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Was das Problem mit Autoposern ist und wie sie selbst dies sehen.
Aus Regionaljournal Bern Freiburg Wallis vom 15.04.2021.
abspielen. Laufzeit 12:27 Minuten.
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Kampf gegen laute Motoren Autoposer: «Man steigert sich immer, das ist wie eine Sucht»

Städte wie Thun und Biel führen gezielte Kontrollen gegen Autoposer durch. Das scheint zu nützen, die Szene reagiert.

Die Bahnhofrunde ist beliebt – sowohl in Thun als auch in Biel. Vor allem junge Männer fahren mit ihren aufgemotzten Autos durch die Bahnhofstrasse, lassen dabei möglichst laut den Auspuff knallen. «Es geht dir einfach gut nachher. Es macht einen riesen Lärm und jeder schaut nach», erzählt ein Autofahrer, der nicht mit seinem Namen genannt werden möchte.

Bahnhof
Legende: Die «Bahnhofrunde» ist in Biel eigentlich beliebt bei Autoposern. Keystone

Die Bahnhofstrasse steht derzeit aber im Fokus der Polizei, sie führt dort vermehrt Kontrollen durch. Die sogenannten Autoposer, oder Renommier-Fahrer, wie sie auch genannt werden, haben reagiert. Einige haben sich ein zweites, leiseres Auto gekauft: «Wenn du die Polizei am Bahnhof kontrollieren siehst, gehst du nach Hause und wechselst das Auto», erzählt der 21-Jährige. Da habe sich einiges verändert. Wie laut er früher durch die Stadt gefahren sei, sei krank gewesen. «Heute getraue ich mich kaum im ersten Gang an den Bahnhof zu fahren.»

Was ist legal und was illegal?

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Wer seinen Motor aufheulen oder den Auspuff knallen lässt, mehrmals um einen Block fährt, um Aufmerksamkeit zu erregen, wird häufig Autoposer genannt. Gewisse Polizeikorps sprechen von «Renommier-Fahrern».

Sich treffen und herumfahren ist grundsätzlich erlaubt. Unnötiges Erzeugen von Lärm oder Driften jedoch sind nicht erlaubt – und zwar egal, ob ihr Auto laut ist oder nicht. Es gibt Autos, die klingen ab Werk laut oder erhalten auf legalem Weg einen lauteren Motor oder Auspuff. Wird dies illegal verändert, droht eine Busse, Anzeige oder die Beschlagnahmung des Autos.

Mehr Lärmklagen aus der Bevölkerung

Mit den vermehrten Kontrollen konnte Biel das Lärmproblem eindämmen. Aber nur um den Bahnhof. «Das hat sich verschoben und ist nun in der ganzen Stadt wahrnehmbar. Die Jungen sind immer noch da», sagt der Bieler Sicherheitsdirektor Beat Feurer. Dass die sogenannten Autoposer in die Quartiere ausweichen, sei mit ein Grund, weshalb die Lärmklagen deutlich zugenommen haben.

Fahrer angezeigt, Fahrzeuge beschlagnahmt

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Acht Autos
Legende: Acht Autos im Aargau sichergestellt zvg/Kantonspolizei Aargau

Seit einigen Wochen melden die Kantonspolizeien wieder vermehrt Kontrollen gegen unerlaubten Lärm. Über das Osterwochenende gab es mehrere Kontrollen.

In Vaduz löste die Polizei ein Treffen mit rund 120 Autoposern, die vorwiegend aus der Schweiz kamen, auf. Die Luzerner Polizei führte Verkehrskontrollen durch und stellte acht unzulässig getunte Autos sicher. Die Zuger Polizei zeigte sechs Fahrzeuglenker an. Im Kanton Aargau wurden acht Fahrzeuge wegen illegalen Abänderungen vorerst sichergestellt (Bild).

In Biel weichen die jungen Leute auch in die Tiefgarage des Sportstadions aus – posieren, fahren Rennen, machen Videos für Tiktok. «Dort unten hallt es schön. Jeder will sein Auto zeigen, drückt den Sportmodus», erzählt einer von ihnen. Andere beschreiben es so: «Vollgas bis 120, dann um die Kurve und weiter, Flammen habe ich gesehen.»

Es bleibt ihnen fast nur diese Möglichkeit, um sich zu zeigen.
Autor: Beat FeurerSicherheitsdirektor Stadt Biel

In Biel nimmt man das ernst, diesen illegalen Aktivitäten müsse man nachgehen, sagt Sicherheitsdirektor Feurer. Die Polizei mache das auch. Trotzdem habe er ein gewisses Verständnis: «Junge Männer wollen sich messen. Vieles ist derzeit nicht möglich, es bleibt ihnen fast nur diese Möglichkeit, sich zu zeigen.»

Dass sich die jungen Leute treffen, sei nicht das Problem, heisst es bei der Kantonspolizei Bern, sondern der Lärm, den sie verursachen. «Wenn viermal dasselbe Auto um das Haus fährt und wir das sehen, kontrollieren wir das», sagt Sprecher Christoph Gnägi. Auf die «Renommier-Fahrer» selbst habe es die Polizei nicht abgesehen.

Wer sind diese Poser?

Viele aus der Szene fühlen sich jedoch schikaniert. «Anderswo werden Leute geschlagen oder ermordet, aber wir sollen wichtiger sein», heisst es.

Wenn sie dich nicht erwischen ist das besser, als im Lotto zu gewinnen.
Autor: Autoposer

Dass sie aber oft unerlaubt Lärm erzeugen und die Autos illegal verändert haben, ist ihnen bewusst. «Man steigert sich immer, das ist wie eine Sucht», so der junge Mann, der sicher erst vor einem Monat ein neues, noch stärkeres Auto gekauft hat.

Sie würden verstehen, dass der Lärm die Anwohnerinnen und Anwohner nerve. «Aber wir sind jung. Wir kennen es nicht anders.» Insbesondere, wenn es um illegale Abänderungen der Autos geht, ist es für einige auch ein Spiel mit der Polizei: «No risk, no fun», heisst es. Oder: «Jedes Mal, wenn sie mich kontrolliert und nichts gefunden haben, war es, als hätte ich Geburtstag. Das ist besser als im Lotto zu gewinnen.»

Trotzdem scheint es, als habe es zumindest bei einem Teil der Szene Bewegung gegeben. In einem Statement in den Sozialen Medien fordern sie sich selbst auf, vor allem innerorts anständig zu fahren, die Motoren nicht aufheulen zu lassen.

Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 14.04.2021, 17:30

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28 Kommentare

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  • Kommentar von Sascha Ehring  (MountainmanSG)
    Wir waren doch alle mal jung und haben es doch nicht anderst gemacht. Okay, mit weniger PS aber mehr Gestank. Ich fahre auch heute noch einen lauten, stinkenden Klassiker und ein lautes Töff, nur das man mittlerweile Städte und Ortschaften meidet und jetzt eher die Strassen geniesst, ist es doch gleich. Zieht die illegalen raus, und schert nicht alle über einen Kamm.
  • Kommentar von Tobias Vetter  (ToVe)
    "[...] lassen dabei möglichst laut den Auspuff knallen. «Es geht dir einfach gut nachher. Es macht einen riesen Lärm und jeder schaut nach»"

    Hihi. Erinnert mich ein bisschen an diesen "Artikel":
    https://www.der-postillon.com/2019/08/wrooom-wrooom.html
    :)
  • Kommentar von Mike Steiner  (M. Steiner)
    "Krass, Mann!", ist man geneigt, zur aufkommenden Einsicht der Poser zu sagen. Bei Motorradfahrern hat bereits vor 20 Jahren das Thema "Laut ist out" zu einem Umdenken geführt, mit Ausnahme von ein paar wenigen Ewiggestrigen. Das passt auch, denn eine "Schw***verlängerung" ist schliesslich etwas optisches, nicht etwas akustisches. Nicht wahr? ;-)