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 «Es sieht ganz anders aus als bei der jährlichen Grippe»
Aus SRF 4 News aktuell vom 13.03.2020.
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Kaum Symptome bei Kindern  «Möglich, dass Kinder für das Virus keine guten Empfänger sind»

Es ist eine der wenigen guten Nachrichten rund um das Thema Corona: Das Virus lässt Kinder kaum erkranken. Warum das so ist, ist noch nicht restlos geklärt. Christoph Berger leitet die Abteilung für Infektionskrankheiten am Kinderspital Zürich. Er ist gegen die Schliessung von Schulen und Kitas.

Christoph Berger

Christoph Berger

Kinderarzt und Infektiologe

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Prof. Christoph Berger ist Kinderarzt und Infektiologe am Universitätsspital Zürich. Er ist zudem Präsident der Eidg. Impfkommission.

SRF News: Wie reagieren Sie auf die steigende Anzahl an Coronafällen?

Christoph Berger: Wir sind im Kinderspital Zürich in einer günstigen Situation, weil wir davon ausgehen, dass bis jetzt Kinder weniger betroffen sind als ältere Personen und ältere Personen mit chronischen Krankheiten.

Kinder scheinen nicht so anfällig auf dieses Virus. Es gibt eine Studie aus China, die das untersucht hat. Können Sie uns erklären, was diese zeigt?

Diese chinesische Studie hat untersucht, wie das Coronavirus übertragen wird. Was die Situation der Kinder angeht, so sieht man, dass Kinder dort auch mit dem Virus angesteckt werden können, aber sie erkranken weniger schwer als ältere Erwachsene oder ältere Erwachsene mit Vorerkrankungen.

Erstaunt Sie das?

Ja, dieses Resultat hat mich erstaunt, und das ist wichtig, wenn wir davon ausgehen, dass die Studie wiederholt werden und wieder so herauskommen könnte. Es sieht ganz anders aus als zum Beispiel bei der jährlichen Grippe, die wir hier haben, denn dabei werden die Kinder krank.

Beim neuen Coronavirus haben wir die Übertragung, aber nicht die schwere Erkrankung.

Viele werden auch hospitalisiert und verbreiten das Virus weiter. Beim neuen Coronavirus haben wir die Übertragung, aber nicht die schwere Erkrankung. Aber wir sind auch bei der Übertragung noch gar nicht sicher, wie diese überhaupt stattfindet, weil wir bis jetzt nur kranke Personen untersucht haben.

Die Kinder stecken sich zwar an, aber sie werden nicht krank, sie zeigen kaum Symptome. Haben Sie eine Erklärung, warum das so sein könnte?

Ich kann mir zwei Möglichkeiten vorstellen. Die eine ist, dass wenn das Virus auf das Kind trifft, dieses für das Virus im Vergleich zum Erwachsenen kein guter Empfänger ist, dass irgendein Rezeptor fehlt. Dann kommt das Virus zwar in den Körper des Kindes, aber es bleibt nicht dort. Die andere Möglichkeit ist, es kommt dorthin, genau gleich wie beim Erwachsenen, aber das Immunsystem reagiert nicht so stark. Das Virus ist zwar da, aber es macht weniger krank, weil der Körper nicht so stark darauf reagiert.

Heisst das automatisch auch, dass die Kinder die Viren weniger stark weitergeben, also andere Menschen weniger schnell anstecken?

Das ist naheliegend. Das wissen wir von Grippeviren und anderen ähnlichen Viren, die die Atemwege befallen. Eine Person, die diese Viren in ihrer Nase oder ihrem Mund hat, gibt sie weiter, wenn sie spricht, hustet oder niest. Wenn sie hustet, kommen die Tröpfchen, die die Viren weitergeben, viel weiter, und es hat eine viel grössere Menge an Viren drin, als wenn sie einfach normal spricht oder atmet. Das wird bei den Coronaviren gleich sein.

Sie sagen, es sei nicht sinnvoll, Schulen zu schliessen. Warum?

Die Frage ist: Was bedeutet das für unsere Alltagsstruktur und die Organisation unserer Gesellschaft, wenn wir die Schulen schliessen? Das bringt nur etwas, wenn die Kinder nicht miteinander zirkulieren, sonst hat es gar keinen Effekt. Und es ist ein massiver Eingriff in unseren Alltag. Die Mütter, Väter oder irgendwelche anderen Personen müssen die Kinder hüten. Dabei sind sie eigentlich gut aufgehoben in der Schule. Aus meiner Sicht ist der erste Schritt, den man konsequent umsetzen muss, keine kranken Kinder in die Schule zu schicken. Aber die Gesunden sind am besten dort.

Das Gespräch führte Irène Dietschi.

SRF 4 News, 13.03.2020, 07.20 Uhr;

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18 Kommentare

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  • Kommentar von Sandra Stettler  (S. Stettler)
    Schon 10 Angestellte des Inselspitals sind mit dem Virus infiziert! Wieviele Patienten die wohl angesteckt haben? Was für ein Skandal, und keiner spricht darüber! Die haben dort nicht mal genügend Atemmasken und Schutzbrillen, um ihr Personal richtig zu schützen! Das ist doch einfach unglaublich!!! Und so was bei uns, nicht in irgendeinem Drittweltland!
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    1. Antwort von Ruedi Reber  (Rebi Ru)
      Das Pronlem liegt eher bei jedem einzelnen. Es wurden Masken und Desinfektionsmittel in so grossen Mengen gekauft das die Pflegeeinrichtungen keinen Nachschub bekommen. Selbts Altersheime kommen an ihre Grenzen. Handwerker die sich vor Staub schützen müssten können Ihre Arbeit nicht ausführen nüu weil die Masken in Irgendeinem Keller rumliegen und nicht gebraucht werden.
      Langsam wird es Zeit aufzuhören mit dem Finger zu Zeigen und wieder einander zu helfen.
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  • Kommentar von Annika Chlarsen  (Tschuetta)
    Und wer schützt dieLehrpersonen?
    Ich arbeite als Kindergärtnerin mit Kindern wo weder Hygienemassnehmen korrekt umgesetzt werden können ,noch ein Abstand von 1 Meter eingehalten!
    Viele Kinder da Erkältungsdaison kommen eh hustend und verschnupft...
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  • Kommentar von Heinz Peter  (arpi)
    «Möglich, dass Kinder für das Virus keine guten Empfänger sind»

    Hätte, hätte Fahrradkette!

    Sicher ist nur, dass sich dass Virus trotz der teilresistenten Kids laufen weiterverbreitet.
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