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Kampfjetkauf: Protzen und bluffen auf allen Seiten
Aus Rendez-vous vom 16.07.2021. Bild: Keystone
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Kauf neuer Kampfjets Schweizer Kampfjetkauf sorgt international für Gesprächsstoff

Ausländische Medien und Sicherheitsexperten verfolgen mit grossem Interesse, wie die Schweiz ihr Kampfjet-Dilemma löst.

Wer über das internationale Waffengeschäft informiert sein will, liest «Janes Defence Weekly». Das britische Rüstungsfachmagazin berichtet über alles, was schiesst, fliegt, schwimmt, rollt und explodiert. Georg Mader aus Wien schreibt für «Janes». Er ist für die Schweiz zuständig und beobachtet sie.

Beobachtet hat er – mit den Fingern auf den Tasten – am 30. Juni Bundesrätin Viola Amherd, wie sie vor den Medien die Wahl des amerikanischen F-35-Kampfjets begründete. «Ein total zweischneidiges Schwert. Einerseits: Was machen die Schweizer mit einem Stealth-Angriffsflugzeug, das für den ersten Kriegstag gebaut wurde?», fragt Mader. 

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Aus dem Archiv: «Bundesrat hat sich für Typ F-35 entschieden»
Aus News-Clip vom 30.06.2021.
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Auf alle Fälle sorgte der Schweizer Entscheid für viel Aufmerksamkeit. Auch andere Länder planen, einen neuen Kampfjet zu kaufen. Und da helfe der Schweizer Entscheid dem F-35, sagt «Janes»-Journalist Mader.

«Die Schweizer Entscheidung ist ein Gütesiegel. Denn wenn die Schweizer den Jet akzeptieren, dann ist der veredelt.» Die nächste grosse Beschaffung kommt in Finnland. «In Finnland hat der F-35 durch die Schweizer Entscheidung quasi eine dicke Scheibe Butter aufs Brot zugelegt.» 

Die Schweizer Entscheidung ist ein Gütesiegel.
Autor: Georg Mader Journalist, «Janes Defence Weekly»

Auch die Schweizer Aussage zu den langfristigen Kosten sorgt für Diskussionen. Die Beschaffungsbehörde Armasuisse kam nämlich zum Schluss, der F-35 sei nicht nur technisch der fähigste Jet, sondern auch der günstigste.

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Aus dem Archiv: Was taugt der neue F-35-Kampfjet?
aus Rendez-vous vom 01.07.2021. Bild: Keystone
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Der Experte für militärische Luftfahrt beim Strategieinstitut IISS in London, Douglas Berry, sagt: «Vielleicht gibt es eine Art Überoptimismus, eine Realitätsverdrängung, wie sich die Betriebskosten dieses Flugzeugs entwickeln werden – einfach deshalb, weil es noch ein junges Flugzeug ist», sagt der Experte für die Luftwaffen der Nato, Russlands und Chinas. 

Vielleicht gibt es eine Art Überoptimismus, eine Realitätsverdrängung, wie sich die Betriebskosten dieses Flugzeugs entwickeln werden.
Autor: Douglas Berry Experte für militärische Luftfahrt, Strategieinstitut IISS London

Für Berry wäre es keine Überraschung gewesen, hätte die Schweizer Evaluation gezeigt, der F-35 sei zwar technisch das fähigste Kampfflugzeug, aber auch das teuerste.

Dann hätte es in der Schweiz wohl eine Diskussion darüber gegeben, wieso die neutrale Schweiz einen Hightech-Bomber kaufe, der ursprünglich eher für Erdkampfangriffe ausgelegt wurde und eigentlich gar nicht für den Eins-zu-eins-Luftkampf, glaubt Berry. Aber in der jetzigen Kombination könne diese Debatte fast nicht mehr geführt werden.

Zukunftsorientierter Entscheid

Wenn man nüchtern in die Zukunft blicke, welcher Jet in den 2060er- und 2070er-Jahren noch fliegen werde, dann ergebe der Entscheid Sinn, so der Experte vom IISS. Der F-35 werde dann sicherlich noch da sein. Die USA würden ihn weiterentwickeln.

Ob aber die älteren europäischen Jets wie der Eurofighter oder Rafale noch so lange weiterentwickelt würden, sei nicht sicher, so Berry.

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Aus dem Archiv: «Der F-35 ist sehr unterhaltsintensiv»
Aus News-Clip vom 02.07.2021.
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Auch der beste Jet wird gekauft, damit man ihn hoffentlich nicht ernsthaft einsetzen muss. Abschreckend wirken soll der F-35 auf den potenziellen Feind aus dem Osten. Tut er das? Der «Janes»- Journalist Mader weiss es aus erster Hand:

«Ich flog mit Pavel Vlasov, dem russischen Held im MiG-29M2. Am Abend danach haben wir diskutiert. Und ich habe den F-35 aufs Tapet gebracht.» Die Reaktion Vlaslovs? Der F-35 führe weniger Waffen mit in seinen Täschchen und sei darum den russischen Jets heillos unterlegen. So werde in Russland geprotzt.

Ist der F-35 der richtige Flieger für die Schweiz? Und wieso soll er so kostengünstig zu betreiben sein? Nicht nur in der Schweiz wird darüber gestritten, auch internationale Fachexpertinnen und -experten stellen sich diese Fragen.

Rendez-vous, 16.07.2021, 12:30 Uhr

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108 Kommentare

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  • Kommentar von Dennis Hersche  (Dennis Hersche)
    Warum soll die F-35 nicht für den Luftpolizeidienst taugen? Deren Leistungen sind immer noch massiv höher als die von den Gegnern vor der September-Abstimmung vorgeschlagenen „Leichten Jets“ wie die M-346. Laut Gegnern würden solche Jets reichen und jetzt soll die F-35 wegen ihrer Leistung nicht reichen? Ausserdem ist die F-35 kein reiner „Angriffsjet“. Was auch immer dies sein soll. Sondern ein Jet der 5. Generation. Unterschied 4. zu 5. Gen: 5. Gen besitzt zusätzlich Tarnkappeneigenschaften.
    1. Antwort von Paul Graber  (PG)
      @Dennis Hersche - jeder der etwas von Abfangjagt und Luftpolizei versteht, weiss, dass die leichten Jets wie M-346 oder gar Turboprops wie PC-21 - in keinem Fall tauglich ist. Nicht mal gegen Linienflugzeuge und Privatjets. Das da die F-35 besser ist, ist klar. Aber im Vergleich zu einer Rafale oder Gripen E sieht es eben ganz anders aus. In den Bereichen Verfügbarkeit, Reaktionszeit, Steigrate, Geschwindigkeit und Wendigkeit ist die F-35 deutlich unterlegen.
    2. Antwort von Dennis Hersche  (Dennis Hersche)
      Sehr geehrter Herr Graber.
      Vielen Dank für Ihre Antwort. Dies ist mir bewusst. Doch die Luftwaffe hat nicht nur den Luftpolizeidienst als Aufgabe und deshalb muss auch das Gesamtpaket stimmen. Dass die F-35 nach wie vor Kinderkrankheiten hat ist korrekt. Diese dürften aber sicher behoben werden. Ausserdem traue ich der Armasuisse ein fachliche Entscheidung zu, denn die haben sämtliche Typen nun über mehrere Jahre bewertet und auch andere Länder setzen auf die F-35 beim Luftpolizeidienst.
  • Kommentar von Leo Auf der Maur  (leoauf)
    @Paul Graber..ihr Vergleich hinkt massiv, Kampfjettriebwerke sind alle "Ferrarimotoren" ihr Vergleich würde stimmen, wenn man z.B.ein Pilatus PC 21 Triebwerk mit dem F35 Triebwerk vergleichen würde.
    1. Antwort von Paul Graber  (PG)
      @leoauf - das ist zwar richtig, aber das F135 Triebwerk ist da nochmals eine ganz andere Nummer. Da sind die Triebwerke einer Rafale, Gripen E usw. schon beinahe einfache und wartungsfreundliche Triebwerke. Was die Langlebigkeit betrifft haben die USA jetzt schon üble Erfahrungen gemacht. Das Triebwerk muss vorzeitig überholt werden, was schon zu einer massiven Reduktion der Einsatzbereitschaft bei der USAF führt. Und damit auch Mehrkosten verursacht.
  • Kommentar von Sancho Brochella  (warum?)
    Ich vertrete die Idee, dass man in erster Linie in die Friedensförderung Milliarden investieren sollte. Dazu gehört u.a. fairer Handel u. ökologische Produktion (gegen Wirtschaftsflüchtlinge), Umweltschutz (gegen Katastrophen u. Klimaflüchtlinge) und Armutsbekämpfung (gegen Armutsflüchtlinge u. Terrorismus). Lokaler betrachtet: dem Arm-Reichgefälle entgegenwirken (gegen Bürger- und Nachbarschaftskriege). Zudem soll in Katastrophenvorsorge investiert werden, die einzige 100% vorhandene Bedrohung.