Zum Inhalt springen

Fallzahlen nehmen zu Kesb musste 2016 häufiger einschreiten

Anlass zu Kritik geben diejenigen Fälle, in denen Kinder auf Anordnung in Heimen oder Pflegefamilien platziert werden.

Legende: Video Kesb musste 2016 öfter eingreifen abspielen. Laufzeit 01:24 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 29.08.2017.
  • Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden (Kesb) in der Schweiz haben im vergangenen Jahr leicht mehr Massnahmen angeordnet als im Vorjahr.
  • Von den Massnahmen betroffen waren rund 43'000 Kinder und rund 90'000 Erwachsene.
  • In rund zehn Prozent der Fälle wurden Kinder in Heimen oder Pflegefamilien untergebracht, wie die Konferenz für Kindes- und Erwachsenenschutz (Kokes) mitteilt.

Fast 43'000 Kinder und ihre Eltern hatten letztes Jahr Kontakt mit einer Kindesschutzbehörde. Das sind 4,5 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Diesen Anstieg erklären sich die Verantwortlichen mit der gesellschaftlichen Entwicklung.

So gebe es zum Beispiel Sonderfaktoren wie die Situation der unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden, sagt Guido Marbet, Präsident der Kokes, an der Jahresmedienkonferenz des Dachverbandes. Und: «Es gibt vermehrt hoch strittige Elternbeziehungen, die zu zusätzlichen Massnahmen führen.»

Allerdings dürfe man die Fallzahlen nicht mit der Anzahl Massnahmen gleichsetzen, betont er. In der Hälfte der Fälle genügten einfache Hilfen in der Schule oder zuhause. Fast immer behielten die Eltern oder nahe Verwandte die Erziehungsverantwortung. Sogar wenn Kinder in Heime oder in Pflegefamilien kämen, seien die Eltern meist mit dieser Massnahme einverstanden.

Streitpunkt Fremdplatzierung

Von den schweizweit rund 18'000 Kindern in Heimen und Pflegefamilien machten die angeordneten – also nicht einvernehmlichen – Fremdplatzierungen nur einen Drittel aus. Genau diese Fälle führen aber immer wieder zu Diskussionen.

Im Moment wird eine Volksinitiative vorbereitet, die den Einfluss der Kernfamilie stärken und die Macht der Behörden einschränken will. Das sei keine gute Idee, findet der Berner SVP-Regierungsrat und Kokes-Vizepräsident Christoph Neuhaus. «Kinder lieben ihre Eltern.» Doch die Familie sei längst nicht immer ein heiler Ort: «Wie ich aus Kinderspitälern weiss, gibt es Hunderte von Gefährdungsmeldungen pro Jahr. Es gibt Eltern, die ihren Kindern die Arme brechen, sie mit heissem Wasser verbrennen. Kleinkinder werden missbraucht.»

Wie ich aber aus Kinderspitälern weiss, gibt es hunderte von Gefährdungsmeldungen pro Jahr. (...) Auch die Schweiz ist kein Heidiland.
Autor: Christoph NeuhausKokes-Vizepräsident

Auch die Schweiz sei kein «Heidiland». Wenn der Kesb vorgeworfen werde, ein modernes Verdingkinderwesen zu sein, so sei das reine Stimmungsmache, sagt Neuhaus. Denn jede Verfügung der Kesb könne gerichtlich angefochten werden.

Beistand für ältere Menschen

Der Kindesschutz ist im Übrigen der kleinere Teil der Arbeit der Kesb. In zwei von drei Fällen geht es um Erwachsene, meist ältere Leute, die nicht mehr selber Entscheide fällen können. Im Kanton Waadt hat man guter Erfahrungen gemacht mit einer Mischung von privater und professioneller Unterstützung. Leichtere Fälle könnten Freiwillige übernehmen, die komplizierteren die Profis. Diese Mischung habe sich bewährt und könnte laut Kokes ein Vorbild für andere Kantone sein.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

10 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Sarah Maier (S. Maier)
    Ein Beispiel: ADHS und die Kesb. Da finde ich Beiträge in Foren glaubwürdiger als die neusten Beschwichtigungen aus dem Munde des Kokes-Vizepräsidenten. Und Eltern, die ihrem Kind oder Baby den Arm brechen?? Auch als Kesb-Kritikerin finde ich das natürlich inakzeptabel. Auch ich finde ich gewisse Aktionen der Kesb richtig. Gut wäre, wenn auch ein Kokes-Vizepräsident nicht alles gut fände, was die KESB tut. Statt dessen belehrt er uns: Stimmungsmache betreibt nur die Gegenseite.......
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Marlies Artho (marlies artho)
    Die KESB hat sich leider mit den Beispielen,die man lesen und hören konnte,zu einem grossen Machtgefüge gebildet, leider.Da Betroffene kaum eine Chancen haben sich zu wehren.Hoffe nicht,dass durch diese Machtstellung es wieder soweit kommt,wie bei den Verdingkinder,die heute entschädigt werden müssen,durch Gutmachung von vergangenen Fehler.Sicher hat die KESB keine leichte Aufgabe,trotzdem finde ich,sollte diese Institution kein Freipass bekommen um ohne mehrfach Überprüfung handeln zu können.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von E. Waeden (E. W.)
      Und Zwangseinweisungen, sowie Fremdplatzierungen von Kindern zählt bis in die 1980-igern zu einer der dunklen Geschichten in der Schweiz. Durch die KESB wird jetzt wieder dieselbe dunkle Geschichte geschrieben.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Serena Gnabry (SerenaG)
    "musste" einschreiten? Komisch von einem halben Jahr wurde die totalitäre KESB noch gelobt weil sie angeblich weniger einschreitet und Massnahmen verhängt als die Vorgänger. Und nun soll e toll sein, wenn sie mehr einschreitet`? Diese KESB muss endlich entmachtet werden. Die Eltern mehr Rechte erhalten....
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      2015 wurden knapp 1400 Kinder wegen Misshandlungen in Schweizer Kinderspitälern behandelt. 91% der Misshandlungen und 81% der sexuellen Missbrauch Fälle geschehen in der Familie. Fast die Hälfte der Kinder ist unter 6 Jahren alt. Erklären Sie uns bitte wie Sie bei diesen Zahlen schreiben können: "Diese KESB muss endlich entmachtet werden. Die Eltern mehr Rechte erhalten.... "
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Thomas Bach (TBach)
      Warum pauschalisieren Sie. 1. Gibt es bitte Belege für diese Behauptung HP. 2. Frau Gnabry hat recht. Die KESB ist zu einem Staat im Staat geworden. Warum sollen nicht einmal die Gemeinden einen Kontrollblick haben dürfen. Jeder wer schon einmal mit der KESB zu tun hat, weiss dass die Eltern zu wenig rechte haben, Vorveruteilt werden. Es gibt nicht nur diese gravierenden Fälle, Herr Müller wo Sie ja noch einen Link nachreichen werden. Merci.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von Serena Gnabry (SerenaG)
      HP. Es freut mich -und das meine ich ernst!- dass sie offenbar weder direkt noch indirekt durch ihre Familie oder Freunde mit der KESB zu tun gehabt haben. Ansonsten würden Sie anders reden. BITTE zitieren Sie mich wo ich verlangt habe die KESB respektive eine Kinderschutzbehörde abzuschaffen. Und bitte für solche Zahlen immer einen Link und Nachweis senden. Es gibt zudem eben nicht nur diese gravierenden Fälle wo die KESB einschreitet. Sonst würde sie auch nicht in der Kritik stehen.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen