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78 Tamedia-Frauen protestieren gegen Diskriminierung
Aus 10 vor 10 vom 08.03.2021.
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(Keine) Gleichberechtigung? Warum viele Journalistinnen einen schweren Stand haben

Gleichberechtigung schreiben sich viele Unternehmen auf die Fahnen. Doch häufig hapert es an der Umsetzung im Alltag. Jüngstes Beispiel: Mit einem offenen Brief wehren sich 78 Tamedia-Journalistinnen gegen Missstände. In der Branche sind sie damit alles andere als alleine.

Sie würden ausgebremst, zurechtgewiesen oder eingeschüchtert, schreiben die betroffenen Journalistinnen im offenen Brief. Im Unternehmen herrsche eine sexistische Arbeitskultur. Sprüche wie «Du bist hübsch, Du bringst es sicher noch zu etwas» oder «Ein Thema mit Kindern – da sollen sich die Frauen drum kümmern» müssten sie sich immer wieder anhören.

Die 78 unterzeichnenden Journalistinnen fordern nun mehr Anstand, standardisierte Verfahren bei Mobbing oder sexueller Belästigung und eine bessere Förderung von Frauen.

Machokultur in der Medienbranche

In der Branche sind die Tamedia-Redaktorinnen damit nicht alleine. Das bestätigt Nadja Rohner, Co-Präsidentin des Vereins Medienfrauen Schweiz: «Es ist nicht nur ein Tamedia-Problem. Das passiert auch in anderen Medienhäusern. Oftmals herrscht eine Machokultur vor.»

Beim Westschweizer Fernsehen RTS beispielsweise wurden letzten Herbst mutmassliche Fälle von Mobbing und sexueller Belästigung publik. Entsprechende Untersuchungen wurden eingeleitet.

In den Medienhäusern spiegelt sich, was auch sonst passiert: Frauen schaffen es kaum in wichtige Positionen.
Autor: Andrea BleicherEhemalige Blick Chefredaktorin ad interim

Für talentierte Journalistinnen ist es in Schweizer Medienhäusern oftmals schwierig, Karriere zu machen. Andrea Bleicher beispielsweise schaffte es bis zur Ad-interims-Chefredaktorin beim Boulevard-Blatt Blick. Schliesslich wurde sie aber übergangen bei der definitiven Besetzung des Postens mit der Begründung, dass sie noch zu jung und zu wenig erfahren in Polit- und Wirtschaftsthemen sei. Zwei Männer erhielten den Job.

Für Bleicher sind die Zustände frustrierend: «In den Medienhäusern spiegelt sich, was auch sonst passiert: Frauen schaffen es kaum in wichtige Positionen. Für eine Branche, die gern anderen sagt, was sie alles falsch machen und generell glaubt, aus fortschrittlichen, klugen und weltoffenen Denkern zu bestehen, umso trauriger.»

Tamedia und SRG wollen reagieren

Im Falle des Tamedia-Konzerns gelobt sich die Chefetage Besserung. Chefredaktor Arthur Rutishauser: «Wir sind uns bewusst, dass die bisherigen Massnahmen zur Steigerung des Frauenanteils in den Redaktionen und insbesondere in den Führungspositionen nicht ausreichen und es Zeit für eine verbindliche Strategie ist.»

Auch andere Medienhäuser bemühen sich um eine bessere Förderung der Frauen. Die SRG beispielsweise strebt einen Frauenanteil von 50 Prozent an. Doch der Weg ist noch weit. In Führungspositionen beträgt der Anteil bislang nur 30 Prozent. Mit entsprechenden Förderprogrammen soll dieser Wert verbessert werden.

10vor10, 08.03.2021, 21:50 Uhr

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22 Kommentare

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  • Kommentar von Angela Nussbaumer  (Angela N.)
    Was mir hier fehlt: die Tatsache, dass es AUCH Frauen gibt, die Frauen Steine in den Weg legen und sie daran hindern, auf der Karriereleiter höherzusteigen. Frauen, die anderen Frauen sagen: "Du warst ja im Mutterschaftsurlaub", und sie im Teilzeitpensum die Arbeit machen lassen, bis zum Punkt, wo diese Arbeit von aussen positiv bemerkt wird, und dann entzieht frau der Mitarbeiterin das Dossier und verklickert es z. B. als das Eigene. In der Arbeitswelt behindern nicht nur Männer Frauen. Leider.
  • Kommentar von Peter Hahnau  (Peter Hahnau)
    «Du bist hübsch, Du bringst es sicher noch zu etwas» oder «Ein Thema mit Kindern – da sollen sich die Frauen drum kümmern»
    Wobei ich nicht verstehe, was an den Aussagen schlimm ist.
    Das erste ist 1. ein Kompliment und resultiert 2. daraus, dass das Aussehen für die Karriere in Medienberufen eine Rolle spielt.
    Das zweite ist ein Fakt, da Frauen von Natur aus besser mit Kindern können als Männer, was sich z.B. auch in der Geschlechteraufteilung bei Kindergärtner(innen) zeigt.
    1. Antwort von Nadia Makita  (NadiaMakita)
      Schön wäre aber doch im beruflichen Umfeld ein "Kompliment", wie Sie es bezeichnen zu den Leistungen und nicht zum Aussehen, wenn Sie das drehen hätten Sie " Du bist hässlich- Du bringst es zu nichts" Wäre das in Ordnung ? Wieso sollte es dann in Ordnung sein ein Kompliment auf Grundlage des Aussehens einzubringen.
      Und 2. ist einfach nur veraltet. Journalisten müssen sich intensiv mit dem Thema über das sie berichten auseinander setzen- ob Mann oder Frau..
    2. Antwort von Peter Hahnau  (Peter Hahnau)
      @Nadia Makita: Bei P1 gebe ich ja nicht meine persönliche Meinung wieder. Aber haben Sie in Nachrichtensendungen, Magazinen oder bei der Zuschaltung von Aussenkorrespondenten jemals einen Menschen mit einem "Schönheitsmakel" gesehen? Ich jedenfalls nicht. Das Aussehen scheint also nicht unerheblich zu sein in der Branche. Und dann ist «Du bist hübsch, Du bringst es sicher noch zu etwas» wohl oder übel als Kompliment aufzufassen.

      Und 2. ist mMn nicht veraltet. Oder ich bin es. :-D
  • Kommentar von Martin Meier  (M.Meier)
    Lustig, dass dieser Aufschrei gerade beim der sehr linken Tamedia die Runde macht.
    Aber wie so oft sollte man zuerst vor der eigenen Türe kehren bevor man anderen Lektionen austeilt.