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Ein Verein will die ökologische Jagd
Aus Echo der Zeit vom 18.06.2021.
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Jagen in der Schweiz Neuer Verein propagiert die «ökologische Jagd»

Nicht weniger jagen, aber Traditionen vermehrt hinterfragen: Der Verein stellt sich dabei auch klar vor Wolf und Luchs.

Der noch kleine Ökologische Jagdverein Schweiz habe auffallend viele junge Mitglieder, darunter überdurchschnittlich viele Frauen und Forstleute, sagt der 28-jährige Co-Präsident Gianluca Flepp: «Es sind Leute, die Wert auf eine ökologische Jagd legen, sich stark für die Natur und auch für nicht jagdbare Arten interessieren.»

Es sind Leute, die sich stark für die Natur und auch für nicht jagdbare Arten interessieren.
Autor: Gianluca FleppCo-Präsident, Ökologischer Jagdverein Schweiz

Es seien Jäger und Jägerinnen, die nicht den Hirsch mit dem grössten Geweih im Visier hätten. Ökologisch jagen bedeutet laut Flepp, das Tierwohl im Auge zu haben, Flora und Fauna zu fördern, gestützt auf die neusten wissenschaftlichen Erkenntnisse.

Problematische Vogeljagd

Traditionelle Jagdvereine hätten oft eine lange Geschichte, was auch sehr schön sein könne, so Flepp. Allerdings bestehe da natürlich die Gefahr, dass etablierte Jagdmethoden und Ansichten nicht angepasst oder hinterfragt würden.

Problematisch sei zum Beispiel der Brauch, die erlegte Beute stolz auf dem Dorfplatz an der Sonne zu präsentieren, statt das Fleisch aus Hygienegründen direkt zum Metzger zu fahren.

Es besteht die Gefahr, dass etablierte Jagdmethoden und Ansichten nicht angepasst oder hinterfragt werden.
Autor: Gianluca FleppCo-Präsident, Ökologischer Jagdverein Schweiz

Ein Problem sei auch die traditionelle Vogeljagd – etwa auf das seltene Schneehuhn oder den raren Birkhahn, so Flepp. Hier brauche es auf Bundesebene Massnahmen, um die Jagd auf gefährdete Arten schnell zu verbieten.

Jagd Schweiz: keine grossen Unterschiede

Der neue Jagdverein wurde im letzten November gegründet und zählt aktuell landesweit 50 Mitglieder. 30'000 Mitglieder hat der über 100-jährige Dachverband Jagd Schweiz.

Dessen 53-jähriger Geschäftsführer David Clavadetscher sieht keinen grossen Unterschied zwischen den beiden Organisationen: «Seit vielen Jahren wird in der Schweiz nachhaltig und ökologisch gejagt. Das ist im Bundesgesetz zur Jagd seit 1986 festgeschrieben.»

Seit vielen Jahren wird in der Schweiz nachhaltig und ökologisch gejagt.
Autor: David ClavadetscherDachverband JagdSchweiz

Bei der Umsetzung des eidgenössischen Jagdgesetzes hapere es jedoch, findet Flepp. Gewisse Kantone seien zwar schon ziemlich gut aufgestellt, bei anderen gebe es noch Handlungsbedarf.

Wie wichtig sind Wolf und Luchs?

Deutlich auseinander gehen die Meinungen bei Wolf und Luchs. Jagd Schweiz begrüsst die Grossraubtiere zwar, setzt sich aber auch dafür ein, dass sie geschossen werden können, wenn es für die Jägerschaft zu wenig Beute hat. Für den ökologischen Jagdverein hingegen sind Wolf und Luchs wichtig für ein funktionierendes Ökosystem.

Ein Problem sehen beide Vereine darin, dass die Wildtiere zu häufig gestört werden. Stellvertretend sagt dazu Clavadetscher von Jagd Schweiz: «Freizeitverhalten und 24-Stunden-Gesellschaft lassen Wildtieren keine Ruhe – weder im Winter noch im Sommer.» Die Lebensräume der Tiere müssten deshalb verbessert werden.

Tiefere Wildbestände wegen Schutzwald

Anders als man vielleicht meinen könnte, ist der ökologische Jagdverein nicht grundsätzlich dafür, möglichst wenig Tiere zu schiessen. Im Gegenteil. Die vielen Hirsche, Rehe und Gämsen seien mancherorts eine Gefahr für den Schutzwald.

«Natürlich ist es für den Jäger interessant, wenn es viel Wild im Wald hat und er es ansprechen und erlegen kann», so Flepp. Doch für den Schutzwald seien tiefere Wildbestände zentral. Denn die vielen Wildtiere fressen den künftigen Schutzwald weg.

Für die Schweiz ist ein ökologischer Jagdverein ein Novum. Vorbilder mit ähnlichen Namen gibt es in Deutschland. Ziel sei, dass es den Verein in 20 Jahren nicht mehr brauche, weil die Jagd in der Schweiz dann ökologisch sei, betont Flepp.

Echo der Zeit, 18.06.2021, 18:00 Uhr

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41 Kommentare

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  • Kommentar von Andreas Fellmann  (A. Fellmann)
    Ja, ich jage, meine "ökologisch". Sage auch die Jagd hat ein Problem,moralischer/ethischer Verfall, zerfressen von Neid.Die Jagd ist da um die Spitzen zu brechen, die der Wolf/ Luchs/Fuchs nicht schafft. Jetzt brauchen wir eine massive Verjüngerung der Wälder (Klimawandel). Forstwirtschaft hat den Klimawandel verpennt,das Wild büsst. Aber ohne Wald sieht es übel aus. Natürliches Gleichgewicht gibt es nicht, sind eher versetzte Kurven auch wen der Mensch nicht da wäre, was er nun mal ist.
  • Kommentar von Maria Müller  (Mmueller)
    @hermann und stäheli:
    Ach herrje, da sieht jemand den "inneren Widerspruch" der Thematik glaub wirklich nicht.

    Ich formuliere die Frage jetzt noch simpler:
    Wieso (und vor allem: mit welcher ethischen Begründung) ist das Leben eines Zuchtschweines weniger wert (oder weniger schützenswert) als das Leben eines Wildschweines?

    Und was Ihre (äusserst niveauvollen) "Nettigkeiten" angeht: die kommentiere ich jetzt nicht weiter. Die kommentieren sich nämlich selbst.
  • Kommentar von Christian Kunz  (CK124)
    Hunde jagen, Katzen jagen, Schimpansen jagen, Raubtiere jagen und der Mensch ebenfalls. Zum Nahrungserwerb und schon immer auch zum Vergnügen.
    Letzteres mag fragwürdig sein, gehört aber zum Verhaltensrepetoir des Menschen.
    Daneben sollen aber auch andere Jäger ihren natürlichen Platz haben, solange sie keine direkte Bedrohung menschlichen Lebens sind.
    1. Antwort von Beppie Hermann  (Eine rechte Grüne)
      Wenn sich Mensch daneben zumindest noch natürlich verhalten würde... aber nein, tut er nicht. Kein anderes Lebewesen übernutzt, zerstört, vergiftet, versiegelt, überbevölkert seine eigene Lebensgrundlage. Ist ja lächerlich, dem Menschen auch noch das Recht auf Jagd einzuräumen, wo er doch sonst schon mit seinem widernatürlichen Verhalten fast jedes seiner Mitgeschöpfe an den Rand der Ausrottung gebracht oder gar eliminiert hat!
    2. Antwort von Maria Müller  (Mmueller)
      @B. Herrmann:

      Eine ganz simple Frage:
      Ob der Mensch ein Wildschwein im Wald jagt oder ein Schwein im städtischen Schlachthof erlegt:

      Wo liegt da der massgebliche Unterschied?
    3. Antwort von Beppie Hermann  (Eine rechte Grüne)
      M.Müller, kennen Sie denn den Unterschied zwischen Wild- und Nutztieren nicht? Wildsäue zB leben nicht nur anders, sie haben im Wald wichtige Funktionen, sie durchlüften u.lockern den Waldboden, säubern ihn von Aas und fressen Schädlingslarven in Böden u.Altholz. Schiesst man die Bache, so zerstäubt sich die Jungmannschaft in alle Himmelsrichtungen, vermehrt sich viel zu früh und richtet Schäden an, was dann wieder zu Klagen Anlass gibt. Aber abgesehen davon, es geht ja nicht nur um Wildsäue!
    4. Antwort von Franziska Stäheli  (Franziska Stäheli)
      Für sie Frau Müller gibt es, bis wahrscheinlich auf die Qualität :-) wirklich keinen unterschied. Für das Tier hingegen schon. Ich gehe mal davon aus dass das Schwein gezüchtet, gemästet und nur zum sterben leben durfte und die Wildsau die Freiheit(auch die ist mittlerweile beschränkt) geniessen durfte. Aber ich befürchte fast das es Leute gibt denen das wirklich egal ist.