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Jugendstraffall in Winterthur Syrien-Rückkehrer stehen vor Gericht

Ein Geschwisterpaar reiste 2014 nach Syrien, um sich dem IS anzuschliessen. Heute wird ihnen der Prozess gemacht.

Legende: Audio Aus dem Archiv:Syrien-Rückkehrer stehen in Winterthur vor Gericht abspielen. Laufzeit 01:38 Minuten.
01:38 min, aus HeuteMorgen vom 03.12.2018.

Der Fall hatte an Weihnachten 2014 schweizweit für Schlagzeilen gesorgt: Ein jugendliches Geschwisterpaar aus Winterthur reiste nach Syrien, um sich dort dem Terrornetzwerk IS anzuschliessen. Die Eltern suchten vergebens nach ihren Kindern – bis diese ein Jahr später in die Schweiz zurückkehrten – und verhaftet wurden. Heute wird den mittlerweile Volljährigen der Prozess gemacht.

Logo der mittlerweile geschlossenen An'Nur-Moschee in Winterthur.
Legende: Die beiden Jugendlichen hatten Kontakt zu Personen aus dem Umfeld der damaligen An'Nur-Moschee in Winterthur. Keystone/Archiv

Die Eltern hatten lange nicht bemerkt, dass sich ihre Kinder radikalisierten. Erst im Herbst 2014 meldete sich die Schule der Tochter, weil die 14-Jährige schwarz verschleiert im Unterricht erschienen und mit radikalen Ansichten aufgefallen war.

Kontakt zu Personen aus Umfeld der An'Nur-Moschee

Auch die Radikalisierung ihres 15-jährigen Bruders, der eine KV-Lehre absolvierte, war zu dem Zeitpunkt schon vollendet. Die beiden Jugendlichen – Kinder einer kosovarischen Familie in Winterthur – hatten Kontakt zu Personen aus dem Umfeld der damaligen An'Nur-Moschee in Winterthur. Zudem trainierte der Bruder in einer Thaibox-Schule, die damals als Islamisten-Treffpunkt galt.

Die Geschwister bestiegen schliesslich im Dezember 2014 ein Flugzeug nach Istanbul, um von dort weiter nach Syrien zu reisen. Unbestätigten Medienberichten zufolge besuchte der Junge in der syrischen IS-Hochburg Rakka eine Koranschule; seine Schwester sei verheiratet worden.

Wie radikal sind die beiden noch?

Weshalb sie im Dezember 2015 in die Schweiz zurückkehrten, ist bis jetzt unklar. Bei ihrer Landung in Zürich kurz vor Weihnachten wurden sie festgenommen. Seither wurde regelmässig überprüft, wie radikal die beiden noch sind.

Beim heutigen Prozess vor dem Jugendgericht in Winterthur dürfte diese Frage auch zentral sein. Weil es sich um einen Jugendstraffall handelt, erhalten die Medien keine Anklageschrift.

Die Jugendanwaltschaft bestätigt einzig: Die beiden sind wegen eines Verstosses gegen das gesetzliche Verbot von Gruppierungen wie dem IS und wegen Unterstützung einer kriminellen Organisation angeklagt, maximale Strafe: vier Jahre Gefängnis.

Dauer des Prozesses offen

Die Verhandlung ist auf mindestens einen, möglicherweise mehrere Tage angelegt – genauere Angaben macht das Gericht im Voraus nicht. Wann die Urteilseröffnung erfolgt, ist ebenfalls unbekannt.

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15 Kommentare

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  • Kommentar von Jürg Häusermann (Ebenda)
    @Mk: es ist richtig, dass diese beiden Jugendlichen nach Jugendstrafrecht Anrecht auf pädagogische Massnahmen. Ärgerlich für viele CHer ist, dass solche Fälle bei konsequenter Anwendung des Asylrechtes längst nicht mehr in der CH wären und wir dieses Problem gar nicht hätten. Solche Migranten brauchen wir schlicht nicht! (Sorry für das Ausrufzeichen)
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    1. Antwort von Michel Koller (Mica)
      Die ganze Familie hat das Schweizer Bürgerrecht schon seit mehr als 10 Jahren. Es ist unsinnig, hier wieder auf dem Asylsystem rumzuhacken. Nicolas Blancho ist ja auch kein Migrant.
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  • Kommentar von Denise Casagrande (begulide)
    "Jugendliche" waren fähig, nach Iran zu fliegen und dort zu leben.... Woher hatten denn seinerzeit die " 2 Jugendlichen" (aus der gleichen Familie ?) soviel Geld? Wie ist deren "Haltung" jetzt? Wer ist jetzt verantwortlich und zuständig für diese beiden Leute? Der Staat?? Wer bezahlt die Kosten für die Gerichtsverhandlung gegen diese beiden Leute? Therapien auf Kosten der Bevölkerung? Extremismus darf keinen Platz haben in der Bevölkerung der Schweiz!
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    1. Antwort von Michel Koller (Mica)
      Das Wort "Geschwister" im Artikel sollte zumindest eine Frage auflösen. Natürlich bezahlt der Staat erstmal für Verhandlung und mögliche Massnahmen, wie dies üblich ist. In dem angegebenen Alter gilt man als jugendlich, womit Anführungszeichen unnötig sind. In der Verhandlung werden nun weitere Fragen, hoffentlich, geklärt. Es scheint bei Ihnen ja vor allem eine Kostenfrage zu sein.
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  • Kommentar von markus kohler (nonickname)
    Es geht um Taten, die im Jugendalter im Jugendalter verübt wurden und da sieht das Gesetz vor allem pädagogische Massnahmen vor. In diesem Fall würde die gesamte Familie extrem profitieren. die beiden Adoleszenten würden Kost und Logis und dazu eine Berufsausbildung erhalten. Die junge Frau würde sicher in der Pflege unterkommen, der junge Mann erhielte dann eine Lehre wahrscheinlich in der Autobranche. Soll radikale Gesinnung wirklich noch belohnt werden?
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    1. Antwort von Thomas Steiner (Thomas Steiner)
      Wir profitieren alle davon, wenn diese Jugentlichen wieder Teil unserer Gesellschaft werden, und nicht radikalisiert bleiben.
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