Klimaziele: «Machbar, wenn alle mitziehen»

Bis 2030 soll der CO2-Ausstoss um 50 Prozent gesenkt werden: So will es der Bundesrat. «Ein ambitiöses Ziel», findet ETH-Klimaforscher Reto Knutti im Gespräch mit SRF. Das Volk und die Wirtschaft müsse es mittragen, dann sei es erreichbar.

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Reto Knutti

Reto Knutti

Der Klimaforscher leitet die Gruppe Klima-Physik an der ETH Zürich. Reto Knutti ist Spezialist für Prognose-Modelle und untersucht die langfristigen Auswirkungen des von Menschen verursachten Treibhausgas-Ausstosses auf das Klima.

SRF News: Reto Knutti, wie schätzen Sie die Zielvorgaben ein, die Bundesrätin Doris Leuthard heute vorgestellt hat?

Reto Knutti: Die Aussagen von Frau Leuthard sind positiv, es geht in die richtige Richtung. 50 Prozent ist ein ambitiöses Ziel. Wie realistisch es ist, wird sich zeigen.

Das tönt nicht sehr zuversichtlich.

Wenn man die Massnahmen wirklich ergreifen und sie durchsetzen will, dann ist das Ziel erreichbar. Wir müssen uns aber bewusst sei, dass sich die Reduktionen in den letzten zehn Jahren auf rund 0,7 Prozent pro Jahr beliefen. Nun reden wir von etwa zwei Prozent jährlich. Es müsste also etwa dreimal schneller gehen als in der Vergangenheit. Das Ziel ist das eine, doch müssen die Massnahmen dann auch wirklich umgesetzt und vom Volk und der Wirtschaft mitgetragen werden.

«  Dem Klima ist es völlig egal, woher die Emissionen kommen. »

Leuthard sagt, der Bundesrat komme früh mit den Zielen, um der Wirtschaft Planungssicherheit zu gewähren. Wird die Wirtschaft mitziehen?

Diese Frage muss die Wirtschaft beantworten. Ich persönlich glaube nicht, dass die Wirtschaft aus freiem Wille etwas unternehmen wird, weil sie der Menschheit etwas Gutes tun will. Es wird nur gehen, wenn man Anreize schafft. Ich denke dabei an Lenkungsabgaben, Förderprogramme, Steuern oder andere Vorschriften. Es muss sich finanziell irgendwie rechnen. Sonst wird da nichts passieren.

Der Bundesrat will die Emissionen von Treibhausgasen vor allem im Ausland einsparen. Ist das der richtige Weg?

Ob die Tonne CO2 aus der Schweiz oder aus China kommt, spielt dem Klima keine Rolle. Das heisst, es ist einerseits eine wirtschaftliche Frage und andererseits eine Frage der gesellschaftlichen Verantwortung.

Betrachtet man die Frage rein wirtschaftlich, dann kostet die Vermeidung einer Tonne CO2 im Ausland rund zehnmal weniger als in der Schweiz. Rein ökonomisch würde es also Sinn machen, das im Ausland zu tun.

Gleichzeitig kann es sich die Schweiz nicht leisten, einfach alles ins Ausland abzuschieben. Hier kommt die Frage der gesellschaftlichen Verantwortung zum Tragen. Die Schweiz hat eine Vorreiterrolle zu spielen. Sie muss zeigen, dass es auch in der Schweiz funktioniert. Wenn wir hier nicht zeigen, dass es möglich ist: Weshalb sollte es dann anderswo möglich sein? Es muss also eine Mischung sein. Und das ist der Vorschlag des Bundesrates.

Das Gespräch führte Samuel Wyss.

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