Die Bilder und Videos der brennenden Bar «Le Constellation» in Crans-Montana sind für viele nur schwer zu ertragen. Über die Social Media haben sie sich schnell verbreitet und gelangen so auch teils ungefiltert in die Feeds von jungen Menschen.
An vielen von ihnen geht das nicht spurlos vorbei, wie eine Umfrage in Lausanne zeigt. «Wir hätten auch auf dieser Party sein können», sagt etwa die 16-jährige Sofia. «Viele sagen jetzt: Warum sind sie nicht sofort raus? Warum haben sie nicht schneller auf das Feuer reagiert? Aber in dem Moment merkt man nicht, was passiert.»
Man denkt in dem Alter nicht ans Sterben. Und dann merkt man, dass es doch möglich ist.
Was in der Silvesternacht geschah, beschäftigt auch die 17-jährige Kelïa: «Am schlimmsten war, dass es Leute in meinem Alter sind oder noch jünger. Man denkt in dem Alter nicht ans Sterben. Und dann merkt man, dass es doch möglich ist. Das tut richtig weh.»
Mehr Hilfesuchende bei Pro Juventute
Bei der Notrufnummer 147 von Pro Juventute merkt man das Bedürfnis vieler Jugendlicher nach Hilfe. Aktuell würden deutlich mehr Anrufe als sonst eingehen, erklärt Nicole Platel, Direktorin Pro Juventute. Besonders in der Romandie stelle man diese Zunahme fest. «Das ist vielleicht wegen der Nähe. Die Leute kennen jemanden von den Opfern oder sie kennen den Ort», so Platel.
In sozialen Netzwerken werden Jugendlichen Aufnahmen angezeigt, die oft noch viel brutaler und schockierender sind als in herkömmlichen Medien. «Es war ziemlich schwierig, das alles zu sehen», sagt die 15-jährige Celia. «Mental hat mich das schon sehr mitgenommen.»
Man sieht Dinge, die man gar nicht sehen will wie verbrannte Körper. Ob man will oder nicht, man ist dieser Gewalt ausgesetzt.
Auf Social Media seien die Bilder kaum gefiltert, sagt auch Sofia: «Man sieht Dinge, die man gar nicht sehen will, wie verbrannte Körper. Ob man will oder nicht, man ist dieser Gewalt ausgesetzt – und auf einmal hat man einfach Tränen in den Augen.»
Nicht alle Jugendlichen reagieren gleich stark auf solche Bilder, sagt Kinder- und Jugendpsychologe Matthias Obrist. Viele seien sich auch einiges gewohnt durch den Konsum von Social Media. «Je näher man sich betroffen fühlt bei einem solchen Ereignis, desto eher fragt man sich, hätte es auch mich treffen können? Es geht einem nah, es beschäftigt einen.»
Wichtig sei, sich über Gefühle auszutauschen
Sowohl Obrist wie auch Platel von Pro Juventute sind sich einig, dass Jugendliche mit ihren Gefühlen nicht allein gelassen werden sollen. Dabei könnten sowohl Gleichaltrige als auch Erwachsene unterstützend sein. «Es ist wichtig, ihnen zu sagen, dass die Gefühle richtig und normal sind», sagt Platel. Weiter sei es wichtig, dass man den Raum schaffe, um über die Gefühle zu sprechen, und beim Konsum von verstörenden Bildern auch Pausen einlege.
«Social Media ist eine Realität für die Jugendlichen», sagt Obrist. «Die Jugendliche lernen auch, damit umzugehen.» Auf den Social Media würden aber nicht nur verstörende Aufnahmen geteilt, sondern es würde auch sehr viel Gutes passieren: «Die Jugendlichen haben Kontakt miteinander, sie können ihre Reaktionen austauschen, sie können sich in der Unterstützung bestärken.»