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Kranken-Taggeld-Versicherung Kranke können Betriebe teuer zu stehen kommen

Steigen Krankheitsfälle in einer Firma, fordern Versicherungen nicht selten höhere Prämien – mit teils heftigen Folgen.

Legende: Audio Kosten der Kranken-Taggeld-Versicherung: Brisanter Versicherungsbericht abspielen. Laufzeit 01:16 Minuten.
01:16 min, aus HeuteMorgen vom 08.04.2017.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Ombudsmann der Privatversicherungen stellt fest, dass immer mehr Versicherungen dazu übergehen, ihre Prämien individuell auszugestalten: wenn ein Unternehmen viele Krankheitsfälle hat, muss es höhere Prämien bezahlen.
  • Weil etwa psychische Erkrankungen nicht so einfach diagnostiziert werden können wie ein Beinbruch oder eine Grippe, streiten sich Versicherungen und Arbeitgeber oftmals darum, ob und wie lange die Versicherung das Krankentaggeld zahlen muss.

Wenn jemand krank wird oder verunfallt, dann bezahlt die Kranken-Taggeld-Versicherung nach einer bestimmten Frist den Lohn. Und das kann teuer werden; besonders dann, wenn jemand für längere Zeit ausfällt.

Das ist auch dem Ombudsmann der Privatversicherungen, Martin Lorenzon, aufgefallen. Er sagt zu seinem Jahresbericht: «Was am meisten herausgestochen ist, das ist die Zunahme von Arbeitsunfähigkeiten aufgrund von psychischen Leiden».

Weil psychische Erkrankungen nicht so einfach diagnostiziert werden können wie ein Beinbruch oder eine Grippe, streiten sich Versicherungen und Arbeitgeber oftmals darum, ob und wie lange die Versicherung das Krankentaggeld zahlen muss.

Individuelle Ausgestaltung der Prämien

Nun stellt der Ombudsmann fest, dass immer mehr Versicherungen dazu übergehen, ihre Prämien individuell auszugestalten: wenn ein Unternehmen viele Krankheitsfälle hat, muss es höhere Prämien bezahlen: «Wir haben im letzten Jahr Fälle erlebt, da wurde die Prämie aufgrund eines Krankheitsfalls in einem Kleinbetrieb um 300 Prozent angehoben.» Welche Versicherung dies ist, kann der Ombudsmann nicht preisgeben.

Beim Versicherungsverband heisst es auf Anfrage, die Ausgestaltung der Prämie sei den einzelnen Versicherern überlassen. Man könne nicht von einem generellen, branchenweiten Problem mit den Taggeld-Versicherungen sprechen.

Entsolidarisierung droht

Der Ombudsmann hingegen warnt: «Das führt auch zu einer Entsolidarisierung. Das hat zur Folge, dass auch Arbeitgeber, die eine soziale Verantwortung übernehmen wollen, in eine schwierige Situation geraten.»

Letztlich müsse aber die Politik entscheiden, ob sie dies hinnehmen oder etwas unternehmen wolle, meint Ombudsmann Lorenzon.

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21 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Haller (panasawan)
    Das es eine gesellschaftlich bedenkliche Entsolidarisierung gegeben hat ist mehr als nur offensichtlich, es lässt sich klar belegen. Zuerst die Alten und nun sind offenbar auch die Kranken dran. Vielleicht bald auch klammheimlich wieder die Frauen da es dort ein Schwangerschaftsrisiko gibt. - Die Wirtschaft muss Kosten sparen um zu überleben und das tut sie auch unauffällig aber konsequent. Fazit: Menschen sind fuer die Wirtschaft da und nicht die Wirschaft fuer die Menschen und Gesellschaft.
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    1. Antwort von Mike Steiner (M. Steiner)
      Fast wäre ich bei Ihnen. Nur in diesem Fall hoffe ich, dass die Entsolidarisierung bei den Firmen etwas bewirkt: Eine Wirtschaft, welche immer mehr auf Grossraumbüros ohne feste Arbeitsplätze und somit die Anonymisierung seiner Mitarbeiter hemmungslos fördert, nur um ein paar Franken pro Arbeitsplatz zu sparen, gehört in die Schranken gewiesen, denn es mach die Leute krank und gleichgültig. Wenn Aufschläge auf Prämien das korrigieren, bin ich dabei.
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  • Kommentar von Charles Dupond (Egalite)
    Im brutalen Verdraengungswettbewerb ohne Zollschutz und ohne Grenzschutz gegen Loehndoemper koennen sich die KMU gar keine soziale Verantwortung mehr leisten. Heute gehen KMU nicht mehr nur wegen zu kranken Galeeristen hops, sondern schon, wenn der Inhaber von der immer massloseren Scheidungsjuxtiz ausgesackt wird. Taggeldversicherungen sollten mit gleichen Praemien und Abscheiderinnenalimentierung wieder wie vor 1933 aus von Reichlingssteuern gespiesenen Armenfonds verstaatlicht werden....
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    1. Antwort von Beat Reuteler (br)
      Ihre Bedenken haben nichts mit dem Thema zu tun, Hr. Dupond.
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  • Kommentar von Peter Muster (Giovanni Caputo)
    Die leittragenden sind seit neustem die Angestellten. Wo clevere Chefs die Krankheit aus dem Vertrag ausschliessen. Bei Krankheit hätte mir mein Chef nichts bezahlt (Stundenlohn-Teilzeitvertrag). Genau mit der Prämienerhöhung der Versicherung hat er argumentiert. ICH brauchte den Job und musste das akkzeptieren....
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    1. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      Das ist nicht ganz korrekt. Auch in Teilzeit haben Sie Rechte und OR und Arbeitsgesetz gelten, und können nicht durch einen nachteiligeren Arbeitsvertrag aufgehoben werden. Der Arbeitgeber muss Ihnen den Lohn weiter bezahlen auch ohne Versicherung. Allerdings nur sehr kurz und erst nach 3 Mt Anstellungszeit. Die Dauer hängt von der Anstellungszeit ab (3 Wochen bis 3 Monate).
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    2. Antwort von Hans Haller (panasawan)
      Das wäre mal genauer zu überprüfen, allenfalls müsste da sogar eingeschritten werden. Da stimmt was gar nicht.
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