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Fieberhafte Forschung an Covid-19-Impfstoff
Aus SRF 4 News aktuell vom 09.09.2020.
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Kampf gegen das Coronavirus Impfstoff-Entwicklung dauert normalerweise 6 bis 8 Jahre

Die Entwicklung eines Impfstoffes gegen das Coronavirus treibt Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu Höchstleistungen an. Das zeigt sich auch im Gespräch mit Lukas Jaggi vom Heilmittelinstitut Swissmedic. Er sagt, es bestehe Hoffnung, dass Mitte bis Ende nächsten Jahres ein Impfstoff zum Schutz vor Covid-19 verfügbar ist.

Lukas Jaggi

Lukas Jaggi

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Lukas Jaggi ist Mediensprecher des Schweizer Heilmittelinstituts Swissmedic.

SRF News: Wie lange dauert die Entwicklung eines Impfstoffes im Schnitt?

Lukas Jaggi: Normalerweise rechnen wir mit sechs bis acht Jahren – im besten Fall. Bei Corona sind schon fast 30 Impfstoff-Kandidaten in klinischen Versuchen, werden also am Menschen getestet. Das heisst, die Vorklinik, die normalerweise allein fünf Jahre dauert, hat man unter der Dringlichkeit in rund sechs Monaten geschafft. Die Entwicklungszeiten sind mit nichts von dem, was wir in der Vergangenheit erlebt haben, vergleichbar.

Was braucht es, bis ein Impfstoff überhaupt zugelassen werden kann?

Das läuft in international harmonisierten Phasen ab. Es beginnt mit der vorklinischen Phase. Im Labor und an Tierversuchen wird die Verträglichkeit des neuen Impfstoffes getestet. Dann gibt es drei sogenannte klinische Phasen. In Phase 1 wird der Impfstoff zuerst an einer kleinen Gruppe Freiwilliger getestet.

Auf der Liste der WHO gibt es inzwischen 165 registrierte Impfstoff-Kandidaten. Das ist eine unglaubliche Zahl.

In Phase 2 hat man bis zu ein paar hundert Probanden. Da geht es vor allem darum, die Immunreaktion und die Dosierung besser herauszufinden. Phase 3 ist die letzte Phase mit Tausenden von Probanden. In der Regel verabreicht man den einen Probanden den Impfstoff und der anderen Gruppe ein Placebo. Damit will man herausfinden, wie Wirksamkeit, Qualität und Sicherheit des Impfstoff-Kandidaten sind.

Diese Forscher-Teams sind am weitesten vorangeschritten

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Neun Forscher-Teams befinden sich bei der Testung ihrer Impfstoffe in Phase 3. Dazu gehören:

  • University of Oxford / AstraZeneca
  • CanSino Biologics Inc. / Beijing Institute of Biotechnology
  • BioNTech / Fosun Pharma / Pfizer
  • Wuhan Institute of Biological Products / Sinopharm
  • Moderna / NIAID
  • Sinovac
  • Gamaleya Research Institute
  • Bejing Institute of Biological Products / Sinopharm
  • University of Melbourne / Murdoch Children's Research Institute

Weltweit wartet man auf einen Impfstoff zum Schutz vor Covid-19. Besteht da nicht die Gefahr, dass man etwas übersieht – weil alles schnell gehen soll?

Denkbar ist, dass man einen Impfstoff nur mit bestimmter Indikation zulässt – dass man zum Beispiel nur bestimmte Alters- und Bevölkerungsgruppen prüft und sie nur für diese Gruppe freigibt; und dann unter Umständen weitere Bevölkerungsgruppen testet und die Indikation erweitert.

Gerade seltene Nebenwirkungen sieht man häufig erst später, wenn ein neuer Wirkstoff in einer grösseren Bevölkerungsgruppe angewandt wird.

Wichtig ist auch, dass man, wenn eine Zulassung erfolgt ist, die Nebenwirkungen aufmerksam und sehr eng verfolgt. Denn wir wissen alle, dass kein Medikament frei von Nebenwirkungen ist. Gerade seltene Nebenwirkungen sieht man häufig erst später, wenn ein neuer Wirkstoff in einer grösseren Bevölkerungsgruppe angewandt wird.

Wagen Sie eine Prognose, wann wir einen Impfstoff gegen das Coronavirus haben?

Das ist sehr schwierig zu sagen. Es hängt von den Resultaten der einzelnen klinischen Studien ab. Eine weitere Herausforderung ist die Impfstoffproduktion in genügender Menge und nicht zuletzt auch die Verteilung: Fast acht Milliarden Menschen sind potenzielle Empfänger eines solchen Impfstoffes. Wenn alles gut geht, können wir hoffen, dass wir Mitte bis Ende nächsten Jahres in einem bestimmten Land genügend Impfstoff in guter Qualität haben.

Das Gespräch führte Raphaël Günther.

SRF 4 News, 09.09.2020, 06:25 Uhr;

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43 Kommentare

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  • Kommentar von Michael Siegrist  (Siegi)
    Russland hat schon einen Impfstoff. Er nennt sich Sputnik V. Es wird sich bald weisen, ob er etwas taugt, angesichts der hohen Fallzahlen im Land.
  • Kommentar von Richard Limahcer  (Limi)
    Gibt es schon Erkenntnisse, weshalb die Verläufe derart unterschiedlich sind?
    1. Antwort von Ihr Kommentar (SRF)
      @Richard Limahcer Guten Tag Herr Limahcer. Vielen Dank für Ihre Frage. Könnten Sie bitte die Frage präzisieren? Auf welche Verläufe beziehen Sie sich?
    2. Antwort von Marc Schlatter  (Marc Rafael)
      Vermutungen zu den unterschiedlich schweren Krankheitsverläufen sind soviel ich weiss, es liege 1 daran, dass, entgegen der anfänglichen Befürchtung, bei vielen Menschen eine Hintergrundimmunität durch die Bekanntschaft mit anderen Coronaviren vorhanden ist, und 2 an der unterschiedlich grossen Virenlast, mit der jemand sich infiziert. Entscheidend sei zudem für die ganz schweren Verläufe weniger die Vorerkrankung, sondern wie schwer sie fortgeschritten ist bzw. der vorherige Gesundheitszustand.
  • Kommentar von Roland Raphael  (Roland Raphael)
    Die grösste Versuchung der Politik wird sein, das Impfobligatorium zwar nicht einzuführen, aber dennoch Firmen, Schulen, Fluggesellschaften ev.sogar ÖV mit Impfwzang zu belegen.
    1. Antwort von Mario Amacker  (AmMa)
      Worüber man früher oder später sicher diskutieren muss, wenn ein wirksamer Impfstoff zur Verfügung steht, ist die Kostenaufteilung: sollen gesunde Menschen (Menschen ohne Immunschwäche oder Unverständlichkeiten von Impfstoffen), die sich aus persönlichen Gründen nicht impfen lassen wollen, bei einer nachfolgenden gravierenden Erkrankung (z.B. Hospitalisierung) ein Teil der Kosten selber übernehmen?
      Oder verhalten wir uns finanziell solidarisch mit unsolidarischen Menschen...?
    2. Antwort von Astrid Meier  (Swissmiss)
      Wir diskutieren ja auch nicht, ob Risikosportler, Raucher, Alkohol- und andere Drogenkonsumenten, sich ungesund Ernährende und zu wenig Bewegende einen Teil ihrer Krankheitskosten selber tragen müssen.
    3. Antwort von Marc Schlatter  (Marc Rafael)
      @Amacker, der Solidaritätsbegriff lockt offensichtlich auf die schiefe Ebene - aber verhalten wir uns intensivmedizinisch unbarmherzig mit risikoliebenden Menschen?
    4. Antwort von Reto Camenisch  (Horatio)
      Swissmiss. Wene es um Ansteckung anderer geht, ist es was anderes.