Wie aussergewöhnlich ist die bevorstehende Hitzewelle? «Sie ist extrem», sagt Roman Brogli von SRF Meteo. Vor allem, weil sie bereits im Juni kommt – und weil es schon im Mai eine längere Hitzeperiode gab. Ab Mittwoch dürfte es in der Schweiz vielerorts «Hitzetage» geben. Und das mindestens bis Anfang nächster Woche.
Wie heiss wird es wirklich? Am Sonntag und Montag könnten an mehreren Orten die Temperaturrekorde für den Juni geknackt werden. «Wir erwarten Temperaturen, die statistisch nur alle zwanzig bis hundert Jahre auftreten», sagt Brogli, «wobei solche Hitzetage durch den Klimawandel mittlerweile wahrscheinlicher geworden sind.» Sogar der Allzeit-Junirekord könnte fallen. Dieser wurde im Jahr 1947 in Basel gemessen. Damals lag die Temperatur bei 36.9 Grad.
Wann spricht man von einem «Hitzetag»? Hitzetage sind Tage, an denen es über 30 Grad warm wird. Und wenn es in der Nacht nicht unter 20 Grad abkühlt, nennt man das eine «Tropennacht». Es wird dabei jeder Ort individuell betrachtet. Im Oberengadin gibt es beispielsweise so gut wie nie Hitzetage.
Wie sind die vielen Hitzetage im ersten Halbjahr 2026 einzuordnen? «Das ist sehr ungewöhnlich», sagt Brogli. Es könne sein, dass im Flachland – wegen der Hitzewellen im Mai und Juni – das Jahressoll an Hitzetagen bereits Ende Monat erreicht wird.
Wie viele Hitzetage sind denn «normal»? Das hängt stark von der Region ab. In Bern beispielsweise zählt man im langjährigen Mittel rund neun Hitzetage pro Jahr. In Glarus sind es sechs, in Zermatt nur 0.1. In Basel, wo es häufig wärmer ist, sind es im Schnitt 14 Hitzetage – und diese könnten nun schon im Juni übertroffen werden.
Warum ist es in der Deutschschweiz in Basel oft am heissesten? Das hängt vor allen mit der Höhenlage zusammen. Je tiefer ein Gebiet liegt, desto wärmer ist es. Basel liegt 261 Meter über Meer, Zürich im Vergleich dazu auf über 400 Metern, Bern auf 542 Metern. Heiss ist es häufig im Süden, in Genf, im Tessin oder auch im Walliser Rhonetal. Dort spielt das kleinere Luftvolumen im Tal eine Rolle, das sich schneller erhitzen kann, sowie die Erwärmung der Berghänge, welche Wärme abgeben.
Was war das Hitze-Rekordjahr? Das war der «Jahrhundertsommer» 2003. «Damals zählten wir in Genf oder Sion 50 Hitzetage», sagt Brogli. Seither war man jedoch bereits recht nahe an dem Rekord dran. 2018 gab es in Sion 41 Hitzetage und 2022 in Genf ebenfalls 41 Hitzetage.
Ab wann gibt es Hitzewarnungen? Warnungen wegen hoher Temperaturen gibt das Bundesamt Meteo Schweiz aus. Ausschlaggebend ist die Tagesmitteltemperatur – also der Durchschnitt über 24 Stunden. Liegt die Durchschnittstemperatur über 25 Grad, wird gewarnt. Dies weil nicht nur hohe Tagestemperaturen, sondern auch hohe Nachttemperaturen für die Belastung des Körpers entscheidend sind.
Was sollte man bei grosser Hitze beachten? Viel trinken, leicht essen, leichte Kleidung tagen und körperliche Anstrengungen vermeiden. Das gilt insbesondere für ältere Menschen, aber auch für kleine Kinder.
Was unternehmen die Behörden gegen die Hitze? Viele Städte und Gemeinden haben in den letzten Jahren bereits zahlreiche Massnahmen eingeleitet. Wo immer möglich, versucht man grosse Teerflächen zu entsiegeln, Plätze zu begrünen und mit baulichen Massnahmen Schatten zu spenden. In manchen Städten kommen auch Sprühnebel-Duschen zum Einsatz, wo sich die Menschen abkühlen können.