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Journalisten im Streik Drohungen, Solidarität und ein runder Tisch

Die Tamedia-Angestellten in der Romandie protestieren weiter. Geplant ist ein Schlichtungsgespräch am Donnerstag.

Legende: Audio Redaktionen zeigen sich solidarisch - Tamedia droht mit Kündigung abspielen. Laufzeit 03:17 Minuten.
03:17 min, aus Echo der Zeit vom 04.07.2018.

Die Fronten sind verhärtet im Streit zwischen dem Zürcher Verlagshaus Tamedia und ihren Journalisten in der Westschweiz. Die Redaktionen der Zeitungen «24 Heures», «Tribune de Genève» und «Le Matin» befinden sich seit gestern Nachmittag im Streik. Sie protestieren gegen die Einstellung der Printausgabe von Le Matin.

Während sich Politiker und die Deutschschweizer Redaktionen von Tamedia solidarisch erklären mit den streikenden Journalisten, droht ihnen von Seiten der Tamedia Suisse Romandie die Kündigung. Auch dagegen gingen die Journalisten heute in Lausanne auf die Strasse.

Rund 200 Journalisten, Gewerkschafter und Politiker formierten sich am Mittag am Bahnhof Lausanne zum Demonstrationszug in Richtung Tamedia-Hochhaus. «Rettet die Presse!», riefen sie. Tamedia will in zwei Wochen die Printausgabe des «Le Matin» einstellen, weil sie seit Jahren Defizite in Millionenhöhe verursacht.

Frist verstrichen

Die Journalistinnen und Journalisten brauchten einigen Mut, um heute auf die Strasse zu gehen und nicht an den Arbeitsplatz. Die Westschweizer Tamedia drohte in einer Mail allen Journalisten, die bis am Mittwoch um 11 Uhr nicht zurück bei der Arbeit sind, mit der Kündigung.

Frau pfeift mit dem Mund, im Hintergrund Menschen mit Transparenten
Legende: Bis Mittwoch um Mitternacht soll der Streik der Tamedia-Angestellten in Lausanne andauern. Keystone

Die Empörung darüber ist nicht nur bei den Angestellten gross, sondern auch bei den Unterstützern, die sich formieren. Über 500 Personen unterzeichneten eine Petition, darunter zahlreiche National- und Ständeräte aus der Romandie.

Das Vorgehen ist inakzeptabel und zeugt von Geringschätzung
Autor: Rebecca RuizNationalrätin, SP

Mehrere Parteien aus den Kantonen Genf und Waadt sowie die Stadtregierung Genf haben einen Appell für die Rettung der Medienvielfalt in der Westschweiz unterzeichnet. «Das Recht auf Streik ist in der Bundesverfassung verankert», erinnert die Waadtländer SP-Nationalrätin Rebecca Ruiz. Das Vorgehen sei inakzeptabel und zeuge von Geringschätzung.

Unverständnis und Empörung

Auch die Deutschschweizer Tamedia-Redaktionen zeigen sich überrascht über die angedrohten Kündigungen. «Das geht nicht», sagt Markus Dütschler. Der Sprecher der Deutschschweizer Tamedia-Redaktionen findet: «Ein Streik ist zwar keine schöne Sache, aber vom Gesetz her zulässig. Wenn man die Leute dann so bedroht, finde ich das sehr schlecht».

Tamedia setzte die Drohung vorerst nicht in die Tat um, und auch die Angestellten zeigten sich unbeeindruckt. Sie führen den Streik bis Donnerstag weiter. Dann werden sich Tamedia und die Angestellten an einen Tisch setzen. Vermitteln soll die Schlichtstelle des Waadtländer Wirtschaftsdepartements.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Peter Imber (Wasserfall)
    Wie stellen sich das die Tamedia-Angestellten vor - weiterhin ein Produkt herstellen, das von immer weniger Kunden gekauft wird und darum nur noch Verluste produziert? Das wäre, wie ein Auto, Fernseher, Kühlschrank etc. weiter mit stetig steigendem Verlust zu produzieren bei stetig sinkender Nachfrage. Natürlich ist das Einstellen der Druckausgabe der Zeitung nicht gut für die Pressevielfalt, Aber die sinkende Anzahl von Abonennten und Käufern ist nun mal eine harte Realität.
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  • Kommentar von Jürg Häusermann (Ebenda)
    Die Streikenden denken wohl, es gäbe einen Rechtsanspruch auf einen Job. Woher die Einkommen kommen, ist denen egal. Ob die Druckausgabe sich noch genügend verkauft ist egal. Dauernd Verluste für den Arbeitgeber - egal. Soll der Arbeitgeber berappen, am besten wohl einfach der Staat.....
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    1. Antwort von Jürg Häusermann (Ebenda)
      ......sozusagen ein salaire à vie à la qualification.....
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  • Kommentar von Charles Dupond (Egalite)
    Die mit den EU-PFZ-Lohndempern und Streikbrechern verwoehnten Galeeristen werden immer dreister. Immerhin hat Tamedia unter dem Druck des dadurch verursachten Blaettersturms die Drohungen mit fristlosen Kuendigungen und Ausschluss vom Sozialplan fuer ihr verfassungsmaessiges Streikrecht Wahrnehmende zurueckgenommen....
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