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Sebastian Kurz im «Interview zum Tag»
Aus Tagesschau am Vorabend vom 18.09.2020.
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Interview mit Sebastian Kurz Kurz: «Ein paar Flüchtlingskinder aufzunehmen, ist Symbolpolitik»

Im Fokus des offiziellen Besuchs von Bundeskanzler Sebastian Kurz bei Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga standen die Themen Klima- und Umweltfragen, der Alpenschutz und die Corona-Pandemie. Auch die aktuelle Flüchtlingskrise auf der griechischen Insel Lesbos wurde diskutiert. Dazu vertritt Sebastian Kurz im SRF-Interview eine dezidierte Meinung.

Sebastian Kurz

Sebastian Kurz

Bundeskanzler der Republik Österreich

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Der heute 35-jährige gebürtige Wiener stieg früh in die Politik ein. Mit 23 Jahren wurde er Vorsitzender der Jungen Volkspartei, der Jugendorganisation der konservativen Österreichischen Volkspartei (ÖVP).

Nach jeweils zwei Jahren im Wiener Landtag und als Staatssekretär für Integration wurde er 2013 mit 27 Jahren der jüngste Aussenminister der österreichischen Geschichte.

2017 errang er den Vorsitz der ÖVP, die er nach seinen Vorstellungen umbaute. Nach dem Wahlsieg im Oktober wurde er erstmals Bundeskanzler. Im Mai 2019 zerbrach seine Koalition mit der rechtspopulistischen Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ) im Zuge der Ibiza-Affäre. Kurz musste nach einem Misstrauensvotum abtreten.

Die vorgezogene Neuwahl im Oktober 2019 gewann Kurz erneut. Im Januar 2020 trat er seine zweite Amtszeit als Kanzler an.

SRF News: Herr Bundeskanzler, Sie sind aus Schweizer Sicht aus einem Risikogebiet gekommen, aus Wien. Wären Sie ein normaler Tourist, müssten Sie in Quarantäne.

Bundeskanzler Sebastian Kurz: Das stimmt. Aber Gott sei Dank gibt es eine Ausnahme für Geschäftsreisende. Wir haben uns verständigt, dass es zumindest in der Bodenseeregion keine Grenzschliessungen mehr geben wird.

Im letzten Frühling hat die Welt oder auch die Schweiz mit Bewunderung auf Österreich geschaut. Sie haben sehr schnell gehandelt. Jetzt sind die Zahlen gestiegen. Was ist falsch gelaufen?

Na ja, wir haben viele Reiserückkehrer gehabt im Sommer. Wir sind keine Insel. Der Tourismus in Österreich hat eigentlich sehr sicher funktioniert. Aber es sind viele Fälle aus dem Ausland eingeschleppt worden. Ich glaube, jetzt passiert das, was in allen Ländern passiert, wenn sich die Gespräche, die Kontakte wieder nach innen verlagern.

Viele Fälle sind aus dem Ausland eingeschleppt worden.
Autor: Sebastian KurzBundeskanzler

Mit dem Schulbeginn und mit der Rückkehr aus dem Homeoffice, da steigen auch die Infektionsraten wieder. Das ist in der Schweiz so. Das ist in Österreich so. Das ist in den meisten europäischen Ländern so.

Sie haben vor einem Monat gesagt, dass das ein harter Winter wird, aber dass im nächsten Sommer alles wieder normal sein sollte. Glauben Sie das immer noch?

Ja, natürlich. Für nächsten Sommer bin ich sehr optimistisch, weil es grosse Fortschritte bei der Erforschung eines Impfstoffes und bei der Erforschung von Medikamenten gibt. Insofern rechne ich damit, dass der nächste Sommer wieder ein normaler werden kann. Bis dahin wird uns die Pandemie noch einiges abverlangen.

Ein Thema, das jetzt auch wieder an Aktualität gewonnen hat, ist das Flüchtlingsthema. Sie haben gesagt, die Bilder auf Lesbos lassen Sie nicht kalt. Trotzdem wollen Sie keine Flüchtlinge aus Lesbos aufnehmen. Im Gegensatz zum Beispiel zu Deutschland und der Schweiz. Warum sind Sie da härter?

Na ja, wir haben in den letzten fünf Jahren sehr viele Menschen in Österreich aufgenommen. In den letzten fünf Jahren haben über 200'000 Menschen einen Asylantrag in Österreich gestellt. Wir sind das drittstärkste betroffene Land in ganz Europa. Daher glauben wir, dass wir zunächst einmal die Menschen integrieren sollten, die schon in Österreich sind.

Wir haben in den letzten fünf Jahren sehr viele Menschen in Österreich aufgenommen.
Autor: Sebastian KurzBundeskanzler

Jetzt gibt es einige Länder in Europa, die rühmen sich gerade dafür, dass sie zwei, vier, 16 oder 20 Kinder aufnehmen. Das ist für mich einfach Symbolpolitik, da möchte ich auch nicht mitmachen.

Das Gespräch führte Gion-Duri Vincenz.

Tagesschau, 18.09.2020, 18.00 Uhr;

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57 Kommentare

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  • Kommentar von Josephk Ernstk  (Joseph ernst)
    Sicher muss unbegleitenden Kindern geholfen werden. Nur wie kommen dieser Kinder von Aghanistan und anderen Ländern unbegleitet nach Lesbos oder übers Mittelmeer ? Es ist höchst unverantwortlich Jugendliche loszuschicken und zu glauben ein Nachzug könne erzwungen werden !
  • Kommentar von Ringo Noki  (Rinok)
    Hilfe vor Ort ist vielleicht zielführend für Erwachsene, aber Europa sollte erkennen, dass es gut daran täte und am Ende weniger Kosten würde, unbegleitete Kinder, die kaum eine Perspektive und nach dem Erlebten vermutlich kaum zu jemanden Vertrauen haben, aufzunehmen statt sie in den Brutstätten zu lassen von Übeln aller Art und womöglich von Phänomenen, für die wir noch nicht einmal einen Namen haben. Die Einsicht kommt bestimmt - wenn nicht jetzt, dann eine halbe Generation später.
  • Kommentar von Boris Weibel  (Boris Weibel)
    Hoffe, dass alle Angstmacher bei der Aussage zu den bilateralen Verträgen genau zugehört haben. Es wird auch bei einem ja zur Begrenzungsinitiative der SVP neue Verhandlungen geben. Lassen wir uns doch nicht von Deutschland, einem Land wo jedes fünfte Kind in Armut lebt, ein Diktat auferlegen.