Am 1. Juli macht das Asteroiden-Frühwarnsystem Atlas das, wofür es gebaut wurde: Es registriert ein aussergewöhnliches Objekt in den Tiefen des Nachthimmels. Schnell wird klar, das Objekt stellt keine Gefahr dar für die Erde. Aber auch: Das Objekt stammt nicht aus unserem Sonnensystem, sondern von ausserhalb.
Damit ist der Besucher eine Rarität, denn er ist erst das dritte interstellare Objekt, das je entdeckt wurde. Das Objekt erhält den Namen 3I/Atlas. «3I» steht für «drittes interstellares Objekt», «Atlas» kommt vom Namen des Teleskops, welches das Objekt entdeckt hat.
Was bisher bekannt ist
Schon kurz nach der Entdeckung definierten Forschende 3I/Atlas als Kometen. Ein Himmelskörper also aus einem Gemisch von Eis und Gestein, der nahe der Sonne Gase und Staub freisetzt, wodurch eine Koma (Gas- und Staubwolke) und der typische Schweif entstehen.
Beeindruckend ist die Geschwindigkeit von 3I/Atlas. Er rast mit über 200'000 Kilometern pro Stunde Richtung inneres Sonnensystem. Ende Oktober wird er seinen sonnennächsten Punkt erreichen. Dieser ist fast so weit weg von der Sonne wie die Marsumlaufbahn. Der Kern des Kometen dürfte zwischen ein paar hundert Meter und ein paar Kilometer gross sein.
Weit weg von der Erde
Auf seiner Reise wird 3I/Atlas der Erde nie nahekommen. Das ist gut so, eine Kollision hätte verheerende Folgen für unseren Planeten. Der Nachteil ist, dass man den Kometen von der Erde aus nicht gut beobachten kann. Mit blossem Auge wird er nicht zu sehen sein.
Die Europäischen Weltraumagentur ESA will darum im Herbst eine hochauflösende Kamera, die sich in der Umlaufbahn des Mars befindet, auf den Kometen richten. Denn der Mars befindet sich in einer günstigen Beobachtungsposition.
Berner Kamera kommt 3I/Atlas am nächsten
Die Kamera namens Cassis wurde an der Uni Bern gebaut. Seit 2018 umrundet sie an Bord eines Satelliten den Mars und fotografiert dessen Oberfläche. Nun soll sie am 3. Oktober auf 3I/Atlas gerichtet werden und von ihm Fotos machen.
Für das Manöver werden dem Satelliten eine Reihe von Kommandos geschickt, wie Nicolas Thomas von der Universität Bern sagt. Unter seiner Leitung ist die Cassis-Kamera entstanden.
Laut Thomas wird die Kamera die Koma und den Schweif des Kometen abbilden können. Und vielleicht gelinge es, anhand von Farbbildern etwas über die Staubhülle des Kometen zu erfahren.
Forschende wollen interstellare Objekte erkunden
Einen künftigen interstellaren Besucher will die Wissenschaft mit einer Raumsonde erforschen können. Die ESA baut dafür den sogenannten Comet Interceptor. Der Plan der Mission: Die Sonde wird in den Weltraum geschossen und nimmt dort eine Warteposition ein. Sobald ein geeigneter Komet auftaucht, soll ihm der Interceptor einen Besuch abstatten. Los gehts in rund drei Jahren.
Die Uni Bern baut zwei zentrale Element für die Sonde: Eine hochauflösende Kamera, die Bilder vom Kern des Kometen liefern wird. Und ein Massenspektrometer, das die Gase und Staubpartikel in der Koma und im Schweif analysiert.
Doch was macht Kometen, ob von innerhalb oder ausserhalb unseres Sonnensystems, so interessant? Martin Rubin, an der Universität Bern verantwortlich für das Massenspektrometer, sagt, sie enthielten unverfälschtes Material aus der Zeit, als die Planeten entstanden. Das finde sich sonst nirgends. Kometen sind also Informationsspeicher, die Auskunft geben können über die Entstehung der Welt.