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Klima-Protest statt Schulbank Wenn Schüler streiken und Lehrer hadern

In Bern findet man: Die Schüler sollen sich politisch ausdrücken dürfen – aber auch bereit sein, Opfer zu bringen.

Legende: Audio Sollen streikende Gymnasiasten bestraft werden? abspielen. Laufzeit 03:56 Minuten.
03:56 min, aus Rendez-vous vom 29.01.2019.

Am WEF in Davos sprach Umweltaktivistin Greta Thunberg der Weltgemeinschaft ins Gewissen: Im Namen der nachfolgenden Generationen forderte sie Wirtschaft und Politik auf, den Klimawandel entschlossen zu bekämpfen.

Legende: Video Greta Thunberg: «Unser Haus steht in Flammen» abspielen. Laufzeit 02:08 Minuten.
Aus SRF News vom 25.01.2019.

Zumindest bei Gleichaltrigen findet ihr Protest Gehör – auch in der Schweiz. Im ganzen Land gehen jeweils am Freitag Gymnasiasten auf die Strasse. Während dieser Zeit verpassen sie den Unterricht, in dem vielleicht gerade eine Matheprüfung geschrieben wird.

Wer fehlt, kann für die verpasste Probe auch schon mal die Note eins kassieren. So zumindest ist es einigen Schülerinnen und Schülern des Gymnasiums Payerne im Kanton Waadt passiert, wie «20 Minuten» berichtet. Ein Extremfall. Aber auch andere Schweizer Gymnasien schreiben den Jugendlichen unentschuldigte Absenzen auf, wenn sie für Klimademos die Schule schwänzen.

Legende: Video Schüler streiken fürs Klima abspielen. Laufzeit 01:21 Minuten.
Aus Tagesschau vom 18.01.2019.

Ist man zu Recht streng in dieser Sache oder soll man politisierte Schülerinnen und Schüler unterstützen? Rolf Maurer, Rektor des Berner Gymnasiums Neufeld, hat grundsätzlich Verständnis für die Kundgebungen. Aber: «Die Frage ist, wie und wann man diesen Protest ausdrückt.»

Die Schülerinnen und Schüler müssen sich an Regeln halten. Wir wollen ihnen aber die Möglichkeit geben, ihren Protest auszudrücken.
Autor: Rolf MaurerRektor des Gymnasiums Neufeld in Bern

Hier befinde man sich in einem Spannungsfeld. «Die Schule hat einen Bildungsauftrag. Wenn dieser nachhaltig gestört wird, müssen wir reagieren.» Konkret: Ein Streik, der über mehrere Wochen einen geregelten Unterricht am Freitag verunmöglicht, sei nicht zielführend.

Im Kanton Bern haben Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, fünf freie Halbtage zu beziehen. Diese sollten für den Protest eingesetzt werden, sagt Maurer. Es sei nicht Sache der Schulleitung, einen Streik aufzunehmen und den Schülerinnen und Schülern frei zu geben: «Ein Streik soll Druck erzeugen und das Ziel muss sein, mit der Politik ins Gespräch zu kommen», sagt Maurer.

Schülerprotest am 21.12.2018 in Zürich
Legende: Wie hier am 21. Dezember gehen seit Wochen Schweizer Schülerinnen und Schüler auf die Strasse, um gegen den Klimawandel zu protestieren. Keystone

Wer seine Halbtage aufgebraucht hat, ist nicht zur Untätigkeit verdammt: «Man kann mit Kompensationsleistungen weiter an den Veranstaltungen teilnehmen», so Maurer. Etwa, indem man eine Podiumsdiskussion organisiere oder ein Referat halten würde.

Für den Rektor steht fest: Unentschuldigte Absenzen aufzutürmen könne nicht Sinn der Sache sein. «Die Schülerinnen und Schüler müssen sich an Regeln halten. Wir wollen ihnen aber die Möglichkeit geben, ihren Protest auszudrücken.»

Eine politisierte Generation

In die Entscheidungsfreiheit der Schülerinnen und Schüler möchte der Rektor aber nicht eingreifen. Es gebe weder gute noch schlechte Proteste – die Schulleitung nehme keinen politischen Einfluss.

Maurer war am Rande der 68er-Bewegung Gymnasiast, und auch er war politisch aktiv. Die heutige Jugend nimmt er durchaus als politisiert wahr – den Protest seiner Schülerinnen und Schüler nimmt Maurer also ernst.

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101 Kommentare

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  • Kommentar von Konrad Pfister (Konrad Pfister)
    Bin ich eigentlich der einzige oder gibt es noch andere denen es pfeifegal ist ob diese Jungen zur Schule gehen oder nicht? Anders als bei einem richtigen Streik, wo eine bezahlte Leistung nicht erbracht wird, verzichten Sie auf eine Ihnen angebotene Dienstleistung, sie schaden also nur sich selbst...
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    1. Antwort von Beppie Hermann (Eine rechte Grüne)
      Nicht ganz, der Anlass war leider nur einer von vielen rund ums Jahr. Es sind idR stets dieselben, die an Prüfungstagen entweder krank sind od.sonst was loshaben, was ihre Eltern dann im Nachhinein bestätigen müssen/wollen. Sie tun dies in der Hoffnung, die Aufgaben von Kollegen zu erfahren.An manchen Schulen müssen Lehrer mit Anweisung von oben, selbst für unentschuldigte Schwänzer die Prüfung wiederholen. Dh gleichwertige Tests schreiben, u.das bis zu 3x, wenn sie wieder u.wieder nicht kommen.
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  • Kommentar von Jonathan Merz (Jondalf)
    Das ist doch der springende Punkt während der Schulzeit streiken zu gehen. Es wird mehr Aufmerksamkeit erreicht, weil die halbe Schweiz auf Einmal wissen will, was da los sei; auch haben viele Schüler erkannt, dass Welt und Wetter grundsätzlich viel wichtiger sind als Differentialgeometrie und Grammatik. Ich meine; es geht um unsere Erde (!) - wird die nicht nachhaltig geschützt, zerstören wir den einzigen Lebensraum, den wir haben.
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  • Kommentar von Patrik Müller (P.Müller)
    Am 1. Mai müssen alle arbeiten gehen wenn sie nicht an die Demo gehen. Und am 1. August auch, ausser man geht an die Feier! Und bei allen kirchlichen Feiertagen ab in die Kirche! Konsequent sein, nicht nur bei den jungen einfordern!
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