Interjurassische Versammlung Ein Gremium, das nicht mehr nötig ist - zum Glück

Ein wichtiges Kapitel im Jurakonflikt findet sein Ende: Die interjurassische Versammlung wird in Moutier offiziell aufgelöst.

Drei Männer in Anzug und mit Krawatte schütteln sich die Hände. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Historischer Handschlag Alt-Bundesrat Koller besiegelte 1994 den Hanschlag zwischen den Regierungen der Kantone Bern (links) und Jura (rechts). Keystone

Die interjurassische Versammlung existierte seit 1994. Das Gremium spielte bei der friedlichen Lösung des Jura-Konfliktes eine wichtige Rolle. Nach den Abstimmungen in Moutier, Belprahon und Sorvilier scheint die Jura-Frage auf institutioneller Ebene gelöst. Die Autonomisten haben jedoch bereits angekündigt, dass sie weiter für einen vereinten Jura kämpfen wollen.

In Anwesenheit von Bundesrätin Simonetta Sommaruga unterzeichnen heute Nachmittag in Moutier Vertreter der Kantone Bern und Jura das Abschlussdokument zur interjurassischen Versammlung.

Dieses Gremium wurde vor über 20 Jahren ins Leben gerufen, um den neu entflammten Jura-Konflikt zu entschärfen. Nach der Gründung des Kantons Jura im Jahre 1979 verschärfte sich der Konflikt zwischen dem probernischen Lager und den jurassischen Separatisten zu Beginn der 1990er-Jahre erneut.

Ein missglückter Anschlag

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«Schweiz aktuell»

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Im Januar 1993 explodierte in der Berner Innenstadt eine Autobombe. Ziel des Anschlags war offensichtlich die Berner Regierung. Wegen einer Fehlmanipulation an seiner Bombe kam der junge Separatist Christoph Bader ums Leben.

Um eine weitere Eskalation der Gewalt zu verhindern, schaltete sich der Bund ein. Bundesrat Arnold Koller brachte die zerstrittenen Parteien an einen gemeinsamen Tisch. «Es herrschte ein Klima des tiefen Misstrauens zwischen Jurassiern und Bernern, es war wie im kalten Krieg», erinnert sich Arnold Koller.

Die Idee zur Schaffung der interjurassischen Versammlung reifte in geheimen Gesprächen zwischen dem ehemaligen Berner Regierungsrat Mario Annoni und dessen jurassischem Amtskollegen Francois Lachat. «Es ging darum, eine Plattform zu kreieren, die einen regelmässigen Dialog zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen ermöglicht», sagt Mario Annoni zu «Schweiz aktuell».

Ein geordnetes Abstimmungsprozedere

Sowohl Belprahon als auch Sorvilier haben sich gegen einen Kantonswechsel entschieden. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Sowohl Belprahon als auch Sorvilier haben sich gegen einen Kantonswechsel entschieden. SRF

2011 einigten sich die beiden Kantone zusammen mit dem Bund auf ein Abstimmungsprozedere zur endgültigen Lösung des Jurakonfliktes. Der Berner Jura entschied sich im Laufe dieses Verfahrens für den Verbleib beim Kanton Bern. Anschliessend stimmten drei einzelne Gemeinden nochmals über diese Frage ab. Moutier entschied sich am 18.Juni 2017 knapp für einen Wechsel zum Kanton Jura. Die Gemeinden Belprahon und Sorvilier beschlossen drei Monate später, beim Kanton Bern zu bleiben.

Die friedliche Lösung des Konflikts zwischen den Kantonen Jura und Bern erfüllt Alt-Bundesrat Arnold Koller heute mit Stolz: «Es ist eine historische Leistung. Dass es in diesem langsamen Prozess über 20 Jahre gelungen ist, eine derart verhärtete Situation aufzubrechen. Diese Leistung zeigt sich aktuell bei einem Blick ins Ausland auf Katalonien.»

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