Zum Inhalt springen

Header

Video
Mikrobiologe Adrian Egli: «Wir sollten den Fokus bei der Impfung auch auf Leute mit tiefem Einkommen legen»
Aus News-Clip vom 23.02.2021.
abspielen
Inhalt

Kluft zwischen Arm und Reich Experte mahnt: Ärmere schneller impfen

Sozial Schwache sollen schneller von einer Corona-Impfung profitieren. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Universitätsspitals Basel und der ETH Zürich. Diese zeigt: Das Virus trifft benachteiligte Quartiere besonders stark. In Basel wurden dafür mehr als 400 positive Befunde sequenziert, um den Virenstamm zu bestimmen. Das erlaubt den Forschern genauere Rückschlüsse auf die Übertragungswege des Virus.

Die Erkenntnis: In den bessergestellten Quartieren, wo die Bevölkerung sich in die eigenen vier Wände zurückziehen konnte, erfolgte die Übertragung des Virus im Quartier selbst. In den ärmeren Quartieren dagegen sind mehr Virus-Varianten feststellbar.

Mobilität als Risiko

Für Studienautor Adrian Egli ist klar: Das ist eine Folge der höheren Mobilität dieser Menschen. Putzequipen, Verkaufs- und Pflegepersonal: Diese Berufsleute hätten keine Möglichkeit für Arbeit im Homeoffice, sagt der Basler Mikrobiologe. Für sie bestehe ein erhöhtes Risiko, sich bei der Arbeit anzustecken und das Virus dann weiterzutragen.

Video
Mikrobiologe Adrian Egli: «Mobilität ist ein ganz wichtiger Faktor in dieser Pandemie»
Aus News-Clip vom 23.02.2021.
abspielen

Die Konsequenz dieser Analyse ist für Egli klar: «Die Leute mit tiefen Einkommen, die in dicht besiedelten Quartieren leben, muss man auch impfen, die darf man nicht vergessen.»

Impfstratege offen für Idee

Menschen mit tiefen Einkommen können seltener im Homeoffice arbeiten, sind mobiler und damit stärker gefährdet. Sollten sie Vortritt erhalten bei der Impfung? Die Impfstrategie des Bundes sieht dies bislang nicht vor. Sie priorisiert Risikogruppen wie Senioren, das Gesundheitspersonal und Menschen mit Vorerkrankungen.

Ausgearbeitet hat die Impfstrategie die Eidg. Kommission für Impffragen. Präsident Christoph Berger hat Verständnis für die Idee eines priorisierten Zugangs für Menschen bestimmter Berufs- und Einkommensgruppen. Zuerst müssten aber die klassischen Risikogruppen geimpft werden.

Zudem müsste erwiesen sein, dass die Impfung auch die Übertragung des Virus verhindere: «Sobald sich alle gesunden Erwachsenen impfen können, kann man sich durchaus überlegen, bestimmte Berufsgruppen oder Menschen mit hoher Mobilität allenfalls vorzuziehen.» Dies sei für ihn aber nur denkbar, wenn es sich mit vernünftigem Aufwand durchführen lasse und sehr viel Impfstoff zur Verfügung stünde.

Gleiches Bild in Genf

Ähnlich wie in Basel wurde auch in Genf untersucht, welche Bevölkerungsschichten besonders stark unter der Pandemie leiden. Auch in Genf war nicht die ganze Stadt von der Pandemie gleich stark betroffen. Eine Datenanalyse des Universitätsspitals Genf und der ETH Lausanne zeigt: Das Coronavirus traf im Kanton Genf vor allem die wirtschaftlich schwächeren Gebiete massiv.

3355 positive Corona-Tests der ersten Welle hat Studienautor David de Ridder lokalisiert. Die Daten wurden mit soziodemografischen Angaben für das betreffende Quartier verknüpft, etwa zu durchschnittlichen Mietkosten, Einkommen, zur Arbeitslosen- und Ausländerquote sowie zur Einwohnerdichte.

Hartnäckige Infektionsherde

Dabei zeigten sich Cluster in den ärmeren Quartieren. Mehr noch: Die Studie macht sichtbar, dass sich diese Infektionsherde hartnäckig hielten. Noch nach zwei Monaten waren fast 85 Prozent der Cluster unverändert vorhanden. In den gutsituierten Quartieren war das nur noch für 30 Prozent der Cluster feststellbar.

Video
David de Ridder: «Die ärmeren Leute sind nicht verantwortlich für die Verbreitung des Virus, sondern deren Opfer»
Aus News-Clip vom 23.02.2021.
abspielen

Bedeutet das, dass die ärmeren Quartiere für die Verbreitung des Virus verantwortlich sind? David de Ridder widerspricht: «Diese Leute sind nicht verantwortlich für die Verbreitung, sondern deren Opfer, sie leben in einem Umfeld, das die Verbreitung des Virus begünstigt.»

«Rundschau»

Box aufklappenBox zuklappen
«Rundschau»

Mehr zum Thema in der «Rundschau» um 20.05 Uhr auf SRF 1.

Rundschau, 24.02.2021, 20:05 Uhr

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

25 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
    Mir aufgefallen: «Turnhallen zu Impfzentren umfunktionieren» Warum? Obwohl zu wenig Impfstoff vorhanden ist? «Jeden Stoff impfen den man kriegen kann, wenn es dann besseren gäbe, nachimpfen» Auswirkungen dieser Strategie? Wer würde das Risiko übernehmen? «Immunsystem stärken» das Mass aller Dinge? Ärmere Menschen teilweise als «Sündenböcke» ansehen, warum? «Obere Zehntausend privilegiert» somit die über 80jährigen? «Viele Länder zeigen wie es gemacht wird. GB, Israel» die restlichen der vielen?
  • Kommentar von Stefan Fankhauser  (fankhauser)
    Ihr kennt ja sicher den leider viel zu früh verstorbenen CH-Liedermacher....

    lest den Text wieder mal durch , dies gilt auch ( erst recht ) heute noch.

    alles Andere ist scheinheiliges Blablabla.....

    Dene wos guet geit, giengs besser
    Giengs dene besser wos weniger guet geit
    Was aber nid geit, ohni dass's dene
    Weniger guet geit wos guet geit
    Drum geit weni, für dass es dene
    Besser geit wos weniger guet geit
    Und drum geits o dene nid besser
    Wos guet geit
  • Kommentar von Daniel Gion  (dgion)
    Jeder Impfwillige findet einen Grund weshalb er bevorzugt behandelt werden soll. Es wäre wohl einfacher eine Liste zu machen mit Gruppen welche nicht in den Genuss einer bevorzugten Behandlung kommen - sie wäre wohl ziemlich leer.
    Daher - einfach nach Risikogruppen den Rest alle gleich behandeln
    1. Antwort von Pascal Odermatt  (PDOdermatt)
      Eine unabhängige Untersuchung ist allerdings ein bisschen relevanter, da objektiver.