Zum Inhalt springen

Header

Video
Doro Winkler (FIZ): «Die Opfer kommen in eine Zwangslage»
Aus News-Clip vom 18.05.2020.
abspielen
Inhalt

Keine Freizeit und Ruhetage Menschenhändler beuten Putzfrauen aus

  • Sieben Frauen aus Serbien sind von mutmasslichen Menschenhändlern in die Schweiz geholt worden.
  • Im Raum Saanen/Gstaad (BE) wurden sie als Putzfrauen und Haushälterinnen an Dritte vermittelt.
  • Die drei mutmasslichen Menschenhändler wurden vor einigen Wochen festgenommen.

Lange Arbeitstage ohne Freizeit oder Ruhetage prägten den Alltag der Frauen – sie konnten sich nicht frei bewegen und verdienten massiv weniger als den Mindestlohn. Die Ermittlungen der Berner Kantonspolizei, die zur Festnahme der Menschenhändler führten, dauerten gut ein Jahr. Hinweise aus der Bevölkerung hatten sie angestossen.

In solchen Fällen spricht man von Menschenhandel zur Arbeitsausbeutung. Die Fälle sind nicht einfach zu entdecken und zu verfolgen. Denn: Die Opfer sind schwer identifizierbar. Oft kennen sie ihre Rechte nicht, wie Doro Winkler von der Fachstelle Frauenhandel und Frauenmigration (FIZ) erklärt: «Häufig haben sie Schulden und sind illegal im Land, damit können sie unter Druck gesetzt werden.»

Komplizierte Ermittlungen

Dazu kommt, dass die Verfolgung von Menschenhandel sich bis vor kurzem auf die Prostitution beschränkte. Erst langsam rückt auch die Arbeitsausbeutung in den Fokus der Behörden und der Justiz. Die Ermittlungen sind kompliziert und können lange dauern, wie bei dem Fall im Berner Oberland.

Entsprechend wichtig sei politische Unterstützung, betont Winkler. Doch: «Ich habe die Erfahrung gemacht, dass der politische Wille, Menschenhandel zu bekämpfen, kleiner ist, als er auch schon war.» Das sei problematisch, denn so brauchten sich die Menschenhändler nicht vor Verfolgung zu fürchten.

Der politische Wille sei wichtig, sagt auch Alexander Ott von der Stadtberner Fremdenpolizei. Der Kampf gegen Menschenhandel steht im Kanton Bern weit oben auf der Agenda. Deshalb habe man eine Checkliste mit Indikatoren erarbeitet, mit der beispielsweise Arbeitsmarktkontrolleure auf möglichen Menschenhandel aufmerksam werden sollen. «Wenn jemand keinen Pass auf sich trägt und nicht weiss, in welcher Stadt er ist oder kaum Lohn bekommt», zählt Ott ein paar der Indikatoren auf. Nun interessieren sich auch andere Kantone für diese Checkliste.

Opfer sehen sich nicht als Opfer

Ein weiteres Problem im Kampf gegen Menschenhandel ist, dass die ausgebeuteten Arbeitskräfte häufig nicht realisieren, dass sie Opfer sind. Deshalb sind sie auch kaum bereit, Aussagen gegen die Täter zu machen. Das erschwert die juristische Verfolgung, die ohnehin schon komplex ist, wie die Berner Staatsanwältin Annatina Schultz erklärt. Sie ist für die spezialisierte Staatsanwaltschaft tätig, die unter anderem Menschenhandel bekämpft und hat zu diesem Thema ihre Doktorarbeit geschrieben.

«Der Sachverhalt ist oft umfangreich: Er fängt dort an, wo das Opfer herkommt und geht bis in die Schweiz. Das sind häufig lange Geschichten, die auch eine Zusammenarbeit mit dem Ausland bedingen.» Die Aussagen der Opfer seien wichtig – aber gleichzeitig müsse man schauen, dass es auch andere Beweise gebe.

Juristin für bessere Definition

Schultz fordert eine klarere Strafnorm, sie ist überzeugt: Diese würde beim Aufdecken und der Verfolgung von Menschenhandel helfen. «Man müsste klarer definieren, was Menschenhandel und was Ausbeutung der Arbeitskraft ist», sagt sie. So wüsste man, in welcher Situation man wie weiter ermitteln müsse.

Klar ist: Jeder aufgedeckte Fall trägt dazu bei, dass das Bewusstsein für Menschenhandel wächst und das Verbrechen aus dem Hintergrund in den Vordergrund rückt.

Heute in «Schweiz aktuell»

Box aufklappenBox zuklappen
Sendungslogo von «Schweiz aktuell»

Mehr dazu sehen Sie in der Sendung «Schweiz aktuell» um 19.00 Uhr auf SRF 1.

Schweiz aktuell 18.05.2020, 19.00 Uhr

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

18 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Das haben wir der PFZ zu verdanken. Jeder kann in die Schweiz kommen und dann legal oder illegal hier arbeiten. Wir haben längst die Kontrolle über die Sans Papier und Rekordzahlen beim Menschenhandel und deren Arbeitsausbeutung verloren. Wer kennt schon die Zahlen der vielen Illegalen die sich in der Schweiz aufhalten? Dazu kommen jene Asylbewerber die ausreisen müssten, es aber nicht tun. Ausbeutung durch Schwarzarbeit an der Tagesordnung. Wo bleibt der Rechtsstaat. Nicht hingeschaut?
    1. Antwort von Krebs Alfred  (A.Santiago)
      Das haben wir leider nicht der PFZ zu verdanken Herr Keller. Ich habe vor fast 30 Jahren in Bern einen Kolumbianer kennen gelernt, der illegal in der Schweiz lebte. Er hat schwarz in einem Hotel gearbeitet. Als er eine Schweizerin kennen und lieben gelernt hat, ist er illegal ausgereist und von Spanien aus die legale Einreise organisiert. Wenn kein Schweizer illegale beschäftigen würden, wäre das Problem sofort gelöst. Dort müsste etwas unternommen werden.
  • Kommentar von Hans Maag  (Maag Hans)
    Nicht nur die "Menschenhändler" sondern auch die "Arbeitgeber" gehören an den Pranger gestellt. Sie sind wohl zu einem guten Teil dafür verantwortlich, dass zum Beispiel in Genf aufgrund der Corona-Krise so viele Menschen auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen sind. - Eine Schande für die reiche Schweiz!
  • Kommentar von Francis Waeber  (Francis Waeber)
    Vielleich muss ein Gesetz her, welches innerhalb eines vernünftigen Rahmens (!!!) die Arbeitgeber/Innen in die Pflicht nimmt. Wenn ich z.B. Reinigungskräfte oder Haushälterinnen suche und sog. "Vermittler" sind nicht mal im HR, sehe ich durchaus Gründe zur Skepsis. Wenn ich dann den Nettolohn nicht auf ein persönliches Konto der/die oder das Arbeitnehmer/In überweisen soll, welche sich vor Anstellungsbeginn nicht mal persönlich vorgestellt hat, dürfte der Fall mehr oder weniger klar sein..;-))
    1. Antwort von Lilian Albis  (...)
      Jaja, die allseits beliebte Freiwilligkeit. Die bringts halt immer.... Aber Grundsätzlich haben sie natürlich schon recht.
    2. Antwort von Francis Waeber  (Francis Waeber)
      @Lilian Albis - von "Freiwillig" hab ich nichts geschrieben. Sehr viel mehr von "vernünftiger Gesetzgebung". Bitte nachzulesen..... ;-))
    3. Antwort von Lilian Albis  (...)
      Sorry Herr Weber, das habe ich bemerkt, kaum hatte ich meinen Kommentar abgeschickt. So gebe ich ihnen natürlich absolut Recht und meinem Kommentar gleich eine Ablehnung. Ok?
    4. Antwort von Francis Waeber  (Francis Waeber)
      @Lilian Albis - kein Problem.... ;-))