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Kampf um letzte Poststellen «Urner haben den Weg für andere Kantone geebnet»

Legende: Audio Poststellen: «Urner haben den Weg für andere Kantone geebnet» abspielen. Laufzeit 04:51 Minuten.
04:51 min, aus Espresso vom 14.09.2018.
  • Eine Interessengemeinschaft im Kanton Uri hat sich gegen die Post-Massnahmen gewehrt. Scheinbar mit Erfolg.
  • Denn Uri bekommt mehr Post, als das Unternehmen ursprünglich wollte.
  • Davon könnten auch andere Kantone profitieren.

Poststelle um Poststelle macht dicht. Bis Ende 2020 will die Post von den ursprünglich 3700 Poststellen noch deren 800 bis 900 betreiben – so hatte es das Unternehmen im Herbst 2016 angekündigt. Die Pläne hatten teils heftige Kritik ausgelöst. Insbesondere ländliche Gegenden fürchten einen massiven Verlust von Post-Angeboten.

Abbau gemildert

Nun haben sich Gemeinden im Kanton Uri erfolgreich gegen die Sparpläne der Post gewehrt. Ein Jahr lang haben sie mit der Post verhandelt mit dem Resultat, dass der Abbau weniger dramatisch ausfällt, als von der Post ursprünglich vorgesehen.

So bleibt etwa die Poststelle in der Gemeinde Wassen bestehen. Jene der Gemeinden Bürglen und Schattdorf werden zwar zur Filiale degradiert; gleichzeitig baut die Post in der Region aber den sogenannten Hausservice aus, mit welchem beispielsweise Einzahlungen zusammen mit dem Postmitarbeiter an der Haustür erledigt werden können. Damit rückt die Post ab von ihrem bisherigen harten Kurs, Poststellen nur mit einer Alternative zu ersetzen.

Einigung mit Signalwirkung

Vom Kompromiss, den die Urner Gemeinden zusammen mit der Post gefunden haben, könnten andere Regionen durchaus profitieren. So sagt etwa Edith Graf-Litscher, Präsidentin der nationalrätlichen Fernmeldekommission, gegenüber dem SRF-Konsumentenmagazin «Espresso»: «Für mich ist das gutes Beispiel, dass das gemeinsame Gespräch zielführend ist.» In der Vergangenheit sei die immer wieder mit dem Hammer Abbau betrieben worden. «Wir merken aber, dass sich die Post wieder bewusster ist, dass sie ein Service-Public-Unternehmen ist.»

Auch Werner Hösli, Glarner Ständerat und Mitglied der ständerätlichen Fernmeldekommission, ist überzeugt, dass die Einigung im Kanton Uri Signalwirkung hat. «Durch die Urner ist der Weg für andere Kantone ein Stück weit geebnet worden.» Die einzelnen Kantone unterschiedlich behandeln, «das kann sich die Post nicht leisten», sagt Hösli.

Post: «Wir suchen die beste Lösung»

Auch der Post ist bewusst, dass der Kompromiss in Uri Begehrlichkeiten in anderen Kantonen wecken könnte. Man bestehe nicht auf Lösungen, welche gemäss der eigenen Analysen die besten wären: «Wir diskutieren und suchen nach der besten Lösung für den Kanton und schliesslich auch für jede Gemeinde», sagt Post-Sprecher François Furer. Sanftere Töne als auch schon von der Post.

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9 Kommentare

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  • Kommentar von René Balli (René Balli)
    Wenn eine Poststelle schon fast als Errungenschaft gefeiert wird kann der Fortschritt nicht sehr weit sein! Das Gelaber über die Digitalisierung und wie alles besser sein soll ist total lächerlich und schon fast debil. In der digitalen Welt wird der Mensch immer mehr zum Problem und unerwünschten Kostenfaktor, im Gegenzug werden jeden Monat(!( Tausende von Arbeitslosen ausgesteuert. Was streben wir als Gesellschaft überhaupt an, eine digitale Welt ohne Menschen?
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    1. Antwort von Albert Planta (Plal)
      Der Mensch wird nicht zum Problem, muss aber immer mehr selber machen. Schon jetzt gibt es Firmen, die Gebühren erheben wenn man am Postschalter anstatt im Internet einzahlt. Das tägliche Leben wird anspruchsvoller. Da kommen nicht mehr alle mit.
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  • Kommentar von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
    Also ich wohne in einer Gemeinde ohne Poststelle / Postfiliale und finde es massiv praktischer als vorher: Man kann die Briefe in den eigenen Briefkasten tun, funktioniert bei Einzahlungen, Päckli, Einschreiben oder wenn keine Briefmarke zur Hand; einfach das Geld in den Briefkasten legen, am andern Tag sind Retourgeld plus Quittung da. Bei den Postfilialen in Volg etc. kritisiere ich das Fehlen der Diskretion; jeder weiss, was für ein Einschreiben der Nachbar entgegen nimmt.
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  • Kommentar von Roland Gadient (Roland Gadient)
    Auch die Post ist lernfähig, aber ob das die Lösung ist, lassen wir uns überraschen. In Graubünden hat man bei eine andere Lösung angewendet, nämlich die Post mit einem Laden zusammen geführt (da haben VOLG & LANDI Hand geboten) dies hat bewirkt, daas wir auch noche den Laden manchmal retten konnten, der auch auf der Kippe stand. Heute haben wir eine Lösung die sich bewährt, bessere Öffnungszeiten (6 Tage) für postslische Dienste und einen Laden der das Angebot erweitete, 20-30 % mehr Umsatz.
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    1. Antwort von Albert Planta (Plal)
      Das Dienstleistungsangebot in den Agenturen ist reduziert: sie können z. B. kein Geld abheben, sie können nicht mit Bargeld einzahlen, sie können keine kostenpflichtige Sendungen und Betreibungen abholen.
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    2. Antwort von Patrik Schaub (Kripta)
      Herr Planta, dies ist so nicht ganz richtig: bei uns im Volg kann man (mit Postcard) bis zu 500.- beziehen. Auch Nachnahmen abholen funktioniert, es werden bei höheren Beträgen allerdings keine Tausendernoten akzeptiert. Ein anderes Kaliber sind Betreibungen. Die muss man bei der nächsten Poststelle abholen - was auch Sinn macht, vorallem dann, wenn noch zufällig die Dorfzeitung neben einem an der Kasse steht ;-)
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    3. Antwort von Albert Planta (Plal)
      Ich möchte mal sehen, was ihr Volg macht, wenn einige Personen 500 CHF beziehen. Der Laden kann nicht mehr Geld geben als er eingenommen hat. Höhere Geldbeträge können aus Sicherheitsgründen nicht im Laden aufbewahrt werden.
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    4. Antwort von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
      @Planta: Naja, es gibt mittlerweile bargeldlose Banken (Raiffeisen) und mit Verlaub: Wenn nicht gleich ein ganzes Dorf ins Puff geht, dann werden kaum mehr wie 2-3 Leute pro Tag 500 CHF im Volg in bar abheben wollen.
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    5. Antwort von Albert Planta (Plal)
      Ducrey: Für Avers Cresta mögen sie recht haben, aber es gibt bekanntlich noch grössere Dörfer mit Postagenturen. Konsultieren sie hierfür die Liste der Postagenturen.
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