten hinfällig. «Der Mieter wird hier beschissen und verliert viel Geld». Die geprellten Mieterinnen und Mieter wollten vor der Kamera keine Stellung nehmen.

Der Mieter wird hier beschissen und verliert viel Geld.
Autor: Christian DandrèsNationalrat, SP

Auch mit den involvierten Verwaltungen geht Anwalt Dandrès hart ins Gericht: «In den meisten Fällen führen Immobilien-Firmen den Prozess von der Wohnungsbesichtigung bis zur Vertragsunterzeichnung durch. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass die Verwaltungen von all dem nichts gewusst haben.»

«Man darf die Augen nicht verschliessen»

Mit den RTS-Recherchen gerät die Genfer Immobilienszene in ein schiefes Licht. Ausserdem dürfte der Fall das Vertrauen von Mieterinnen und Mietern in ihre Verwaltungen im ohnehin schon umkämpften Genfer Immobilienmarkt schwächen. Philippe Angelozzi von der Schweizerischen Union der Immobilienfachleute findet klare Worte: «Man darf die Augen vor solchen Machenschaften nicht verschliessen».

Auch wenn es Druck vonseiten der Immobilienbesitzer gebe, müsse man das Gesetz anwenden. Für den Fachmann ist klar: «Wenn eine Verwaltung von solchen Machenschaft Kenntnis hat, muss sie das Mandat niederlegen.» Ob es am Ende gegen die Besitzer oder gar gegen die Immobilienverwaltungen zu einem Prozess kommt, ist offen.

Schweiz aktuell, 22.12.2020 19 Uhr

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Marcel Lehmann  (Mike123)
    Die einzige Möglichkeit Mieten hoch zu halten ist die Nachfrage durch massiven Zuzug neuer Mieter sicherzustellen. Bisher ist es gut gelungen, das Volk dafür zu begeistern.
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  • Kommentar von Adrian Roth  (A.Roth)
    Wo ist eigentlich der MV genau tätig? (Mieterverband)

    Eigenmietwert soll abgeschafft werden. Miete vom Hypothekarzins entkoppelt.

    Es muss ja einfach sein, ein Mieteranliegen durch das Parlament zu bekommen. Die Mieter stellen die Mehrheit. Aber nichts passiert.
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    1. Antwort von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
      «Es muss ja einfach sein, ein Mieteranliegen durch das Parlament zu bekommen.» Tut mir leid, aber da sind Sie auf dem Holzweg. Im Parlament haben die Bürgerlichen die Mehrheit und die sind vorwiegend HausbesitzerInnen. Alles was Mieter und Mieterinnen entlasten würde, wird dort bekämpft. Wahrscheinlich sind einige darunter, die VermieterInnen sind und somit von hohen Mieten selber profitieren. Der MV tut einiges, aber eben die Mehrheit im Parlament ist bürgerlich.
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  • Kommentar von Toni Koller  (Tonik)
    Sei's nun betrügerisch oder ganz legal: Die Schweizer Mieterschaft wird so oder so schamlos ausgenommen. Schweizweit gilt, was die Raiffeisenbank festgestellt hat: "Die Raiffeisenbank hat in ihrem neuesten Wohnimmobilienreport (2017) die Zahlen nachgerechnet : Die Mieten müssten um 40 Prozent tiefer sein, hätten sie sich gemäss den Regeln des Mietrechts entwickelt." Es lebe der sog. "freie" Wohnungsmarkt ... !
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